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Änderungen in 2012 Wie teuer ist der Alltag für Familien?

In diesem Jahr können sich viele Familien über mehr Geld auf dem Konto freuen: Vor allem bei der gesetzlichen Rentenversicherung werden die meisten zumindest ein Stück weit entlastet. Andererseits drohen beim Zahnarzt oder auch beim Strom deutliche Mehrkosten. Welche Änderungen hält 2012 also für Familien bereit? Hier erfahren Sie es:

Änderungen in 2012 für Familien:

Eines gleich vorneweg: Die Politik scheint zu sehr mit der Eindämmung der Euro-Krise beschäftigt zu sein, als dass sie in der Familienpolitik für große Veränderungen gesorgt hätte.

Der Ökonom Frank Hechtner hat in der "Süddeutschen Zeitung" jedoch ausgerechnet, dass alleine durch die Absenkung des Beitragssatzes in der gesetzlichen Rentenversicherung von 19,9 auf 19,6 Prozent des Bruttogehaltes einem Arbeitnehmer mit Durchschnittsverdiener netto circa 60 Euro mehr bleiben. Das klingt doch schon mal ganz gut.

Daneben kommen mit dem Beginn des Jahres 2012 noch einige weitere Änderungen auf Familien zu: So können Eltern künftig die Kinderbetreuung leichter bei den Steuern geltend machen. Die neue Familienpflegezeit soll es ihnen außerdem ermöglichen, sich im Notfall auch um erkrankte Angehörige kümmern zu können, ohne ihren Job gleich ganz aufgeben zu müssen. Und auch bei der Rente hat sich einiges getan.

Welche Änderungen genau seit dem 01. Januar 2012 gelten und welche und welche Sie davon genau betreffen, können Sie hier nachlesen - klicken Sie dazu einfach auf den entsprechenden Link:

Betreuungskosten sind künftig leichter absetzbar

Neu ist in der Steuererklärung die "Anlage Kind". Vom neuen Jahr an müssen Eltern für jedes ihrer Kinder diese Anlage ausfüllen. Das ist zum einen wichtig für das Kindergeld. Zum anderen wird es mit dieser Anlage für Eltern künftig auch deutlich einfacher, die Betreuungskosten für ihren Nachwuchs steuerlich geltend zu machen. Denn die aufwändigen Nachweise, dass eine Kinderbetreuung nötig ist, fallen künftig weg. An der Höhe der Entlastung ändert sich nichts: Väter und Mütter können auch in 2012 zwei Drittel der Betreuungskosten steuerlich absetzen, aber nur maximal 4.000 Euro pro Jahr.

Einkünfte von Jugendlichen in Ausbildung sind fürs Kindergeld nicht mehr relevant

Bislang erhielten Eltern Kindergeld beziehungsweise den Kinderfreibetrag nur dann auch noch während der Ausbildung ihres Kindes, wenn dessen Einkünfte einen Jahresbeitrag von 8.004 Euro nicht überschritten. Künftig spielen diese Einkünfte während der ersten Ausbildung des Kindes keine Rolle mehr für die Steuererklärung ihrer Eltern. Allerdings gelten weiterhin gewisse zeitliche Einschränkungen, das Kind darf also nicht zu viel jobben - die Grenze liegt bei 20 Stunden pro Woche. Auch ändert sich die Sachlage, wenn das Kind nach der ersten noch eine zweite Ausbildung beginnt.

Eltern, deren Kind einen dualen Studiengang absolviert, also eine Kombination aus Ausbildung und Studium, erhalten ab diesem Jahr endlich Klarheit über einen bislang umstrittenen Punkt: Auch diese Studierenden müssen Mitglieder in der gesetzlichen Krankenversicherung sowie in der Pflegeversicherung sein - sowohl während der Praxis- als auch während der Studienphasen.

Steuererklärung wird einfacher - zumindest ein bisschen

Änderungen gibt es auch bei Steuererklärung: Künftig dürfen Arbeitnehmer bei ihrer Steuererklärung für das vergangene Jahr 1.000 Euro Werbungskosten, also Fachliteratur oder Arbeitskleidung, ohne Nachweis abziehen. Bisher waren es nur 920 Euro.

Die Abrechnung der Wegekosten soll für Pendler erleichtert werden - allerdings können einige Pendler künftig weniger Kosten geltend machen als bisher. Denn: In der Vergangenheit konnten Berufstätige, die mal mit dem Auto und mal mit Bus und Bahn zur Arbeit fuhren, wählen, ob sie an Bus- und Bahntagen die Fahrtkosten oder die Pendler-Pauschale von 0,30 Cent pro Kilometer angeben. Nun müssen sie sich für eine Option entscheiden: Entweder machen sie für alle Fahrten zur Arbeit diese Pendler-Pauschale geltend oder sie reichen nur die Ticketkosten ein.

Übrigens: Wer eine private Altersvorsorge besitzt, kann diese bei der Steuerklärung künftig zu einem größeren Teil geltend machen.

Zahnarztkosten steigen deutlich

Privatpatienten zahlen beim Zahnarzt künftig bis zu 20 Prozent mehr!

Zunächst eine gute Nachricht für alle gesetzlich Versicherten: Alle Krankenkassen planen, zumindest fürs erste die Zusatzbeiträge abzuschaffen. Ob sich das langfristig tatsächlich umsetzen lässt, ist unter Experten umstritten - doch zumindest müssen die Krankenversicherten diese Mehrbelastung in 2012 nicht einplanen.

Die Beitragsbemessungsgrenze in der gesetzlichen Krankenkasse (GKV) wird für das Jahr 2012 bei 3.825 Euro im Monat beziehungsweise 45.900 Euro im Jahr liegen. Die Versicherungspflichtgrenze liegt ab dem 01. Januar 2012 bei 4.237,50 Euro im Monat beziehungsweise 50.850 Euro im Jahr. Der Einheitsbeitrag bleibt wie im Vorjahr bei 15,5 Prozent. Davon zahlen die Arbeitnehmer 8,2 Prozent, der Arbeitgeberanteil wurde bereits im Vorjahr bei 7,3 Prozent eingefroren.

Für Mitglieder der privaten Krankenversicherungen (PKV) könnte das neue Jahr jedoch eine bittere Pille bereit halten. Einige Versicherungen wie etwa die "ARAG", die "Central" oder die "Continentale" haben bereits angekündigt, ihre Beiträge deutlich zu erhöhen: So steigt der Tarif für Jugendliche bei der "Continentale" um 9,4 Prozent und für Kinder sogar um 14,9 Prozent. Da auch andere Versicherungen Beitragserhöhungen angekündigt haben, gehen Experten davon aus, dass viele Versicherte in diesem Jahr wechseln werden.

Sowohl für privat als auch für gesetzlich Krankenversicherte wird in diesem Jahr leider der Zahnarztbesuch deutlich teurer. Denn die Kassen übernehmen nur noch die Kosten für die so genannte Regelversorgung. Alle weiteren Behandlungen rechnen die Zahnärzte nach ihrer Gebührenordnung ab - und die wurde zum neuen Jahr um durchschnittlich sechs Prozent angehoben. Wie "Spiegel Online" errechnet hat, werden für Kassenpatienten dadurch vor allem die Eigenanteile bei Zahnersatz und Implantaten deutlich teurer. Privatpatienten müssten sich dagegen darauf einstellen, für alle Behandlungen beim Zahnarzt künftig bis zu 20 Prozent mehr zu bezahlen.

Keine Änderungen beim Unterhalt

Ob sich Unterhaltszahler (also meist die Väter) und Unterhaltsempfänger (in der Regel die Mütter mit ihren Kindern) über diese Nachricht freuen oder ärgern, hängt natürlich ganz stark von ihrer individuellen Situation ab. Fakt aber ist: Die so genannte Düsseldorfer Tabelle, die die Höhe des Unterhalts gegenüber dem Ex-Partner und der gemeinsamen Kinder regelt, bleibt gegenüber dem Vorjahr unverändert. Damit bleiben auch die Unterhaltssätze die gleichen wie in 2011.

Keine Besserung für Kinder von Hartz-IV-Empfängern in Sicht

Auch 2012 wird es für Familien, die von Hartz-IV leben müssen, nicht einfach, über die Runden zu kommen. Der Regelsatz steigt im neuen Jahr um zehn Euro auf monatlich 374 Euro. Für Kinder bis vier Jahre wird der Satz um magere vier Euro auf 219 Euro angehoben. Für Kinder beziehungsweise Jugendliche zwischen sechs und 18 Jahren bleiben die Sätze jedoch unverändert bei 251 Euro für Kinder bis 13 Jahre und 287 Euro für Jugendliche bis 18 Jahre. Alleinerziehende oder Schwangere können immerhin noch mit prozentualen Zuschlägen für ihren Mehrbedarf rechnen.

Neues Gesetz soll Kinder besser schützen

Mit dem 1. Januar 2012 ist das neue Kinderschutzgesetz in Kraft getreten. Mit seiner Hilfe will die Politik dafür sorgen, dass sich aufsehenerregende Fälle von Kindesmisshandlung oder -vernachlässigung nicht wiederholen. Erreicht werden soll das vor allem durch besonders geschulte Familienhebammen. Diese sollen Familien im Idealfall bereits während der Schwangerschaft, spätestens aber nach der Geburt des Kindes, intensiv betreuen.

Der Gedanke dahinter: Durch den engen Kontakt können überforderte Eltern früher identifiziert und dann von der Familienhebamme intensiv unterstützt werden. Vorgesehen ist, dass die Hebamme die Familien während des gesamten ersten Lebensjahres des Kindes regelmäßig besucht und berät.

Erleichterter Spagat zwischen Job und der Pflege Angehöriger

Nicht nur die Kinderbetreuung stellt viele Familien, in denen beide Elternteile berufstätig sind, vor große Herausforderungen - immer öfter muss auch einer von beiden zumindest zeitweise aus dem Job aussteigen, um Opa, Oma oder ein anderes erkranktes Familienmitglied zu pflegen. Mit einem neuen Gesetz zur Familienpflegezeit soll es Betroffenen künftig ermöglicht werden, Pflege und Beruf besser unter einen Hut zu bekommen. Das am 1. Januar 2012 in Kraft getretene Gesetz sieht vor, dass Arbeitnehmer zwei Jahre lang ihre Arbeitszeit auf mindestens 15 Wochenstunden reduzieren können, um einen Angehörigen zu pflegen. Während dieser Zeit erhalten sie weiterhin 75 Prozent ihres letzten Bruttogehaltes. Steigen sie im Anschluss an die beiden Jahre wieder voll in den Job ein, erhalten sie weiterhin dieses reduzierte Gehalt, bis der Vorschuss, den der Arbeitgeber ihnen auf diese Weise gewährt hat, ausgeglichen ist.

Was nach einer wirklichen Entlastung für Berufstätige mit pflegebedürftigen Angehörigen klingt, hat leider einen ziemlich dicken Haken: Es gibt nämlich keinen Rechtsanspruch auf diese Familienpflegezeit. Das bedeutet: Wenn der Arbeitgeber sich quer stellt, kann der Arbeitnehmer diese Pflegezeit nicht durchsetzen.

Die Rente ab 67 kommt!

2012 ist es soweit: Das Renteneintrittsalter wird stufenweise von 65 auf 67 Jahre angehoben. Das bedeutet auch: Egal, ob Basis-, Riester- oder Rürup-Rente – wer in diesem Jahr einen Vertrag über eine private Altersvorsorge abschließt, wird diese frühestens ab seinem 62. Lebensjahr ausbezahlt bekommen. Bislang konnte die Auszahlung schon ab dem 60. Lebensjahr beginnen. Das kann sie theoretisch zwar immer noch - doch dann muss die staatliche Förderung inklusive sämtlicher Zulagen zurückgezahlt werden.

Diese Änderungen finden ihren Niederschlag auch bei der Witwen- beziehungsweise Witwerrente: Diese wird bei Todesfällen nach dem 31. Dezember 2011 stufenweise vom 45. auf das 47. Lebensjahr ab dem Jahre 2029 angehoben.

Wichtig für viele Frauen, die etwa wegen der Babypause im Moment nicht berufstätig sind, aber durch ihren "riesternden" Mann eine eigene Riester-Zulage bekommen: In Zukunft müssen mindestens 60 Euro pro Jahr (also fünf Euro pro Monat) in ihren Riester-Vertrag, um die volle Zulage zu erhalten! In der Vergangenheit wurde dies häufig übersehen, was dazu führte, dass gezahlten Zulagen von den Betroffenen zurückgefordert wurden. Diese sollen jedoch unbürokratisch die Möglichkeit erhalten, fehlende Beiträge nachzuzahlen und so wieder die volle Zulage zu erhalten.

Lebensversicherungen sind künftig weniger lukrativ

Katerstimmung dürfte bei allen herrschen, die es im alten Jahr nicht mehr geschafft haben, sich mit dem Thema private Altersvorsorge zu beschäftigen: Wer erst in 2012 eine Lebensversicherung (also auch Riesterrentenversicherungsverträge und Rürup-Renten) abschließt, erhält nur noch einen Garantiezins von maximal 1,75 Prozent. Bisher waren es 2,25 Prozent - und für vor dem 31. Dezember 2011 abgeschlossene Verträge bleiben die natürlich auch.

Zur Erinnerung: Der Garantiezins ist der Zinssatz, der in jedem Fall ausgezahlt wird und der nach Abzug von Abschluss-, Verwaltungs- und Risikokosten im Vertrag dem Sparer verbleibt. Die Überschussanteile dagegen werden von den Versicherern nicht garantiert und können sich jedes Jahr verändern.

Beitragsbemessungsgrenzen für Arbeitslosen- und Rentenversicherung steigen nur im Westen

Mit dem neuen Jahr ändern sich die Beitragsbemessungsgrenzen für die Arbeitslosen- und die Rentenversicherung - allerdings nur in den alten Bundesländern: Dort steigt die Einkommensgrenze von bisher 4.600 auf nun 5.600 Euro. In den neuen Bundesländern liegt sie weiterhin bei 4.800 Euro.

Strompreise steigen weiter

Auch für das neue Jahr rechnen Experten damit, dass Familien im Schnitt vier Prozent mehr für Strom ausgeben müssen. Für einen Haushalt mit einem durchschnittlichen Jahresverbrauch von 4.000 Kilowatt entspräche das einer Mehrbelastung von rund 35 Euro brutto.

Einziger Trost: Ab dem 01. April 2012 soll es für Verbraucher einfacher werden, den Anbieter zu wechseln: Ihnen steht dann Schadensersatz zu, wenn der Umstieg nicht innerhalb von drei Wochen vollzogen ist.

Frauen müssen mit höheren Autoversicherungstarifen rechnen

Vor allem für Frauen wird die Autoversicherung im neuen Jahr wahrscheinlich teurer: Bisher zahlten sie häufig niedrigere Beiträge als Männer, da sie statistisch gesehen weniger Unfälle verursachen. Diese Regelung wurde jetzt vom Europäischen Gerichtshof gekippt.

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