Familienmediation
 
Hilfe, wenn alles zerbrochen ist

Wenn ein Paar sich trennt, lässt sich Streit selten vermeiden. Aber Krieg - durch eine Familienmediation. Die ist umso wichtiger, wenn Kinder da sind. Für welche Paare sich eine Mediation eignet und was dort eigentlich passiert, erfahren Sie hier.

Der Respekt geht verloren

Familienmediation: Hilfe, wenn alles zerbrochen ist

Wenn zwei Menschen sich entliebt haben, bleiben Wunden zurück. Die Eigenarten des anderen, die einen schon immer gestört haben, werden überlebensgroß. Im Gespräch über die Zukunft nach der Trennung geht es nicht mehr voran, nur noch zurück. Aber eigentlich soll das Leben der gemeinsamen Kinder geregelt werden. "In der Situation, in der Menschen Hilfe bei einer Mediation suchen, ist eines typisch: Beide Partner können die Fähigkeiten des anderen und das, was er früher für die Kinder und die Zweisamkeit getan hat, nicht würdigen", sagt Sabine Zurmühl, Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft für Familienmediation e. V. (BAFM), "der Respekt voreinander geht vollends verloren." Entsprechend gelingt es den Partnern kaum noch, vernünftig miteinander zu reden und sich vor allem am Wohl ihrer Kinder zu orientieren.

Familienmediation: Für wen eignet sie sich und was passiert dort?

In der Familienmediation geht es tatsächlich meist um Trennung und Scheidung, um Unterhaltsstreitigkeiten, Hol- und Bringzeiten für die Kinder und die Suche nach einer gemeinsamen Linie in der weiteren Erziehung. Daneben kommen Paare, die sich eine Trennung nicht leisten können - und zusammenlebende Eltern, die Generationen- und Erbschaftskonflikte, Schulspannungen, Taschengeld- oder Impfdiskussionen mithilfe des Mediators zu klären versuchen.

Ein Ort für konstruktive Gespräche

Beim Ehepaar Wiechmann (Name von der Redaktion geändert) ging es um die Trennung der Haushalte - die Regelung der Finanzen war zunächst zweitrangig. "Ich wollte, dass unsere Tochter so wenig wie möglich Schaden nimmt. Deshalb habe ich für die Mediation gekämpft", sagt Reinhard Wiechmann und ist sich sicher: "Hätten wir in der Ehe so konstruktiv miteinander reden können wie während der Trennung unter Anleitung eines Dritten, wären wir wohl noch ein Paar."

Familiemmediation: ein Weg für alle Paare?

Eine der wenigen Voraussetzungen für die Mediation ist, dass beide Partner freiwillig kommen und tatsächlich an einer Lösung des Konflikts interessiert sind. Stellt sich irgendwann heraus, dass das nicht so ist, bricht der Mediator die Gespräche ab. Wichtig ist in einer Mediation nicht, was gestern war und wie Probleme entstanden sind. Gesprochen wird über das, was - vom derzeitigen Zustand aus betrachtet - in Zukunft möglich sein soll.

Für Schuldzuweisungen ist kein Platz

"Wir arbeiten fokussiert auf ein bestimmtes Thema und Ziel hin", erklärt Sabine Zurmühl vom BAFM. Zwar geht es immer wieder um verletzte Gefühle, aber die können und sollen in der Mediation nicht aufgearbeitet werden. "Mein Mann verdient viel mehr, als er zugibt. Das ist doch schäbig, finden Sie nicht?", lautet ein typischer Vorwurf, den die Münchner Mediatorin Katrin Normann in der Familiennotruf-Beratungsstelle immer wieder zu hören bekommt. Ihre Antwort: "Ich gebe keine moralische Wertung und keine Schuldzuweisung." Der Mediator hat vielleicht eine eigene Meinung, aber er sagt sie nicht. Ihm geht es darum, so pragmatisch wie möglich eine für alle Parteien lebbare Lösung herbeizuführen.

Regeln schriftlich festhalten

Jeder Partner soll im Gespräch mit dem Mediator in etwa gleich viel Redezeit haben. Fragt der Vermittler jede einzelne Partei nach einem Lösungsvorschlag, wird ein "Ich weiß nicht" oder ein "So will ich das aber nicht" nicht akzeptiert. Konstruktiv sollen die Sitzungen verlaufen: "Ich stelle mir das so vor ..." statt "So nicht." Alle Vorschläge des Mannes und der Frau werden schriftlich auf einem Flipchart festgehalten, damit sie die Expartner und der Mediator immer vor Augen haben und wissen, wohin sie das Gespräch am Ende führen soll. Wenn der Konflikt gelöst ist, wird eine Vereinbarung formuliert, an die sich beide Streitpartner halten müssen.

Nur noch als Eltern denken

Reinhard Wiechmann ist froh über das, was er in der Mediation gelernt hat: "Wir haben begriffen, dass wir nach der Trennung nicht mehr auf einer Beziehungsebene denken und reden sollten, sondern nur noch auf der Elternebene - für unsere gemeinsame Tochter." Es fiel ihm deshalb auch nicht mehr schwer, seine Frau nach der Scheidung zu umarmen, ihr alles Gute zu wünschen. Er sagte zu ihr: "Ich werde immer ein Stück Liebe für dich empfinden, weil ich gesehen habe, wie du mir im Kreißsaal meine Tochter geschenkt hast." Aber dachte zugleich auch: "Leben will ich in Zukunft lieber ohne dich."

Juristische Vorkenntnisse stehen Lösung im Weg

"Was die juristischen Kenntnisse angeht, ist es uns am liebsten, wenn die Leute noch jungfräulich sind", sagt Mediatorin Katrin Normann. "Klienten, die ihre finanziellen und sorgerechtlichen Ansprüche schon bis ins Detail ausgelotet haben, sind für viele Vorschläge nicht mehr offen und entscheiden oft gegen die Interessen der Kinder." Mediatoren bieten übrigens fast immer an, Kinder (ab Vorschul- oder Grundschulalter) in Einzelgesprächen nach ihrer Meinung zu fragen. Meist malen die Kinder dann, wie ihre Familie aussieht, und erzählen von den Wünschen, die sie an Mama und Papa haben. Diese Wünsche sind fast immer die gleichen: "Mama soll nicht so oft weinen" oder: "Die Eltern sollen sich beim Bringen oder Abholen nicht streiten."

Paare sparen auch Geld

Die Erfahrung zeigt: Neun von zehn - freiwilligen - Mediationen gelingen, es kommt zu einer einvernehmlichen Lösung. Letztlich sparen die Paare damit auch eine Menge Geld. Weil nicht jede Kleinigkeit in einem Anwaltsbrief ins Haus und auf den Tisch des Richters flattert, bevor es zur Scheidung kommt. So auch im Fall von Reinhard Wiechmann: "Wir hatten in der Mediation den Unterhalt klar vereinbart und waren beide damit zufrieden, aber unsere Anwälte haben im Scheidungsverfahren versucht, für ihre Partei das Optimale herauszuschlagen. Da habe ich meine Frau zum Essen eingeladen und ihr gesagt, dass die Anwälte das machen, weil sie an der Scheidung mehr verdienen wollen. Wir haben die Juristen dann dazu gezwungen, unsere Einigung hinzunehmen und keine weitere Schlammschlacht zu kämpfen."

Informationen zur Mediation

  • Kosten: Paare, die eine Mediation machen wollen, müssen sich an den Kosten beteiligen. Je nachdem, ob sie sich an eine Beratungsstelle (meist durch Spenden unterstützt), einen erfolgreichen Juristen, einen Psychologen oder einen Sozialpädagogen wenden, bewegen sich die Kosten in der Regel im Bereich von etwa 80 bis 160 Euro pro Sitzung.


  • Dauer: Manche Probleme sind nach drei Treffen gelöst, andere brauchen zehn und mehr. Die Gespräche dauern jeweils eine bis anderthalb Stunden und fi nden etwa einmal im Monat bis alle sechs Wochen statt, damit die Paare die Möglichkeit haben, die erarbeiteten Kompromisslösungen auch auszuprobieren.

  • Adressen: Kontakte zu Mediationszentren in ganz Deutschland sind erhältlich über die Bundesarbeitsgemeinschaft für Familienmediation e. V. (BAFM), Eisenacher Str. 1, 10777 Berlin, Tel. 0 30/23 62 82 66. Auf der Homepage des BAFM (www.bafm-mediation.de) gibt es auch ein alphabetisches Verzeichnis nach Mediatoren und ein Verzeichnis nach Postleitzahlen.