Konjunkturpaket II
 
Ist der Kinderbonus eine Mogelpackung?

Einmalig 100 Euro mehr aufs Kindergeld - mit diesem Kinderbonus will die Bundesregierung die Kaufkraft von Familien stärken. Die Maßnahme ist Bestandteil des kürzlich beschlossenen Konkunkturpaketes II. Deutlich weniger profitieren leider Alleinerziehende von dieser Finanzspritze. Warum das so ist, erfahren Sie hier.

Was genau ist der Kinderbonus?

Konjunkturpaket II: Ist der Kinderbonus eine Mogelpackung?

Um die Folgen der Wirtschaftskrise abzumildern, hat die Bundesregierung Mitte Februar das Konjunkturpaket II auf den Weg gebracht (mehr dazu erfahren Sie hier). Damit will die Große Koalition unter anderem auch dafür sorgen, dass Familien mehr Geld im Portmonee haben - SPD-Fraktionschef Peter Struck rechnete bereits vor, dass Familien dank dieser Maßnahmen bis zu 500 Euro mehr zur Verfügung stehen könnten. Dazu werden beispielsweise der erst kürzlich erhöhte Krankenkassenbeitrag sowie der Eingangsteuersatz gesenkt.

Kernpunkt ist jedoch der Kinderbonus: Für jedes Kind, das Anspruch auf Kindergeld hat (unter Umständen also auch volljährige Kinder) sollen voraussichtlich ab Mai zusammen mit dem Kindergeld einmalig 100 Euro überwiesen werden. Ein gesonderter Antrag wird dafür nicht nötig sein.

Mein Kind wird erst im Sommer zur Welt kommen - bekommt es dann noch den Kinderbonus?

Den einmaligen Kinderbonus soll jedes Kind erhalten, das im Kalenderjahr 2009 mindestens einen Monat lang Anspruch auf Kindergeld hat. Das gilt natürlich auch für Kinder, die nach dem ersten Auszahlungszeitraum ab Mai geboren werden. Der Kinderbonus soll dann einfach mit einer der ersten Kindergeldzahlungen überwiesen werden. Besonders Eltern, deren Kinder erst im Herbst zur Welt kommen, sollten sich aber nach der Geburt nicht allzu viel Zeit mit dem Antrag auf Kindergeld lassen, damit der Anspruch gewahrt bleibt. In die Röhre schauen werden damit jedoch die Eltern derjenigen Kinder, die erst im Dezember geboren werden.

Bekommen auch Besserverdienende den Kinderbonus?

Bei Eltern mit einem sehr hohen Einkommen (Eheleute mit einem Bruttoeinkommen von mehr als rund 67.000 Euro oder Alleinerziehende mit einem Bruttoeinkommen von mehr als 35.000 Euro) kommt meist der so genannte Kinderfreibetrag zum Tragen. Er beträgt 161 Euro pro Monat und Elternteil, bei zusammenveranlagten Ehegatten also 322 Euro. Da der Freibetrag nicht erhöht wird, profitieren Familien in diesen Einkommensklassen also nicht vom Kinderbonus. Sie werden den Kinderbonus vielmehr bei der Einkommenssteuererklärung mit dem Kinderfreibetrag verrechnen lassen und zumindest teilweise zurückzahlen müssen.

Wird der Kinderbonus auf den Unterhalt angerechnet?

Leider ja. Der Kinderbonus wird beim Unterhalt genauso behandelt wie das Kindergeld: Der betreuungspflichtige Elternteil erhält das Kindergeld und damit auch den Kinderbonus. Der unterhaltspflichtige Elternteil darf dafür aber im Gegenzug den Unterhalt um die Hälfte des Kindergeldes kürzen - und in dem Monat, in dem der Kinderbonus ausgezahlt wird, eben auch noch einmal um 50 Euro. Faktisch erhalten Alleinerziehende und ihre Kinder also nur einen Kinderbonus von 50 Euro. Einzige Ausnahme: Der Unterhaltspflichtige kommt seiner Verpflichtung zu weniger als 75 Prozent nach, so dass das Elternteil, bei dem das Kind lebt, eh’ schon das gesamte Kindergeld erhält.

Vor allem diese Praxis sorgt bei vielen Alleinerziehenden für Empörung. "Nachdem die Kinder von Alleinerziehenden schon bei der Kindergelderhöhung leer ausgehen, soll nun auch der Kinderbonus auf den Unterhalt angerechnet werden. Diese Benachteiligung ist nicht zu rechtfertigen. Wenn der Kinderbonus den Kindern zugute kommen soll, dann dürfen die Unterhaltspflichtigen ihn nicht vom Unterhalt abziehen. Die Leistung heißt ja nicht Unterhaltspflichtigenbonus", so Edith Schwab, Bundesvorsitzende des Verbandes alleinerziehender Väter und Mütter (VAMV).

Übrigens: Alleinerziehende und ihre Kinder, die Unterhaltsvorschuss erhalten, profitieren wieder vom Kinderbonus. Denn dieser wird nicht als Einkommen gewertet und daher nicht angerechnet.

Müssen Hartz-IV-Empfänger durch den Kinderbonus mit Kürzungen rechnen?

der Kinderbonus wird nicht auf Hartz-IV-Empfänger angerechnet

Nein, der Kinderbonus wird auf die Leistungen für Hartz-IV-Empfänger nicht angerechnet. Für sie sieht das Konjunkturpaket II sogar im Gegenteil weitere finanzielle Unterstützung vor: Die Regelsätze für Kinder von Hartz-IV-Empfängern zwischen sechs und 13 Jahren werden nämlich von 60 auf 70 Prozent erhöht. Sie erhalten dann 35 Euro mehr im Monat, insgesamt 246 Euro - allerdings nur befristet vom 01. Juli 2009 bis Ende 2011. Nach Berechnungen der Bundesregierung sollen etwa 11.000 Kinder davon profitieren.