Mutterschaft
 
Kind da, Gleichberechtigung weg?

Weiblichkeit - erst durch die Mutterschaft perfekt?

"Im Unterschied zu Isadora hatte ich erst mit der Geburt des Kindes das Gefühl, in eine undefinierbare, geheimnisvolle Frauengemeinschaft aufgenommen zu werden. Da atmete meine Mutter erleichtert auf, stieß einen 'Normalitätsseufzer' aus. In ihren Augen wog ein akademischer Titel von einer Universität fast nichts verglichen damit, Mutter zu werden."

Feministin und Mutter - schließt sich das aus?

"Es ist traurig, aber das Mutterwerden scheint das schwierigste Gleichstellungsprojekt überhaupt zu sein. Es ist offenbar nicht möglich, gleichzeitig gegen eine biologische Ungleichheit und eine noch größere soziale und kulturelle Ungleichheit zu kämpfen. Und das alles ist umgeben von einer Sehnsucht und einer Liebe zu deinem Kind, die größer und stärker ist als alles, was du bisher erlebt hast.

Wenn du dann noch die Welt mit feministischen Augen siehst, ist es fast nicht auszuhalten. Es ist wie im Film Matrix - wenn du die Wahrheitspille genommen hast und in deinem Kokon aufwachst, in einer viel hässlicheren Welt, dann gibt es kein Zurück.

Wenn wir aufwachen und die Wirklichkeit so sehen, wie sie ist, dann schieben viele das auf den Feminismus. Sie stellen alles auf den Kopf und meinen, es seien die Visionen der Feministinnen, die zu hohe widersprüchliche Forderungen stellen, und dass diese die doppelt belasteten Frauen kaputt stressen. Dass alles so viel einfacher war, als die Frauen Hausfrauen waren, ohne Ansprüche an die eigene Karriere. Als die Selbstverwirklichung der Frauen in der Mutterschaft und einem ordentlichen Zuhause bestand. Heute arbeiten die meisten Frauen zweifach, sowohl im Haus als auch im Job. Aber wenn wir gleichberechtigt leben würden und die Männer ihren Teil der Verantwortung für die Kinder und den Haushalt übernehmen würden, dann wären die Frauen nicht so gestresst. Wenn man den Feminismus als eine Widerstandsbewegung sieht und als den einzigen Weg zu einer möglichen Befreiung, dann muss man die Schwierigkeiten vielleicht akzeptieren?

Es tut nämlich immer weh, Widerstand zu leisten."

Andere Mütter - unsere schärfsten Kritikerinnen?

"Ich erinnere mich voller Scham an meinen dritten Besuch in der Krabbelgruppe. Ich hatte eine Zeitung dabei und hoffte, Sigge würde ein bisschen alleine spielen, damit ich in Ruhe lesen konnte. Die anderen Mütter saßen wie immer auf dem Boden, zehn Zenitmeter von ihren Babys entfernt, ich setzte Sigge auf den Boden und ließ mich zwei Meter weiter weg auf ein gemütliches Sofa sinken. Sigge krabbelte sofort auf dem Boden herum und untersuchte die Spielsachen, ich schlug meine Zeitung auf und fing an zu lesen (...) als ich plötzlich bemerkte, dass um mich herum Stille herrschte. Die Unterhaltungen hatten aufgehört, und als ich von der Zeitung aufschaute, sah ich, dass fünf Bodenmütter mich böse anstarrten. Ich sah, dass Sigge zufrieden an einem gelben Plastikfisch lutschte, und verstand erst gar nicht, was los war. Was hatte er gemacht? Was hatte ich gemacht?

Ich hatte mich auf ein Sofa gesetzt und war einen halben Meter über den Fußbodenmüttern. Ich hatte getan, was viele Männer in der Krabbelgruppe tun. Als Mutter durfte ich das nicht. Eine halbe Minute versuchte ich, das Schweigen zu ignorieren, dann gab ich auf, verließ das Sofa und setzte mich auf den Boden, zehn Zentimeter von Sigge entfernt.

Die Bodenmütter nahmen ihre Gespräche wieder auf, über todlangweilige Themen wie Durchschlafen, Gewichtszunahme und Koliken. Ich lächelte sie vorsichtig an, aber keine lächelte zurück. Ich hatte deutlich gezeigt, dass ich keine von ihnen sein wollte, und jetzt war ich nicht mehr willkommen.

Ich bin nie wieder in die Krabbelgruppe gegangen."

Mehr über Maria Sveland und ihr Buch "Bitterfotze"

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