Neue Studie
 
Deutschland ist elternunfreundlich

3. Im deutschen Bildungssystem sind die Eltern die Dummen

Bildung ist das entscheidende Instrument für den Erfolg - das haben die deutschen Eltern tief verinnerlicht. Und weil der spätere Erfolg ihres Kindes ein Gradmesser für den Erfolg ihrer Rolle als Eltern ist, wollen die meisten von ihnen dabei nichts dem Zufall überlassen. Dazu ist viel Eigeninitiative gefordert - und zwar wieder vor allem von den Müttern: Da werden schon mit dem Kleinkind Förderkurse besucht, später werden die Kinder nachmittags zum Ballettunterricht oder zur Musikschule gefahren und selbstverständlich wird bei den Hausaufgaben geholfen. Denn die Schule, so empfinden es viele Eltern, delegiert viele Bildungsaufgaben einfach an die Eltern weiter. Zur aktuellen Diskussion über die Belastung der Schüler durch das verkürzte Gymnasium G8 sagte Familienministerin Ursula von der Leyen: "Ich halte G8 für richtig und begrüße die derzeitige Diskussion. Dazu gehört auch die Ganztagsschule. Aber dort müssen die Kinder zum Lernen motiviert werden, das darf nicht ins Elternhaus abgeschoben werden. Wenn die Kinder nach Hause kommen, sollte das Lernen abgeschlossen sein und das Familienleben beginnen."

Die meisten Väter und Mütter haben jedoch in die Institution "Schule" nur wenig Vertrauen haben und den Bildungserfolg ihrer Kinder möglichst selbst in die Hand nehmen. Dies führt auch zu dem schon vielfach registrierten Phänomen, dass Familien spätestens mit dem Eintritt ihrer Kinder ins schulpflichtige Alter in ein "besseres" Wohngebiet ziehen. Als Folge bleiben die Kinder auch in der Schule in ihrem sozialen Umfeld - die Kinder der Mittelschicht ebenso wie die aus sozial schwachen Kreisen.

4. Als "Familien-Manager" leisten Eltern einen Fulltime-Job

Auch die Freizeit der Kinder wird von ihren Eltern organisiert

Nicht nur ein bekannter Haushaltsgerätehersteller, sondern auch die Autoren der Studie sprechen von Eltern als "Familien-Manager": Kinder und Eltern hätten heute auch deshalb ein viel engeres Verhältnis zueinander, weil selbst die Freizeitgestaltung der Kleinen in der Verantwortung der Eltern läge. In vielen Nachbarschaften gebe es mittlerweile weder genügend andere Kinder noch überhaupt Möglichkeiten, einmal ohne die Erwachsenen herumzutollen.

Hinzu komme, dass viele Kinder ohne Geschwister aufwachsen. So seien die Eltern in jeglicher Hinsicht gefragt: als Spielpartner, als Chauffeur zum Kindergeburtstag des Schulfreundes oder zum Sportverein, als Nachhilfelehrer sowie als Animateur für den Wochenendausflug. Für die Eltern bedeutet das erneut einen hohen Organisationsaufwand und damit auch Stress. "Im europäischen Vergleich investieren deutsche Mütter genauso viel Zeit in Haushalt und Kinderbetreuung wie in anderen Ländern. Trotzdem haben sie objektiv weniger Zeit. Aufgabe der Politik ist es, diese Zeitdiebe zu entdecken und zu verjagen. Aber das fängt in unseren Köpfen an: Wir sollten uns von dem ständigen Perfektionismus verabschieden - vor allem in Hinblick auf die Mutterrolle", so die Familienministerin.