Spielzeug-Rückrufe
 
Mattel: "Wir brauchen strengere Standards"

Im vergangenen Jahr musste Mattel über 20 Millionen Spielzeuge aus chinesischer Produktion zurückrufen. Wie der Konzern Sicherheitsmängel in Zukunft verhindern will, erklärt der Mattel- Vorstandsvorsitzende Robert Eckert im Interview mit Eltern.de. An der Fertigung in China hält der Konzern fest.

Wegen bleihaltiger Farbe zurückgerufen: das Auto "Cars Sarge" mit der Artikelnummer H6414 oder L6294.
Wegen bleihaltiger Farbe zurückgerufen: das Auto "Cars Sarge" mit der Artikelnummer H6414 oder L6294.
Der US-Konzern Mattel ist der weltweit größte Spielwarenhersteller, zu seinen Marken gehören Barbie, Hot Wheels und Fisher-Price. Im Sommer und Herbst 2007 musste Mattel wegen bleihaltiger Farbe und sich lösender Teile am Spielzeug über 20 Millionen Produkte zurückrufen. Alle Produkte waren in China hergestellt worden; circa 65 Prozent des Mattel-Spielzeug stammt aus chinesischer Produktion. Eltern.de sprach mit dem Vorstandsvorsitzenden von Mattel, Robert Eckert, und Dr. Michael Shore, Leiter des Mattel-Spielelabors, über Spielzeugsicherheit und Trends auf dem Spielzeugmarkt.

Im vergangenen Jahr musste Mattel über 20 Millionen Spielzeuge aus chinesischer Produktion zurückrufen. Wie wollen Sie das Vertrauen der Kunden, der Eltern, zurückgewinnen?
Robert Eckert: Die gute Nachricht ist, dass die Eltern im Weihnachtsgeschäft zu Mattel zurückgekommen sind, wir hatten ein sehr gutes Weihnachtsgeschäft. Und aus umfangreichen Marktforschungen wissen wir, dass die meisten Eltern sich der Rückrufe und Probleme bewusst waren, viele von ihnen aber auch zufrieden waren mit der Art und Weise, wie wir uns in der Krise verhalten haben. Wir sind sehr offen mit dem Thema umgegangen und haben genau erklärt, wie wir das Problem in Zukunft verhindern wollen. Und wir kommunizieren auch weiterhin über die Medien und direkt mit den Kunden, erklären ihnen, dass wir unsere Sicherheitsstandards verbessert haben. Einige unsere neuen Programme werden von anderen Spielzeugfirmen in den USA übernommen - denn wir wollen mit dem Thema Sicherheit keinen Wettbewerb betreiben.

Wie sehen diese neuen Sicherheitsstandards aus?
Eckert: Um zu verhindern, dass künftig erneut bleihaltige Farbe in unser Spielzeug gerät, haben wir ein vier-Stufen-Konzept entwickelt: Sowohl in den Mattel eigenen Produktionsstätten – sie stellen etwa die Hälfte unserer Produkte her – als auch bei unseren Partnern darf nur noch Farbe verwendet werden, die von zertifizierten Zulieferern stammt. Bevor diese Farbe aber benutzt werden darf, muss sie in den Fabriken noch einmal getestet werden. Drittens überwachen jetzt mehr Mitarbeiter von Mattel die Produktionsprozesse, die Anwendung der Farben, und zwar in allen Fabriken. Und viertens testen wir jede Reihe fertiger Produkte, bevor sie ausgeliefert werden.

Ihnen wurde der Vorwurf gemacht, dass man durch die Verlagerung von Produktionsstätten nach China, durch den Aufbau eines Systems von Subunternehmern und Drittzuliefern, ein wirklich sicheres Produkt nicht garantieren kann.
Eckert: Wir produzieren seit 20, 30 Jahren in China. Und die Probleme, die wir im vergangenen Jahr hatten, sind deswegen in China aufgetreten, weil dort einfach das meiste Spielzeug hergestellt wird. Wir haben auch Qualitätsprobleme mit Spielzeug gehabt, das in anderen Ländern hergestellt wurde. Es geht nicht darum, wie ein Land Spielzeug produziert, sondern wie eine Firma Spielzeug produziert - und wir brauchen einfach strengere Standards in allen Ländern, in denen wir Fabriken haben - in China, Malaysia, Thailand, Indonesien und Mexiko. Und wir müssen auch dafür sorgen, dass sie beachtet werden. Einige Probleme im vergangenen Jahr sind deswegen aufgetreten, weil Leute bewusst unsere Vorgaben umgangen haben. Und das darf nicht wieder passieren.

Das heißt, Sie führen in allen Ländern die gleichen Kontrollen durch?
Eckert: Ja, wobei wir zum Beispiel in Mexiko das Problem mit bleihaltiger Farbe nicht haben. In den Fabriken dort wird Farbe aus den USA verwendet - und wir haben in den USA nur wenig bleihaltige Farbe. Deswegen brauchen wir dort nicht die gleichen Kontrollen. Es ist ja auch so, dass wir seit Jahrzehnten auf Bleigehalt testen und bis zum letzten Jahr nie Probleme hatten.

Würden Sie Ihren Kunden versprechen wollen, dass so etwas nicht wieder passiert?
Eckert: Nein, denn man kann nie niemals sagen. Aber wir haben aus dem letzten Jahr gelernt und ich bin sehr zuversichtlich, dass wir die Probleme behoben haben.

zurück 123