Familienpolitik
 
Wenn Eltern die Wahl haben

Für welche Partei machen Eltern bei der Bundestagswahl ihr Kreuz? Welche Themen sind ihnen dabei wichtig? Spannende Fragen - deshalb hat ELTERN in einer repräsentativen forsa-Umfrage 1.000 Mütter und Väter von Kindern unter 18 Jahren gefragt, wie sie wählen.

Wo machen Eltern bei der Bundestagswahl ihr Kreuz?

Familienpolitik: Wenn Eltern die Wahl haben

Rund 14 Millionen minderjähriger Kinder gibt es in Deutschland. Sie alle haben keine Stimme, wenn am 27. September Bundestagswahl ist. Aber die meisten von ihnen haben eine Mutter und einen Vater, die wählen können. 1.000 davon hat ELTERN in einer repräsentativen forsa-Studie befragt: Was ist ihnen wichtig in der Familienpolitik? Und welche Partei macht das am besten?

Hier stellen wir die wichtigsten Ergebnisse der Studie vor - und die sind durchaus dazu angetan, so manchen Politiker ins Grübeln zu bringen:

Der Eltern-Bundestag: Eltern wählen etwas linker

Wäre der Bundestag bereits im Sommer gewählt worden, hätten sich 35 Prozent der Eltern für die CDU entschieden, 26 Prozent für die SPD, 14 für die FDP. 13 Prozent hätten für die Grünen gestimmt und acht Prozent der Eltern mit Kindern unter 18 Jahren für Die Linke.

Vergleicht man dieses Ergebnis mit anderen aktuellen Wahlumfragen, dann könnte man es so zusammenfassen: Der Familienmensch wählt häufiger sozialdemokratisch als der Durchschnittswähler. Und ein bisschen grüner.

Allerdings: Jeder vierte Befragte (23 Prozent) wäre gar nicht zur Wahl gegangen. Damit sind Eltern größere Wahlmuffel als der Durchschnitt der bundesdeutschen Wahlberechtigten (rund 20 Prozent). Das trifft besonders auf jüngere Mütter und Väter zu: Von den 18- bis 34-Jährigen will ein Drittel (33 Prozent) nicht an der Bundestagswahl teilnehmen.

Wenn schon am nächsten Sonntag der Bundestag gewählt würde, welche Partei würden Sie dann wählen?

Lösungen für die Finanzkrise und Einsatz für Familien: Was Eltern von der Politik fordern

Was Eltern eint, ist, dass sie sich eine Zukunft wünschen für ihre Kinder: Dazu gehören eine saubere Umwelt und ökologische Achtsamkeit. Dazu gehört vor allem aber auch eine Gesellschaft und Politik, die die besonderen Belange von Familien ernst nimmt. So sagen 62 Prozent der Eltern, dass für sie die Themen Familie, Kinder und Bildung bei der Wahlentscheidung eine genauso große Rolle spielt wie die Wirtschaftskrise oder die Rentendebatte. Für jeden dritten Befragten mit einem Kind unter zwei Jahren spielt es sogar eine größere Rolle.

Bildung ist für Deutschlands Eltern dabei wichtiger als alles andere: Mit 81 Prozent ist sie das Top-Thema. Auf dem zweiten Platz rangiert die Familienförderung (77 Prozent), mit 75 Prozent gefolgt von der besseren Vereinbarkeit von Job und Familie. Die Kinderbetreuung ist für 67 Prozent ein relevantes Thema.

Für die Mehrheit (52 Prozent) ist auch die freie Wahl des Lebensmodells wichtig - denn: Die klassische Rollenverteilung, bei der der Mann das Geld verdient und die Frau die Kinder hütet, wird längst nicht mehr von allen als optimal empfunden.

Welche der folgenden Maßnahmen sollten von der Politik mit Vorrang behandelt werden?

Bildungspolitik: Weg mit dem Föderalismus und ab auf die Privatschule?

So manchem Landesvater, der sich gerne in der Bildungspolitik profiliert, dürften jetzt die Ohren klingeln: Fast alle Befragten (91 Prozent) lehnen den Föderalismus in der Bildungspolitik ab und fordern eine bundesweite Vereinheitlichung des Schulsystems. Kein Wunder: In einer Welt, die von Arbeitnehmern erwartet, dass sie ihren Jobs mit Kind und Kegel hinterherziehen, kann es ein großes Problem sein, wenn der Holsteiner Siebtklässer nicht den gleichen Lehrplan hat wie der aus Bad Tölz!

68 Prozent der befragten Mütter und Väter finden das Schulsystem veraltet - diese Ansicht vertreten besonders die Norddeutschen (79 Prozent). Eine längere gemeinsame Grundschulzeit wünschen sich rund zwei Drittel (64 Prozent), und 57 Prozent sind der Meinung, dass in der Bildung zu viel auf die Eltern abgewälzt wird.

Über die Hälfte der befragten Eltern (54 Prozent) geht sogar so weit zu sagen: Wenn ich es mir leisten könnte, würde ich mein Kind aus dem staatlichen System rausnehmen und auf eine Privatschule schicken. Das trifft besonders auf Eltern mit Hauptschulabschluss zu (60 Prozent).

Fast alle meinen: Das föderale Bildungssystem muss weg!

Leistungen für Familien: Es werde Licht im Förderdschungel!

Der Staat verfügt über viele unterschiedliche, teils neue Fördertöpfe für Familien. Doch 81 Prozent der befragten Eltern haben das Gefühl: Davon kommt bei uns nichts an. Mit diesem Problem sehen sich besonders Familien mit mittlerem Einkommen (82 Prozent) konfrontiert. Rund drei Viertel (74 Prozent) kritisieren, dass Finanzhilfen über Abgaben und Steuern wieder verloren gehen. Alles Einbildung? Nein! So liegt beispielsweise schon bei einem Familienbruttoeinkommen von 3.000 Euro im Monat der Förderanteil des Kindergeldes unter 50 Euro. Der Rest? Ist eine vorgezogene Steuerrückzahlung.

Um Familien tatsächlich finanziell zu entlasten, favorisiert jeder dritte Befragte (35 Prozent) eine Kindergrundsicherung von 300 bis 400 Euro. Bei den Alleinerziehenden befürwortet das sogar fast jeder Zweite (46 Prozent). Mehr Kindergeld wünschen sich 31 Prozent der Befragten, höhere steuerliche Freibeträge für jedes Kind fänden 25 Prozent gut. Die Wünsche zur finanziellen Entlastung der Familien unterscheiden sich allerdings stark nach Einkommen und Alter der Kinder: Eltern mit kleinen Kindern wünschen sich mehr und längeres Elterngeld (34 Prozent) und eine kostenlose Kinderbetreuung (47 Prozent). Eltern mit älteren Kindern können sich eher für steuerliche Grundfeibeträge erwärmen.

Ein möglicher Ausweg: Das Geld nicht in hundert verschiedene Fördertöpfe stecken, sondern da hinfließen lassen, wo es wirklich allen nützt: nämlich in die Bildung. Das jedenfalls wünschen sich 75 Prozent der Ostdeutschen und 64 Prozent der Westdeutschen.

Welche dieser Möglichkeiten, Familien finanziell zu fördern, würde Ihnen ganz persönlich am meisten helfen?

Vereinbarkeit von Familie und Beruf: In Deutschland immer noch ein Dauerspagat

Mehr als die Hälfte der Befragten (55 Prozent) hat mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf Probleme, teils sogar große. Besonders betroffen: Alleinerziehende (65 Prozent) und Eltern mit niedrigem Einkommen (61 Prozent).

Die wichtigste Stellschraube für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist für 43 Prozent der Befragten ein flexibleres Betreuungsangebot. Bei den Gutverdienern gilt das sogar für die Hälfte. 37 Prozent der Befragten halten daneben verbesserte Teilzeitangebote mit Zeitkonten für hilfreich. Besonders Frauen machen sich dafür stark: 42 Prozent von ihnen glauben, durch solche Arbeitszeitmodelle mehr Zeit für ihre Familie zu haben, aber nur 30 Prozent der Männer.

Die große Mehrheit der Befragten (70 Prozent) ist darüber hinaus der Meinung, dass Eltern niedrigere Beiträge in die Sozialversicherung zahlen sollten als Kinderlose. Als entlastend empfände ein Großteil von ihnen auch eine weniger Hohe Belastung durch steuerliche Abgaben. Denn dann müssten sie bei einem höheren Nettoeinkomemn weniger arbeiten - und hätten mehr Zeit für die Familie.

Es wäre am besten geeignet, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu erleichtern ...

Ein zartes Pflänzchen: Die Betreuungsoffensive

Der Ausbau der Kinderbetreuung ist in vollem Gange: Bis 2013 soll jedes dritte Kind einen Krippenplatz bekommen. Trotzdem sagen in der Umfrage 72 Prozent, sie hätten kaum etwas von der Betreuungsoffensive der Bundesregierung gemerkt. Nur sechs Prozent sehen sich aktuell als "Nutznießer". 39 Prozent halten das Angebot an Kinderbetreuungsplätzen in Deutschland für generell unzureichend. Diese Einschätzung unterscheidet sich deutlich zwischen den alten und neuen Bundesländern: Während nur 30 Prozent der ostdeutschen Mütter und Väter das Angebot an Betreuungsplätzen monieren, sind 41 Prozent in Westdeutschland unzufrieden.

Die Mehrheit von 62 Prozent der Eltern, die die Versorgungssituation in bestimmten Altersgruppen für nicht ausreichend halten, meinen, es gebe zu wenig Betreuungsplätze für Kinder bis zwei Jahre. Ein Viertel von ihnen sieht dagegen einen Mangel bei den Grundschulkindern.

Trotzdem hält sich der persönliche Frust in Grenzen. So sind insgesamt nur neun Prozent - und dabei auch wieder eher die Eltern älterer Kinder - mit der Qualität der Betreuung weniger oder gar nicht zufrieden. Sie monieren vor allem, dass die Kinder nicht genug gefördert werden (67 Prozent), dass die Gruppen zu groß sind (57 Prozent), und dass die Öffnungszeiten nicht zu den eigenen Bedürfnissen passen (51 Prozent).

Haben Sie von der „Betreuungsoffensive“ des Familienministeriums in Berlin viel gemerkt, etwas gemerkt oder so gut wie nichts gemerkt?

"Rabenmütter" versus "Herdprämie": Wahlfreiheit in Sachen Lebensmodell

Was kann der Staat tun, damit Eltern wirklich frei entscheiden können, wie sie die Rollen in der Familie aufteilen wollen? 85 Prozent der befragten Mütter und Väter sind der Meinung, dass die unterschiedlichen Gehälter von Männern und Frauen angeglichen werden müssen - sonst bleibe das traditionelle Alleinverdienermodell aus rein finanziellen Gründen die beste Wahl.

Für insgesamt 88 Prozent gehört zu einer echten Wahlfreiheit des Lebensmodells aber auch, dass Familienarbeit gesellschaftlich besser anerkannt und wie Erwerbsarbeit ein selbstverständlicher Teil der Biografie wird - bei Frauen und Männern. Für 67 Prozent der befragten Mütter und Väter könnte das zum Beispiel in Form eines Betreuungsgeldes passieren.

Eine noch größere Rolle spielt für 77 Prozent jedoch das gesellschaftliche Klima. Denn solange Lebensmodelle mit Schlagwörtern wie "Rabenmütter" oder "Herdprämie" belegt werden, verhindert dies ihrer Ansicht nach eine freie Entscheidung der Familien für ihre Rollenaufteilung.

Voll und ganz zufrieden mit der Arbeitsteilung sind ...

Die Studie "Familie und Wahl" zum kostenlosen Download

Sie interessieren sich auch für die anderen Ergebnisse der großen Studie, die forsa im Auftrag von ELTERN durchgeführt hat? Hier können Sie sie kostenlos als pdf herunterladen.

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