Typisch deutsch
 
Wie denkt man im Ausland über deutsche Eltern?

Typisch deutsch - dazu fällt unseren Nachbarn ja einiges ein: So gelten wir zumeist als pünktlich, fleißig und ordnungsliebend, aber leider auch als ziemlich humorlos. Und deutsche Eltern? Gibt es über sie auch derartige Vorurteile? Wir haben uns einmal umgehört.

"Typisch deutsch" - gilt das auch für Eltern?

Typisch deutsch: Wie denkt man im Ausland über deutsche Eltern?

Die Deutschen neigen ja dazu, mit dem, was im Ausland als "typisch deutsch" gilt, zu hadern: Wie gerne würden wir als locker, unterhaltsam und witzig gesehen werden. Stattdessen fürchten wir, dass man uns in anderen Ländern für strebsame Vereinsmeier mit großem Bierdurst hält.

Und deutsche Eltern? Vielleicht haben Sie beispielsweise nach einem Urlaub schon einmal gefragt, ob die italienische Familie in den Strandliegen nebenan Sie beobachtet und dann denkt: "Diese Eltern sind wirklich typisch deutsch"?

Wir wollten einmal wissen, ob es in anderen Ländern auch Klischees über deutsche Eltern gibt. Und sind prompt fündig geworden. Hier nennen wir Ihnen vier Beispiele - klicken Sie einfach auf den jeweiligen Link:

Das ist "typisch deutsch" für italienische Eltern

In Italien gibt es tatsächlich das Klischee der typisch "deutschen Mutter", weiß Sarah Pozzoli, Redakteurin unserer italienischen Partner-Site www.nostrofiglio.it. Damit sei gemeint: Die Mutter ist zwar ein wenig streng mit ihren Kindern, legt im Großen und Ganzen aber viel Wert auf Gerechtigkeit und eine freie Entfaltung des Nachwuchses. Wichtig ist ihr allerdings, dass die schulischen Leistungen stimmen. "Manche Leute benutzen das Klischee jedoch auch in einem eher negativen Sinn", warnt Sarah Pozzoli: "Sie wollen damit sagen, dass man zu streng und zu kühl mit seinen Kindern umgeht - als wäre die Mutter ein Offizier und die Kinder kleine Rekruten."

Das entgegengesetzte Stereotyp sei in Italien übrigens die "mediterrane Mutter": Die gehe extrem liebevoll mit ihren Kindern um und benehme sich wie die sprichwörtliche Glucke. Die Kehrseite davon sei jedoch ihre Unfähigkeit zu aktzeptieren, dass die Kinder erwachsen werden und das heimische Nest verlassen. Für die Söhne und Töchter solcher Mütter, die mit 30 oder gar 40 Jahren noch im Elternhaus leben würden, gäbe es im Italienischen sogar mittlerweile ein neues Wort: "Bamboccioni"!

Das ist "typisch deutsch" für türkische Eltern:

Eine typische deutsche Familie - für viele Türken besteht die aus Vater, Mutter, einem Kind und einem Hund. Das fanden die Psychologen Dr. Birgit Leyendecker und Dr. Banu Citlak von der Ruhr-Universität Bochum bei einer Befragung von im Ruhrgebiet lebenden türkischen Migrantenfamilien heraus.

Die Ergebnisse ihrer Untersuchung, die sie auch in der Universitätszeitung "Rubin" veröffentlichten, können durchaus bedenklich stimmen. Denn anscheinend herrscht bei vielen hier lebenden Türken das Klischee vor, die Deutschen hätten einen nur schwach ausgeprägten Familiensinn: Der Kontakt zur weiteren Verwandtschaft beschränke sich nur auf ein Mindestmaß, manche türkische Mutter scheint sogar überzeugt, dass die deutschen Eltern eigentlich gar keine Kinder wollten und froh wären, wenn diese, kaum volljährig geworden, das Elternhaus verließen.

Das ist "typisch deutsch" für amerikanische Familien:

Viele deutsche Eltern fürchten ja, im Ausland als überängstliche Sicherheitsfanatiker zu gelten - etwa, weil sie auf einem Fahrradhelm für ihr Kind bestehen. In den USA dagegen scheinen wir Deutschen sogar als extrem gelassen zu gelten - zumindest hat unsere dort lebende Userin Mimmi diese Erfahrung gemacht. In unserem "Familien im Ausland"-Forum schreibt sie: "Wir gelten hier als Exoten, da unsere Kinder vieles dürfen, was für ihre gleichaltrigen Altersgenossen verboten ist." So sei es etwa geradezu verpönt, dass 13-jährige Mädchen die bei uns gerade in dieser Altersgruppe extrem angesagten "Twilight"-Romane läsen - schließlich geht es in denen um Liebe, Küsse und am Ende gar um Sex! 13-Jährigen werde nicht einmal erlaubt, alleine aus dem Haus gehen - "aber mit 15 dürfen sie mit Daddys fettem Pick up die Straßen unsicher machen", ereifert sich Mimmi.

Das ist "typisch deutsch" für Estländer

In der Rubrik "Deutschlerner" stellt der deutsche Auslandsfunk Deutsche Welle Menschen aus aller Welt vor, die gerade die deutsche Sprache erlernen. Klar, dass die sich ihre Gedanken darüber machen, was "typisch deutsch" ist. So hat etwa die heute 22-jährige Kasia aus Estland, die in der elften Klasse ein Austauschjahr bei einer Gastfamilie in der Nähe von Osnabrück verbrachte, festgestellt: "Ich finde, dass die Deutschen viel Wert auf Familie legen. Hier frühstückt die Familie morgens gemeinsam, dann essen alle zusammen Mittag und auch zum Abendbrot trifft man sich jeden Tag. In Estland machen wir das nicht. Da muss immer alles schnell gehen."