Bundestagswahl 2013
 
Deutsche Eltern sind wählerisch

Wenn wir bei der Bundestagswahl am 22. September 2013 unsere Stimmzettel abgeben, dann wählen wir nicht nur für uns, sondern auch für unsere Kinder. Aber wie steht es um die Familienpolitik? Was wünschen wir uns von der nächsten Regierung? Um das herauszufinden, hat ELTERN in einer repräsentative forsa-Umfrage 1.000 Mütter und Väter von Kindern unter 18 Jahren befragt. Hier die Ergebnisse:

So denken Eltern über die Familienpolitik in Deutschland

Bundestagswahl 2013: Deutsche Eltern sind wählerisch

Im Wahljahr sind auch Familien wieder ein Thema: Die Parteien streiten über das Splitting, Peer Steinbrück macht die Familienpolitik zum Wahlkampfthema, der Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz wird in wenigen Monaten amtlich.Dabei scheint jeder zu wissen, was Familien wollen. Doch statt mit Ihnen zu reden, wird vor allem über Sie geredet. Das ist nicht gut. Und deshalb hat ELTERN zusammen mit dem Meinungsforschungsinstitut forsa eine große repräsentative Umfrage durchgeführt: 1.000 Mütter und Väter von minderjährigen Kindern in Deutschland wurden nach ihrer Meinung gefragt.Dabei haben wir viele Antworten bekommen. Zwischen den Zeilen aber auch viele Fragezeichen gefunden.

"Familie und Wahl" - die Studie:

Hier können Sie sich die gesamte Studie "Familie und Wahl" sowie den dazugehörigen Tabellenband herunterladen. Klicken Sie dazu einfach auf die Links:

Die spannendesten Ergebnisse der Untersuchung "Familie und Wahl":

Im Folgenden stellen wir die wichtigsten Ergebnisse der Studie in kurzen Zusammenfassungen vor. Lesen Sie einfach den gesamten Artikel. Oder klicken Sie auf den Link zu dem Thema, das Ihnen am meisten untern den Nägeln brennt:

Was halten Eltern von der aktuellen Familienpolitik?

Warum kommen die Fördermillionen nicht bei den Familien an?

Familienpolitik, so scheint es, ist in unserem Land vor allem eines: ein ziemliches Geeier. Das jedenfalls finden 61 Prozent der Befragten. Sie können nicht erkennen, dass die derzeitige Bundesregierung konkrete familienpolitische Ziele verfolgt. Besonders skeptisch sind Eltern mit mittlerem und niedrigem Schulabschluss (rund 70 Prozent) und Anhänger von SPD (72 Prozent) und Grünen (64 Prozent), also der Oppositionsparteien. Nur jeder Dritte (32 Prozent) glaubt, dass sich die Koalition für das Wohl und die Förderung der Kinder starkmacht. Etwa jeder Vierte (28 Prozent) meint, es ginge darum, die Wahlfreiheit der Familien - zum Beispiel bei der Frage nach dem passenden Betreuungsmodell - zu sichern. Und nicht mal jeder Sechste (16 Prozent) glaubt, ein aktiv verfolgtes Ziel der Koalition sei die Erhöhung der Geburtenrate.Nein, nach einem Masterplan klingen diese Zahlen nicht. Aber was soll die Familienpolitik denn wollen, was ist ihre Aufgabe, welche Prioritäten müsste sie setzen? Hier gibt es schon eher eindeutige Antworten:89 Prozent (und mit 95 Prozent fast alle 18 bis 34-Jährigen) finden, der Staat sollte mehr Wert darauf legen, benachteiligte Familien zu unterstützen. 88 Prozent meinen, das vordringliche Ziel sollte es sein, die Geburtenrate zu erhöhen. Und immerhin 59 Prozent sind der Ansicht, die Politik sollte darauf einwirken, dass Eltern bald nach der Geburt eines Kindes wieder arbeiten.Engagierte Familienpolitiker werden angesichts dieser Antworten ratlos rufen: Aber genau das machen wir doch! Wir geben euch Elterngeld, damit ihr euch traut, mehr Kinder zu kriegen. Wir zahlen Betreuungsgeld, damit ihr in den ersten Jahren frei wählen könnt. Wir bauen Kitas, damit Frauen arbeiten können und Kinder aus schwierigen sozialen Verhältnissen früh unterstützt werden. Wir zahlen 200 Milliarden für die Familienförderung. Das ist viel. Warum also kommt das bei euch nicht an?Zurück zur Übersicht

Wer blickt noch durch im Dschungel familienpolitischer Leistungen?

Vieles passt in der Familienpolitik nicht mehr zusammen

Ja, was läuft schief bei der Familienförderung? Könnte es sein, dass sich Vater Staat verzettelt hat? Und dass er zwar viel macht - aber auch vieles, was nicht zusammenpasst? 200 Milliarden und insgesamt 156 Leistungen - da blickt keiner mehr durch. Und so versickert das Geld nicht nur im Geldbeutel, sondern auch im Bewusstsein.Schon klar, es ist schwer, uns Familien alle gleichermaßen glücklich zu machen: Schließlich ticken wir sehr unterschiedlich, und manchmal ist unsere einzige Gemeinsamkeit: Wir alle haben Kinder. Was uns aber helfen würde, ist Reduktion statt immer mehr Einzelposten. Und: Klartext statt Halbwahrheiten.Halbwahr ist zum Beispiel, dass der Staat 200 Milliarden für Familien ausgibt. Wahr ist: Nur etwa ein Viertel, nämlich 55 Milliarden, gehören im engeren Sinne zur Familienförderung. Halbwahr ist auch, dass das Betreuungsgeld nur für Eltern ist, die ihre Kinder selbst betreuen. Wahr ist: Es wird gezahlt für alle, die ihre Kinder nicht in eine staatliche Kita tun. Eltern, die eine Tagesmutter engagieren oder eine private Kita nutzen, kriegen also auch Betreuungsgeld.Auch beim Ehegattensplitting geht wenig sachlich zu. Und vor lauter parteipolitischem Gezänk wird vergessen, die Steuer-Alternativen mit ihren Konsequenzen zu erklären. Denn nur so können wir entscheiden: Wollen wir das Familiensplitting wie in Frankreich - mit einer extra Kinderkomponente und unabhängig vom Trauschein? Auch wenn es teuer wird und uns an anderer Stelle etwas weggenommen wird? Oder wollen wir die Individualbesteuerung wie in Schweden - jeder wird für sich veranlagt und sorgt allein vor, auch im Alter? Oder gibt es vielleicht sogar einen finanzierfinanzierbaren Kompromiss, für den nicht das Grundgesetz geändert werden müsste?Im jetzigen Durcheinander scheinen viele Eltern eher an dem festzuhalten, was sie kennen. Gefragt, was sie bei der jetzigen Familienförderung gut finden, sagen 81 Prozent: das Splitting. 91 Prozent nennen die kostenlose Mitversicherung von nicht berufstätigen Ehepartnern in der Krankenkasse. Beide Punkte stehen im Ranking auch auf Platz zwei und drei bei der Frage, ob sie Einfluss auf die Wahlentscheidung haben.Und wo soll man dann sparen, wenn man sparen muss? Bei den Wohlhabenden! 69 Prozent der Befragten finden: Familien, die mehr als 100.000 Euro brutto im Jahr haben, brauchen nicht das volle Elterngeld, 53 Prozent meinen, die Gutverdiener könnten aufs Kindergeld verzichten. Und immerhin knapp die Hälfte ist dafür, das Betreuungsgeld wieder abzuschaffen, wenn gespart werden muss.Zurück zur Übersicht

Nach wie vor das größte Problem für Eltern: Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie

38 Prozent wünschen sich einen 30-Stunden-Job für beide. 6 Prozent leben das

Verglichen mit einer Umfrage, die wir vor vier Jahren, ebenfalls vor der Bundestagswahl, durchgeführt haben, hat sich bei der Vereinbarkeitsfrage kaum etwas verändert: Damals gaben 55 Prozent der Eltern an, große bzw. einige Probleme bei der Vereinbarkeit zu haben, jetzt sind es 54 Prozent. Mit 58 Prozent bestätigen dies mehr Mütter als Väter (49 Prozent).Angesichts des massiven Krippenausbaus erstaunlich waren auch die Antworten bei der Frage, wann Mütter nach der Geburt wieder arbeiten sollen: Etwa ein Viertel findet: nach einem Jahr, also beim Auslaufen des Elterngeldes - dies sagen mit 30 Prozent besonders die gut Ausgebildeten. Mehr noch (42 Prozent) finden aber, nach drei Jahren oder später sei der richtige Zeitpunkt. Und etwa die Hälfte der Befragten (51 Prozent) würde nicht gerichtlich klagen, wenn sie einen Krippenplatz brauchten, aber keinen bekämen.Viele Eltern sind offenbar ambivalent, was die frühe Rückkehr in den Beruf angeht. Nicht nur, weil die Suche nach einem Krippenplatz nach wie vor schwierig ist. Sondern auch, weil sie vielleicht spüren, dass mit dem Krippenausbau nicht automatisch auch die Wirtschaftswelt familienfreundlicher wird. Im Gegenteil: In vielen Jobs verdichtet sich die Arbeit. Und diese zunehmende Ökonomisierung des Lebens passt nicht zu einem Familienalltag mit kleinen Kindern. Die nämlich werden auch 2013 durchschnittlich zehn- bis zwölfmal im Jahr krank.Und dann? Bleibt der Organisationsstress mit Job und Kind meist an den Frauen hängen. Denn Rollenmodelle ändern sich im richtigen Leben noch langsamer, als sich Krippenplätze vermehren. Gefragt nach ihrem Wunschmodell bei der familiären Arbeitsteilung, wird zwar ziemlich schnell klar: Das alte Alleinverdienermodell "Er verdient, sie kümmert sich um Hausarbeit und Kinder" hat ausgedient (6 Prozent), das neue Ideal ist die Doppelverdienerfamilie: 40 Prozent finden es gut, wenn er Vollzeit arbeitet und sie Teilzeit, 38 Prozent favorisieren die Variante "Beide arbeiten 30 Stunden und teilen sich Hausarbeit und Kinder". Und 13 Prozent finden es gut, wenn beide Vollzeit arbeiten.Doch im richtigen Leben geht es weniger partnerschaftlich zu: Das Modell mit zweimal 30 Stunden realisieren nur 6 Prozent der Befragten, die mit einem Partner zusammenleben. Insgesamt 14 Prozent der Befragten haben das traditionelle Alleinverdienermodell, allerdings 17 Prozent der Befragten im Westen. Und bei 57 Prozent arbeitet er Vollzeit und sie Teilzeit.Was sind die Gründe für die Kluft zwischen Wunsch und Realität? Hier kommen mangelnde Kinderbetreuungsmöglichkeiten erst an fünfter Stelle (24 Prozent). 29 Prozent sagen, es läge am fehlenden Einverständnis des Chefs. Der Hauptgrund ist aber das Geld: Lebten wir unser Wunschmodell, wäre unser Einkommen zu gering, sagen 45 Prozent. Und tatsächlich schlug ja die SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles jüngst vor, für junge Eltern eine staatlich geförderte 30-Stunden-Woche einzuführen.Bleibt die Frage, was Henne und was Ei ist: Ist die Sache mit der Vereinbarkeit deshalb so mühsam, weil die Bedingungen trotz Kita-Ausbau immer noch schwierig, die Chefs starrsinnig und die Gehälter der Frauen im Schnitt 23 Prozent unter denen der Männer sind?Oder ändern sich die Bedingungen nur schleppend, weil Paare sich nicht sicher sind, ob es die Sache wert ist? Und weil viele fürchten, dass aus der neuen Wahlfreiheit schnell ein neuer Druck werden könnte, nach dem Motto: Jetzt gibt es ja Kita-Plätze, jetzt sehen wir euch nach einem Jahr wieder Vollzeit im Büro?Zurück zur Übersicht

Bessere Bildung, frühere Förderung - was Eltern wollen

Ganztagsschule: Gerne - aber nur, wenn sie freiwillig ist!

Bei unserer Wahlumfrage 2009 bekam die Bildungspolitik eine schallende Ohrfeige. Die Forderung war damals klar: Macht die Bildung zur Chefsache. Macht sie einheitlich. Macht sie besser. Und zwar schnell. Besonders unzufrieden waren die Leute damals mit dem föderalen System: 91 Prozent forderten eine bundesweite Vereinheitlichung: gleiche Schulsysteme, gleiche Lehrpläne, gleichwertige Abschlüsse. Die gibt es bis heute nicht. Und tatsächlich meinen inzwischen sogar 93 Prozent: Diese bildungspolitische Kleinstaaterei macht Familien das Leben schwer.In 2013 sehr deutlich ist auch der Wunsch nach mehr Chancengleichheit und einer frühen Förderung - vor allem von benachteiligten Kindern. 93 Prozent finden es wichtig, dass der Staat dafür Geld ausgibt. Damit steht dieser Punkt bei der Prioritätenliste in Sachen Familienförderung an der Spitze, noch vor dem flächendeckenden Ausbau der Kinderbetreuung (78 Prozent) und dem Elterngeld (69 Prozent).Konkret nach der aktuellen Bildungspolitik gefragt, finden 48 Prozent, dass die vorschulische Förderung unserer Kinder zu gering sei. Dies sind immerhin 9 Prozentpunkte weniger als 2009. Verbessert hat sich der Wert auch bei der Einschätzung der Schulen: "Nur" noch 44 Prozent der Eltern sagen, wenn sie es sich leisten könnten, würden sie ihr Kind in eine Privatschule geben. 2009 waren das noch 54 Prozent.Hängt das auch mit der Zunahme der Ganztagsschulen zusammen, die Eltern entlasten können und für mehr Chancengleichheit sorgen? Möglicherweise! So sagen 87 Prozent, eine Ganztagsschule sei eine gute Form der Familienförderung. Entscheidender Zusatz aber: wenn sie kein Zwang ist. Ist sie verpflichtend und ab der ersten Klasse, sehen das nur noch 34 Prozent positiv.Zurück zur Übersicht

Wen wählen Deutschlands Eltern im September?

Nur wenige Eltern kennen die familienpolitischen Ziele der Parteien

Was ist wichtiger: dass der Pegel in unseren Ozeanen langsamer steigt, die Eurozone sich wieder erholt oder dass sich die Situation von Familien verbessert?Wenn man Eltern mit Blick auf den derzeitigen Wahlkampf um eine Priorisierung bittet, dann sagen immerhin 37 Prozent, die Familienpolitik sei für sie das wichtigste Thema, 25 Prozent nennen die Eurokrise, 22 Prozent die Altersarmut und 14 Prozent den globalen Klimawandel. Bei Müttern steht mit 41 Prozent die Familienpolitik deutlich weiter oben als bei Vätern (32 Prozent), Leuten mit geringem Einkommen ist sie wichtiger als Besserverdienern, Eltern mit kleinen Kindern wichtiger als Eltern mit größeren Kindern.Trotzdem geben viele an, dass sie nicht richtig Bescheid wissen, was die einzelnen Parteien im Bundestag eigentlich für familienpolitische Ziele haben: Bei den jungen Leuten (unter 35) sagen 60 Prozent: keine Ahnung! Bei den über 44-Jährigen noch 37 Prozent. Bei den Müttern sind es mit 52 Prozent mehr als bei den Vätern (41 Prozent). Und das, obwohl gerade den Frauen die Familienpolitik so viel wichtiger ist als andere Themenbereiche.Woran liegt das? Ist Politik zu kompliziert? Immerhin sagen insgesamt 65 Prozent der Befragten, die angaben, wenig über die familienpolitische Ausrichtung der einzelnen Parteien zu wissen: Ich fühle mich von den Parteien schlecht informiert. Jeder Dritte sagt aber auch: Es liegt an meinem Desinteresse. Viele Menschen, so scheint es, haben andere Sorgen und weder Zeit noch Lust zu prüfen, ob das, was sich Politiker in Talkshows an der Kopf werfen, nun stimmt oder nicht.Das ist bedenklich. Erklärt aber auch, warum in unserer Umfrage paradoxerweise 83 Prozent der SPD-Anhänger und 76 Prozent der Grünen-Anhänger sagen, sie finden das Splitting sei ein gutes Mittel der Familienförderung. Obwohl gerade diese Parteien betonen, dass sie es abschaffen möchten.Grundsätzlich nach ihren Wahlabsichten gefragt, wollen im Herbst 39 Prozent die Union wählen, 24 Prozent die SPD, 22 Prozent die Grünen, 6 Prozent die Linke und 3 Prozent FDP.Ob sich das noch ändert? Sicher ist: Bis zum 22. September wird es noch viele Warteschleifen beim Kinderarzt und auf Elternsprechtagsbänken geben. Gute Gelegenheiten, auch mal ein Wahlprogramm zu überfliegen, oder?Zurück zur Übersicht