Neue Studie
 
Deutschland ist elternunfreundlich

2. Kinder und Karriere - in Deutschland klare Gegensätze

Väter trauen sich oft nicht, beruflich kürzer zu treten

Mobil, flexibel und immer zu Überstunden bereit - so sieht der ideale Arbeitnehmer für die meisten Unternehmen offenbar aus. Dass dieses Anforderungsprofil mit einem geregelten Familienleben kaum zu vereinbaren ist, dürfte klar sein. Die Studie zeigt deutlich, dass eine familienfreundliche Arbeitswelt hierzulande noch immer bloße Utopie ist. Mutterschaft ist für die meisten Frauen offenbar immer noch gleichbedeutend mit einem erheblichen Karriereknick.

Und auch mit der gerne angebrachten "Selbstverwirklichung im Beruf" scheint es nicht weit her zu sein: Die Frauen klagen nicht nur über ein dauerhaftes schlechtes Gewissen, weil sie augenscheinlich weder den Kindern noch den Erfordernissen des Berufes gerecht werden können, sondern auch über ein ausgeprägtes Misstrauen von Chef und Kollegen in ihre beruflichen Fähigkeiten, sobald sie Mutter sind. Nicht einmal der Blick auf die Lohnabrechung vermag da zu trösten. Denn das Geld geht in vielen Fällen mehr oder weniger für eine vielfach als ebenso teuer wie mangelhaft empfundene Kinderbetreuung wieder drauf.

Dennoch gaben in den Interviews viele Familien an, auf zwei Gehälter angewiesen zu sein, um ihren Kindern einen angemessenen Lebensstandard bieten zu können - vor allem Eltern aus der so genannten Mittelschicht: Diese werden einerseits von der Angst vor Arbeitslosigkeit und sozialem Abstieg geplagt, versuchen aber andererseits auch, den Anschluss an die oberen Schichten zu halten.

Dieses Dilemma stellt auch den Vater vor eine große Herausforderung: Oft arbeitet er nach der Geburt des Kindes noch mehr als zuvor, damit die Familie über die Runden kommt. Doch eigentlich, dies zeigt die Studie deutlich, möchten sich junge Väter gerne stärker in die Erziehung ihres Nachwuchses einbringen und mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen. Oftmals wagen sie aber nicht, im Büro kürzer zu treten oder auch nur die beiden Vätermonate zu beantragen, weil sie bei ihren Kolleginnen beobachten, wie ein Kind die Karriere beinträchtigen kann.