Familie
 
Müttersorgen und Väterfrust - alles "Kinderkacke"?

Julia über das Liebesleben mit Kindern

"Biologisch ist es für die moderne Beziehung nicht weniger als ein Desaster, wenn man Kinder bekommt. Das Thema Geschlechtsverkehr ist ein Dauerbrenner (...) Mein Mann geht das Thema handfest an und gibt mir Hausaufgaben auf: 'Schreib doch mal deine Sexphantasien auf und wie du es gern hättest.' Und ich philosophiere mit Freundinnen und jungen Müttern beim Tee. Keine von ihnen springt gleich auf das Thema Beckenboden an, aber ich merke es an den Blicken, dass da auch bei ihnen etwas ist. Ich formuliere es höflich und wohlerzogen und sage: 'Mein Inneres ist noch so weich', dabei meine ich: Mein Beckenboden hängt mir bis zum Arsch, und Sex macht mir auch keinen Spaß mehr. Und ernte ein Kopfnicken. Warum hat mir niemand von der Existenz dieses Muskels erzählt, bevor ich Kinder bekam? (...) Immerhin herrscht Einigkeit beim Thema Stillen. Mag ja alles gut und gesund sein, aber irgendwie wäre es schön, wenn man sich beim Füttern mal mit dem Partner abwechseln könnte. (...) Überhaupt bestehen da grundlegende Vorbehalte bei meinem Mann. Toll ist zwar, dass die Brüste jetzt immer so schön drall sind. Ansonsten bringt es nur Nachteile. Die Brustwarzen sind empfindlich, und ich will nicht, dass er daran herumfingert, das Baby hängt schon jede freie Minute dran. Es ist schwer erträglich, seine frühere Autonomie aufzugeben und an regelmäßige Mahlzeiten gebunden zu sein, zu denen man dem Baby zur Verfügung zu stehen hat. Seit ich Kinder habe, denke ich jeden Tag daran, dass ich schon wieder zu wenig Schlaf hatte. Das Defizit der ersten Monate holt man meiner Meinung nach nie wieder auf. Auch hier denkt mein Mann pragmatisch: Du brauchst Energie? Lass uns doch gleich hier auf dem Sofa ..."

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