Kinderbücher
 
So macht Lesen Spaß!

Was Sie beachten sollten, wenn Sie Ihren Kindern vorlesen - besonders bei Kinderbuch-Klassikern - oder wie Hörbücher das Lesenlernen fördern: Hier finden Sie Experten-Tipps rund ums Lesen!

Kinderbücher: So macht Lesen Spaß!

Eigentlich wollten wir uns mit Prof. Dr. Anita Schilcher, Expertin für Kinder- und Jugendliteratur, nur über Kinderbuch-Klassiker unterhalten. Doch dabei haben wir so viele interessante Infos zu Kindern und Literatur im Allgemeinen erhalten, dass wir Ihnen diese nicht vorenthalten wollten - aber lesen Sie selbst!

ELTERN.DE: Anfangs lesen wir unseren Kindern hauptsächlich vor. Was gibt es dabei zu beachten?

Prof. Dr. Anita Schilcher: Wenn Kinder etwas nicht verstehen, ist es ganz wichtig, gleich darauf einzugehen und Zwischenfragen unbedingt zuzulassen. Bei Janoschs "Oh, wie schön ist Panama" z.B. gibt es eine Stelle, wo es heißt, dass der Bär und der Tiger immer wieder nach links abbiegen, um nach Panama zu kommen. Am Ende landen sie wieder dort, wo sie losgegangen sind. Darauf sollte man eingehen, und das nach Immer-nach-links-Gehen einfach einmal in echt nachmachen. Das hilft Kindern, die Geschichte besser zu verstehen. Es ist auch wichtig, die Kinder während und in der Erzählung immer wieder direkt anzusprechen. Beim "Kleinen Ritter Trenk" z.B. oder auch bei Janosch sind solche Stellen bereits im Text enthalten. Abschnitte, die zu langatmig oder kompliziert für die Kinder sind, sollte man einfach zusammengefasst und erzählend wiedergeben und nicht wortwörtlich vorlesen.

Sollten auch die Kinder selbst einmal vorlesen?

Ja, lautes Vorlesen ist für Kinder wichtig, um flüssig lesen zu lernen. Anfangs kann man z.B. Dialoge abwechselnd mit den Kindern mit verteilten Rollen lesen.

Worauf sollte man besonders achten, wenn man gemeinsam mit seinen Kindern Kinderbuch-Klassiker liest?

Bei älteren Büchern gibt es oft das Problem, dass man erst einmal eine lange Durststrecke überwinden muss, bevor es spannend wird. Das ist z.B. bei Nils Holgersson so: Da müssen Kinder es aushalten, dass es nicht gleich mit Abenteuern losgeht. Oder beim Michel aus Lönneberga – mein Sohn weigert sich strikt, sich das Buch vorlesen zu lassen! Damit es den Kindern nicht zu kompliziert wird, sollte man mit Büchern anfangen, die von vertrauten Welten erzählen oder Bilderbücher wählen, die zum Entdecken einladen.

Wie schätzen Sie den Wert von Hörbüchern und Hörspielen ein?

Hörbücher sind toll!

Hörbücher sind toll! Befunde zeigen, dass Kinder durch sie schneller lesen lernen, weil sie durch Hörbücher bereits ein Gefühl für Schriftsprache entwickeln. Das ist ähnlich wie beim Vorlesen - nur geht hier alles schnell und ohne die Möglichkeit zu Rückfragen! Deshalb ist bei Hörbüchern höchste Konzentration verlangt. Wichtig: Die Eltern sollten das Hörbuch vorher darauf testen, ob es "Hörgenuss" ermöglicht. Schön ist es auch, wenn Eltern mit ihren Kindern mithören. Beim Vorlesen hingegen kommt zusätzlich die Beziehungskomponente ins Spiel und die Kinder sehen, dass es jemanden gibt, der sich für die Bücher begeistern kann.

Wie stehen Sie zur Verfilmung von Kinderbuch-Klassikern?

Das ist abhängig von der Verfilmung. Bei Astrid Lindgrens "Pippi" und "Michel" z.B. finde ich Filme und Bücher gleichwertig. Es gibt auf jeden Fall wirklich phantastische Verfilmungen, die man auch gemeinsam mit den Kindern anschauen sollte. Ob lieber Film oder Buch: Man sollte zwischen den Medien abwechseln, so dass Kinder viele Möglichkeiten kennen lernen, mit literarischen Stoffen vertraut zu werden.Herzlichen Dank für das Interview, Frau Schilcher!