Nachzügler
 
Reservieren Sie Zeit für Ihre Partnerschaft

Keine überzogenen Erwartungen pflegen, die großen Geschwister nicht vernachlässigen, auch an sich selbst denken. Wie Eltern die Situation mit unerwartetem Familiennachwuchs meistern können.

Nachzügler : Reservieren Sie Zeit für Ihre Partnerschaft

Ratschläge von Familientherapeutin und Diplom-Psychologin Margarethe Schindler.

Keine konkreten Erwartungen haben

Es kommt meistens anders, als man denkt. Deshalb sollten Mütter möglichst keine konkreten Erwartungen an das Leben mit einem Nachzügler haben oder sich Wunschträume ausmalen. Wenn schon Pläne und Vorstellungen, sollte man sich lieber die Schattenseiten vor Augen führen. Dann kann man sich innerlich auf durchwachte Nächte, geplatzte Verabredungen oder die misslungene Berufsrückkehr einstellen. So beugt man Enttäuschungen vor und kann gleichzeitig die schönen Stunden mit dem Baby genießen.

Auch an die Bedürfnisse der älteren Geschwister denken

"Mit uns hast du nie so viel gebastelt wie mit dem Kleinen!" Solche Bemerkungen sollten Mütter nicht auf die leichte Schulter nehmen, aber sie müssen sich auch nicht verteidigen. Sie können zum Beispiel antworten: "Ja, ihr habt Recht. Ich hätte es mir auch anders gewünscht mit euch. Aber damals ging es nicht anders." Man kann die Älteren auch fragen, was sie sich jetzt von ihrer Mutter wünschen. Meist kommt dann nichts - die Großen sind eigentlich zufrieden, wollen aber wahrgenommen werden. Richtige Eifersucht kommt kaum vor, weil die großen Kinder eigene Freunde haben und sich schon von den Eltern lösen.

Alle packen mit an

Eins ist klar: Nur Liebhaben geht nicht. Die älteren Kinder müssen auch was mit dem Familienzuwachs machen, nur durch gemeinsames Handeln entwickelt sich Zuneigung. Und in einer Familie packen alle mit an.
Aber ich würde nicht dazu raten, die Großen regelmäßig zum Babysitten zu verpflichten.

Zeit für den Partner reservieren

Ich empfehle immer feste Rituale. Wie regelmäßig vor dem Schlafengehen eine halbe Sunde bei einer Tasse Tee zusammenzusitzen und über den Tag zu sprechen. Oder kleine Feiern, zum Beispiel immer dann, wenn der Nachzügler einen erkennbaren Fortschritt macht: frei sitzen, laufen lernen, das erste Wort sprechen. Auf diese Weise wird des Entwicklung Ihres Kindes deutlicher.

Das wollen viele Frauen sowieso. Sie genießen jetzt die Babyzeit bewusster – auch, weil sie wissen, wie schnell diese Phase vorbeigeht. Und wer sich eher gefrustet fühlt, weil die Zeit mit dem Baby nicht so schön ist wie erwartet, spürt durch solche Feierrituale: es geht voran, das Kind wird groß, mit jedem Schritt komme ich meinem alten Leben wieder näher.

Vorsicht vor der Verwöhnfalle

Je mehr eine Mutter sich auf das Nesthäkchen konzentriert, desto größer ist die Gefahr. Dass sie es maßlos verwöhnt - und das Risiko, dass sie selbst zu kurz kommt. Auch deshalb sind Fortschrittsfeiern wichtig: Hier können Eltern lernen, ihren Nachzügler Schritt für Schritt loszulassen.