Rentendebatte
 
Sind Familien ärmer dran als die Rentner?

Politiker streiten derzeit über eine Rentenerhöhung für arme Senioren. Jetzt werfen Wissenschaftler die Frage auf, ob es nicht vielmehr die Familien sind, die mit finanziellen Problemen zu kämpfen haben. Was meinen Sie? Diskutieren Sie in unserem Forum.

Mehr arme Kinder als bedürftige Senioren?

Rentendebatte: Sind Familien ärmer dran als die Rentner?

"Statistisch gesehen, ist die Wahrscheinlichkeit, auf ein armes Kind zu stoßen, etwa fünfmal größer als die, auf einen armen Rentner zu stoßen, sagte der Finanzwissenschaftler Bernd Raffelhüschen von der Universität Freiburg der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ). Erst in der vergangenen Woche hatte die "Thüringer Allgemeine Zeitung" berichtet, dass die Kinderarmut in Deutschland im vergangenen Jahr leicht gestiegen sei. So müssten nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit 1.894. 552 Kinder unter 15 Jahren von Hartz IV leben - 2006 waren es im Jahresdurchschnitt 1.886.459.

Die relativ sichere wirtschaftliche Position der Rentner belegt die FAZ mit dem Sozioökonomischen Panel (Soep) des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Nach dieser Untersuchung, die auf einer Stichprobe von rund 12.000 Haushalten beruht, lag das durchschnittliche bedarfsgewichtete verfügbare Einkommen der Gesamtbevölkerung im Jahre 2003 bei 19.347 Euro je Person. Seniorenpaare verfügten im Schnitt über ein Einkommen von 20.218 Euro pro Person - damit lagen sie bei 104,5 Prozent des Durchschnittwertes. Zum Vergleich: Ein junges Elternpaar mit einem Kind unter drei Jahren erreichte der Untersuchung zufolge gerade mal 83,6 Prozent des Mittelwertes, Paare mit Kindern über 16 Jahre immerhin noch 113 Prozent. Alleinerziehende, in der Regel Frauen, besaßen jedoch nur zwei Drittel des Durchschnittseinkommens.

Nur zwei Prozent der Rentner, etwa 370.500 Senioren, bezogen nach Recherche der FAZ 2006 lediglich die so genannte Grundrente - durchschnittlich 347 Euro plus einen Wohnkostenzuschuss von etwa 280 Euro. Häufig waren Frauen darunter, da sie durch ihre meist kürzere Lebensarbeitszeit geringere Rentenansprüche haben.

Die so genannte Armutsrate, der Anteil der Menschen, die über maximal 60 Prozent des Durchschnitteinkommens verfügen, war bei den Seniorenpaarhaushalten im Jahre 2003 jedoch mit 7,8 Prozent nur halb so hoch wie die Armutsrate der Gesamtbevölkerung. "Durchschnittlich haben die Senioren mehr verfügbares Einkommen und vor allem mehr Vermögen als die Jüngeren, die heute ihre Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung zahlen und später deutlich weniger Rente rausbekommen werden", sagte Markus Graba, Verteilungsökonom vom DIW der Zeitung.

Wie denken Sie?

Wie empfinden Sie die Einkommensverteilung in Deutschland? Haben Sie als Familie es tatsächlich schwerer, über die Runden zu kommen, als viele Senioren? Welche Belastungen empfinden Sie als besonders ungerecht? Oder ist eine Erhöhung der Bezüge gerade im Bereich der niedrigen Renten tatsächlich nötig? Diskutieren Sie mit in unserem "Pro- und Kontra-Forum"