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Bündnis für Familie Lokales Bündnis: "Kinder werden daheim gesund"

Was tun, wenn das Kind zum wiederholten Male krank ist, der Pflegeurlaub der Eltern aber aufgebraucht und keine Verwandtschaft zur Betreuung in der Nähe ist? In Poing bei München wurde deshalb das Projekt "Kinder werden daheim gesund" ins Leben gerufen, das zu den "Lokalen Bündnissen für Familie" gehört.

Lokale Bündnisse für Familie

"Lokale Bündnisse für Familie" ein Name, den kaum jemand kennt, dessen positive Effekte bundesweit aber bis zu 56 Millionen Menschen zugute kommen. In Deutschland engagieren sich mehr als 13.000 Menschen in 5.200 lokalen Bündnissen an mittlerweile über 640 Standorten. Ziel der Aktionen: Eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu erreichen.

Seinen Ursprung hat die Aktion im Jahr 2005. In diesem Jahr rief die damalige Bundesfamilienministerin Renate Schmidt die Aktion ins Leben.
Mehr Informationen zum Thema "Bündnisse für Familie" finden Sie unter: www.lokale-buendnisse-fuer-familie.de.

Betreuungssituation für kranke Kinder in Deutschland

Konkret kann ein lokales Bündnis so aussehen: Stellen Sie sich vor, Ihr Kind ist krank. Für diesen Fall haben berufstätige Mütter und Väter per Gesetz Anspruch auf je zehn Arbeitstage Pflegeurlaub, damit das kranke Kind zuhause betreut werden kann. Auf Eltern oder ein alleinerziehendes Elternteil kommen demnach pro Kind insgesamt 20 Pflegetage. Bei zwei Kindern verdoppelt sich die Anzahl der Krankheitstage. Die Obergrenze liegt allerdings bei 25 Pflegetagen pro Elternteil und 50 Tagen bei Alleinerziehenden. Soweit die recht großzügige, gesetzliche Regelung.

Doch was tun, wenn es ganz schlimm kommt und das eine Kind in einem Kalenderjahr die Windpocken hatte, einige Monate später Magen-Darm-Grippe oder Scharlach und das andere Kind sich einen komplizierten Beinbruch zuzieht? Ist die Grenze der gesetzlichen Pflegetage erreicht und der Urlaub aufgebraucht, oder es den arbeitenden Eltern aufgrund beruflicher Verpflichtungen nicht möglich ist, die Tage zu nehmen und das Kind immer noch nicht fit für Schule oder Kindergarten ist, steht die gesamte Familie vor einem Problem.

"Kinder werden daheim gesund"

Diese Problematik kannten auch einige Mütter in Poing, deren Betreuungsnetzwerk ausgereizt war. Poing liegt im Münchner Landkreis Ebersberg, der besonders bei jungen gutverdienenden Familien aufgrund der Stadtnähe und des hohen Freizeitangebots sehr beliebt ist. Knapp 130.000 Menschen leben bislang dort, Tendenz steigend. Die frischgebackenen und neu zugezogenen Eltern haben in den meisten Fällen keine familiäre Unterstützung für eine Notfall-Betreuung.
Im November 2009 initiierten deshalb diese betroffenen Mütter in Poing das Projekt "Kinder werden daheim gesund" unter dem Dach des Kinderland Poing e.V.. Seit Oktober 2010 ist das Projekt durch die Intiative des Ebersberger Familientisches als lokales Bündnis für Familie für den gesamten Landkreis Ebersberg verfügbar und wird vom Landkreisamt finanziell unterstützt.

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Wie melden Eltern Betreuungsnotstand an?

Um die Betreuung in Anspruch zu nehmen, melden die Eltern telefonisch oder per Email beim Projektteam ihren konkreten Bedarf an und informieren über Krankheit und Alter des Kindes sowie die häusliche Situation.
Das Projektteam kontaktiert dann mögliche Helfer. In 95 Prozent der Fälle wird bei Anruf bis 17 Uhr bis zum nächsten Tag ein passender Betreuer gefunden. Vorraussetzung, um die Betreuung in Anspruch zu nehmen, ist die Berufstätigkeit der Eltern. Eine Mitgliedschaft ist nicht erforderlich. Dem Betreuer zahlen die Eltern eine Aufwandsentschädigung von sechs Euro die Stunde, plus anfallende Fahrtkosten. Vom Landkreis gibt es für alleinerziehende oder geringverdienende Eltern Zuschüsse. So kann gesichert werden, dass allen berufstätigen Eltern mit krankem Kind geholfen wird.
Die Aktion ist für alle Beteiligten entlastend: Das Kind darf sich zuhause auskurieren, die Eltern können ihrer Arbeit nachgehen und auch von den Betreuern gibt es nur positives Feedback. Zusätzlich profitieren natürlich auch die Arbeitgeber von diesem Service: Ihr Arbeitnehmer ist "am Platz". Der Hinweis auf den Service "Kinder werden daheim gesund" kann so zu einem gewichtigen Argument in einem Bewerbungsgespräch werden.

Resonanz der Familien auf das Projekt

Das Projekt wird sehr gut angenommen: "Die steigende Nachfrage gibt uns recht" sagen Simone Klein, die stellvertretende Vorsitzende des Kinderland Poing e.V., und Elfriede Melbert, die Familienbeauftragte vom Landratsamt Ebersberg. Mit den steigenden und sich verändernden Anforderungen, die im Berufsleben an die Arbeitnehmer gestellt werden, sind sie mit dem Projektteam permanent dabei, den Bedarf für neue Betreuungsmodelle zu klären und damit für die Eltern eine noch bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf im Krankheitsfall der Kinder möglich zu machen.

Fakten zum Projekt "Kinder werden daheim gesund"

  • Dreizehn ehrenamtliche Helfer - darunter auch ein Mann - betreuen die kranken oder gesund werdenden Kinder. (Es werden ständig weitere Betreuerinnen und Betreuer gesucht.)
  • Die Betreuung wird bisher von Eltern mit Kindern zwischen 14 Monaten und elf Jahren genutzt.
  • Die Einsatzdauer der Helfer dauert ein bis vier Tage. Im Schnitt sind sie fünf Stunden am Tag in der Familie.
  • Seit dem 1.10.2010 wurden bei 62 Einsätzen 318 Stunden Betreuungstätigkeiten genutzt. Besonders viele davon im Februar/März 2011.
  • Bisher konnte für nur drei Bedarfsanfragen aufgrund ungünstiger Konstellationen kein Helfer gefunden werden.
  • Das Projekt gehörte am 31.01.2011 zu einem der 14 Gewinnerprojekte des Ideenwettbewerbs "Unterstützungsnetzwerke für Berufstätige mit Schulkindern" des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.
  • Am 14.5.2011 ist das Projekt im Rahmen der Ebersberger Gewerbeausstellung in Grafing am Stand des Landratsamts vertreten.
  • Weitere Informationen zum Projekt: www.kinder-werden-daheim-gesund.de

Der bundesweite Aktionstag ist am 15.5.2011

Der bundesweite Aktionstag 2011 stellt in diesem Jahr das Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf in den Mittelpunkt. Frei nach dem Motto "Mitgedacht, mitgemacht – für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf" geht es um intelligente Lösungen für Eltern mit Schulkindern.
 


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