Bildungspolitik
 
OECD kritisiert deutsche Kitas und Schulen

Ob Ausbildung der Erzieherinnen oder das dreigliedrige Schulsystem - die Mängelliste des deutschen Bildungssystems, die die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zusammen gestellt hat, ist lang. Die wichtigsten Kritikpunkte haben wir für Sie zusammengestellt.

Was steht im Wirtschaftsbericht?

Gleich einen ganzen Sonderteil widmeten die Experten innerhalb des neuen "Wirtschaftsberichtes Deutschland", der heute an Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) übergeben wurde, dem deutschen Bildungssystem. Bei der Vorstellung des Berichtes, in dem die anderen 29 Mitgliedstaaten der OECD Deutschland Empfehlungen aussprechen, gestand OECD-Generalsekretär Angel Gurra den deutschen Politikern zu, in Bereichen wie dem Arbeitsmarkt durchaus erfolgreiche Reformen angestoßen zu haben.

Auch im Bildungsbereich gab es Lob von Gurra, etwa für das bessere Abschneiden der Schüler bei der jüngsten PISA-Studie. Doch es bestünde "kein Grund, warum Deutschland nicht höher zielen sollte!" Vor allem die mangelnde Förderung schwächerer Schüler wirke sich letztlich auch wieder negativ auf den Arbeitsmarkt aus.

Der Wirtschaftsbericht selbst enthält deshalb gleich einen ganzen Forderungskatalog zur Verbesserung von frühkindlicher Förderung und Schulwesen, bei denen auch mit neuen Projekten der Bundesregierung, etwa dem geplanten Betreuungsgeld, hart ins Gericht gegangen wird. Die wichtigsten können Sie in unserer Bilderstrecke sehen.

Die größten Kritikpunkte der OECD-Experten:

Weiterlesen

Welche Reaktionen gab es auf den Bericht?

Besonders die CDU-regierten Bundesländer wollen das dreigliedrige Schulsystem

Die Vorsitzende des Bundestags-Bildungsausschusses, Ulla Burchardt (SPD), hat Bund und Länder aufgefordert, die Bildungsempfehlungen der OECD ernst zu nehmen. "Ideologische Scheuklappen sowie das Einmauern vieler Bildungsminister hinter überkommenen Vorstellungen helfen nicht weiter", sagte Burchardt am Mittwoch bei einem Fachgespräch der SPD-Fraktion in Berlin. Der Fachkräftemangel und die fehlende Vorbildung vieler Erwerbspersonen sei "das größte Hindernis in der deutschen Wirtschafts- und Innovationspolitik".

Die stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft für Erziehung und Bildung (GEW), Marianne Demmer, sagte: "Bei der Achilles- Ferse des deutschen Schulsystems, der frühen Selektion Zehnjähriger, bekommt Deutschland glücklicherweise international keine Ruhe." Mit der Forderung nach Zusammenlegung von Haupt- und Realschule bleibe die OECD allerdings auf halbem Wege stehen. Für die Gewerkschaft sei dies Ansporn, weiter für die "eine Schule für alle" zu werben. Daneben forderte die GEW eine Rücknahme des Kooperationsverbotes zwischen Bund und Ländern im Bereich der Bildung, da dieses die Finanzprobleme im Bildungswesen verschärft hätte.

Die bildungspolitische Sprecherin der Grünen, Priska Hinz, sagte, die OECD habe zu Recht das ungerechte gegliederte Schulsystem in Deutschland an den Pranger gestellt. Auch müsse mehr Augenmerk auf frühe Förderung in Kindergärten gerichtet werden und die von der Bundesregierung geplante "unsinnige Herdprämie" für daheim betreuende Eltern entfallen.

Bundesministerium und Kulturministerkonferenz haben den Text des OECD-Wirtschaftsberichtes einem internen Vermerk zufolge, der der Deutschen Presse-Agentur (dpa) vorliegt, nach einigen Änderungen schließlich "akzeptiert". Dies bedeute jedoch nicht, dass allen Empfehlungen zugestimmt worden sei, schließlich enthalte der Bericht "keine neuen Erkenntnisse" für die deutsche Bildungspolitik.

So wehren sich besonders die CDU-regierten Bundesländer vor allem gegen die Forderung nach der Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystems, während nach den ostdeutschen Bundesländern nun auch Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein und Hamburg diesen Weg gehen.

In dem Vermerk gehen Bundesbildungsministerium und KMK auch auf die schlechten Aufstiegschancen für Kinder aus bildungsfernen Schichten ein. Allerdings wird nur nüchtern festgestellt, die OECD sehe hier "zusätzlichen Reformbedarf". Ansonsten war auf deutscher Seite verabredet, zur neuen OECD-Bildungsschelte möglichst zu schweigen - um nicht noch mehr Öl ins Feuer zu gießen.