Kinderkommission
 
Eine Lobby für die Kleinsten

Kinderrechte ins Grundgesetz - das wäre das schönste Geburtstagsgeschenk. 20 Jahre ist die Kinderkommission des Bundestags jetzt alt. Höchste Zeit, die Institution einmal vorzustellen.

Was ist eigentlich die Kinderkommission?

Kinderkommission: Eine Lobby für die Kleinsten

Am 21.04. 1988 beschloss der Ältestenrat die Gründung der Kinderkommission ("KIKO") - als weltweit erstes Parlamentsgremium, das einzig und allein die Interessen von Kindern vertreten sollte. Wenn die fünf Mitglieder tagen, sind eigene und Partei-Interessen daher eher zweitrangig, Entscheidungen müssen einstimmig fallen. "Die Kinderkommission will Lobby für Kinder sein", so lautet ihr Leitspruch. Die Mitglieder, derzeit vier Frauen und ein Mann, stammen aus den fünf Bundestagsfraktionen CDU/CSU, SPD, FPD, Bündnis 90/Die Grünen sowie die Linke. Insgesamt haben sie neun Kinder.

Die Kommission, die als Unterausschuss des Familienausschusses agiert, ist Kindern nicht unbekannt. "Uns erreichen auch Briefe mit Blümchen", berichtet die Vorsitzende Miriam Gruß (FDP). Da werden dann folgende Fragen gestellt: "Wie krieg ich mehr Taschengeld?", "Wie entsteht eigentlich ein Gesetz?", "Wie wehre ich mich gegen fiese Lehrer?". Natürlich würden alle Fragen beantwortet, versichert Gruß.

Was hat die Kinderkommission bislang erreicht?

Verbot der "Kuhfänger" bei Autos: Nur einer der Kommissions-Erfolge

Ein Mann der ersten Stunde war Wilhelm Schmidt (SPD). Schon nach dem Mauerfall warnte er vor der Zunahme von Gewalt gegen Kinder in der ehemaligen DDR. Er appellierte an die Bundesregierung, ein großzügiges Sanierungs- und Finanzierungsprogramm zur Erhaltung und Modernisierung von Kindergärten und Kinderkrippen in der früheren DDR aufzulegen. Ein anderes Mal rief Schmidt die Automobilindustrie auf, wegen der hohen Zahl der im Verkehr getöteten Kinder ihre Werbung nicht mehr auf "sportlich rasantes Fahren" abzustellen.

1990 unterstützte die Kommission eine Aktion für ein Verbot der Prügelstrafe in Deutschland. Eine Umfrage hatte zuvor ergeben, dass in Bayern nur 20 Prozent in ihrer Kindheit niemals mit Prügel bestraft worden sind - vom kleinen Klaps bis zu schweren Schlägen. Im gleichen Jahr forderte sie Kinder in Deutschland dazu auf, den notleidenden polnischen Alterskollegen Lebensmittelpakete zu schicken.

Auch die jüngste Bilanz der Kinderlobbyisten kann sich sehen lassen: So wurde auf EU-Ebene erreicht, dass Lastwagen über 3,5 Tonnen bis April 2009 mit Zusatzspiegeln nachgerüstet werden. Damit soll der "tote Winkel" verringert werden. Denn der kann dazu führen, dass Kinder beim Rechtsabbiegen übersehen werden. Daneben bewegten sie die Textilindustrie, auf Kordeln an Kinderkleidung zu verzichten, da sich Kinder an ihnen strangulieren können. Zudem wurde ein Verbot von Frontschutzbügeln bei Autos erreicht. Diese Vorbauten an der Stoßstange, im Volksmund "Kuhfänger" genannt, gelten als bei Verkehrsunfällen als große Gefahr für Fußgänger.

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