Kleine Fussballfans
 
Wenn die Lieblingsmannschaft verliert

Natürlich hoffen wir, dass Müller, Schweini & Co. sich bei der Fußball-Europameisterschaft bis ins Finale schießen. Doch wenn die Lieblingsmannschaft verliert, ist das für kleine Fans oft eine Katastrophe. Hier erfährst Du, wie Du Dein Kind trösten kannst.

Warum trifft eine Niederlage kleine Fans so hart?

Kleine Fussballfans: Wenn die Lieblingsmannschaft verliert

Egal, ob es der Verein ist, in dessen Jugendmannschaft der Junior selbst kickt, die Bundesliga oder die Fußball-EM - verliert die Lieblings-Fußballmannschaft ein Spiel, können Kinder das als persönliche Niederlage auffassen.

Dann ist elterlicher Trost gefragt, erklärt Andreas Engel von der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (bke) in Fürth. Im Grundschulalter entdecken Kinder die Fähigkeit, sich mit einer Mannschaft zu identifizieren - sie werden Fans. Damit haben sie teil an der Stärke und Überlegenheit, den Siegen und dem Hochgefühl der Idole. Zugleich empfinden sie sich zugehörig zur großen Fan-Gemeinde, das so geborgte Selbstbewusstsein tut gut. Verliert allerdings die Lieblingsmannschaft, scheidet sie gar bei einem Turnier aus, bekommen die Größenfantasien einen kräftigen Dämpfer. Das Aufwachen in der Realität des Verlierers wird wie eine persönliche Niederlage empfunden.

Wie können Eltern helfen?

"Fußball ist sehr emotional", betont Kristin Langer, Mediencoach bei SCHAU HIN!. Es sei wichtig, dass Fan-Gefühle innerhalb der Familie auch ausgelebt werden können. Erwachsene dürften darüber aber trotzdem nicht ihre Vorbildfunktion vergessen: "Wenn man seine Wut zum Ausdruck bringt, sollte man auf seine Wortwahl achten", mahnt Langer. Auch bei Missgeschicken auf dem Platz ist es ratsam, nicht zu hart mit den Spielern ins Gericht zu gehen. "Wenn etwas schief läuft, gilt es, genau zu schauen, ob der Fußballer überhaupt was dafürkann", sagt Langer. Außerdem sollte klar sein, dass auch ein schlechtes Spiel denjenigen nicht zum schlechten Menschen mache.

Im Falle einer Niederlage können Eltern ihren Kindern durchaus helfen, für diese Gefühle der Enttäuschung Worte zu finden. Allerdings brauchen kleine Fans - wie Erwachsene - Zeit, die Niederlage zu verarbeiten, den vergebenen Möglichkeiten nachzutrauern und Schuldige wie Schiedsrichter oder unfaire Gegner zu benennen. Es sei wichtig, dass Eltern ihren Kindern den Raum böten, um solche Negativ-Erlebnisse zu verarbeiten, weiß die SCHAU HIN!-Expertin.

Der nächste Schritt bei der Verarbeitung ist die Anerkennung der Leistung des Gegners. Schließlich können Eltern mit dem Kind das Spiel noch einmal besprechen, um Stärken und gute Ansätze herauszufinden. Zudem hilft es, den Blick auf künftige Herausforderungen der Mannschaft zu lenken: Nach dem Spiel ist bekanntlich vor dem Spiel.

Hocken die Kinder während der EM nicht viel zu lange vor dem Fernseher?

Auch wenn viele EM-Spiele nachmittags laufen, bleiben doch einige übrig, die nach der eigentlichen Zubettgeh-Zeit jüngerer Kinder gezeigt werden. Bei der Entscheidung, ob das Kind die späte Übertragung anschauen darf, sollte man in Betracht ziehen, was am nächsten Tag ansteht und ob das Kind diese Aufgaben auch mit weniger Schlaf verkraften kann. So kann man beispielsweise vereinbaren, dass Abend-Spiele nur dann geguckt werden dürfen, wenn die deutsche Mannschaft mitspielt.

Generell sollten Eltern ihre kleinen Fans während dieser intensiven Fußball-Zeit im Blick behalten. Es gilt, zu prüfen, ob ein Kind die Situation verkraftet oder ob es beispielsweise sein Verhalten stark ändert. Hat man den Eindruck, der ganze EM-Trubel wird für das Kind zu viel und es verliert sich, sollte man klare Grenzen setzen.

Nicht nur zur EM: Tipps für den kindgerechten Umgang mit Medien

Nicht nur während der Fußball-EM stehen Dir die Experten der Initiative SCHAU HIN! auch in unserem Experten-Forum für alle Fragen zum Umgang von Kindern mit Medien zur Verfügung.