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Interview Zweimal Zwillinge in gut zwei Jahren

Drei Maschinen Wäsche und 25 Windeln täglich: Das doppelte Zwillingsglück der Familie Gasser aus Niederösterreich ist ein Knochenjob. Wie lebt es sich mit zwei Zwillingspärchen unter drei? Wir haben Birgit Gasser gefragt.

Wer gehört alles zu Ihrer Familie?

Unsere fünf Kinder: Die Große, Manuela, ist zehn, die Zwillingsmädels, Anna und Lisa, werden im nächsten Monat drei, und die Kleinsten, Thomas und Helene, sind ein gutes halbes Jahr alt. Und natürlich mein Mann Siegfried, 24, und ich, 30.

Haben Sie immer so viele Kinder geplant?

Nein. Meine beste Freundin muss immer lachen, wenn sie sich daran erinnert, wie ich früher überzeugt war, dass Manuela mein einziges Kind bleibt. Aber dann hab ich vor vier Jahren meinen Mann kennengelernt. Ja, so ändern sich das Leben und die Einstellung – mit dem richtigen Partner.

Liegen Mehrlinge bei Ihnen in der Familie?

Mein Mann hat einen Zwillingsbruder. Trotzdem hat man uns gesagt, dass die Wahrscheinlichkeit, zweimal Zwillinge zu bekommen, sehr gering ist. Übrigens war ich dazwischen, 2013, noch einmal schwanger – auch mit Zwillingen. Aber leider haben wir die Kinder in der 9. Woche verloren.

Das heißt, Sie hatten drei Zwillingsschwangerschaften fast im Jahresabstand?

Ja. Und wir haben noch einen Rekord zu bieten: Fünf Familienmitglieder, nämlich mein Schwiegervater, mein Mann mit seinem Bruder und unser jüngeres Zwillingspärchen haben alle am gleichen Tag Geburtstag.

Als die zweiten Zwillinge zur Welt kamen, waren die ersten gerade mal zwei Jahre alt. Wie haben Sie das gemacht, wenn Sie aus dem Haus wollten?

Die ersten vier Monate bin ich kaum ausgegangen. Da war die Große eine große Stütze, sie hat im Supermarkt nebenan eingekauft, wenn wir schnell noch etwas brauchten. Alle zwei Wochen kam eine Freundin und dann haben wir eine Runde gemacht mit Buggy und Kinderwagen. Zu Arztterminen sind mein Mann und ich mit allen Kindern im Auto gefahren.

Wie sieht jetzt ein typischer Tag bei Ihnen aus?

Schon vor 6 Uhr geht mein Mann aus dem Haus, er ist selbständig und hat ein Lebensmittel-Geschäft. Kurz darauf möchte Thomas sein erstes Flascherl haben. Um 6.45 Uhr wecke ich die Manuela, damit sie rechtzeitig zur Schule kommt. Gegen 7.30 Uhr werden die Mädels munter, um 8 Uhr bringt meine Schwiegermutter sie dann in den Kindergarten. Am Vormittag habe ich dann nur Thomas und Helene. Sie ist die Zarteste und wird gefüttert, wenn Ruhe einkehrt.

Und danach?

Dann mache ich den Haushalt. Drei Maschinen Wäsche sind es bestimmt jeden Tag, außerdem wechsle ich über 24 Stunden 25 Windeln und mache zehn Flascherl für die Kleinen. Um 14 Uhr bringt mein Mann die Mädels aus dem Kindergarten, fährt aber gleich zurück ins Geschäft. Nachmittags spiele ich dann mit den Kindern, wir gehen in den Garten oder basteln. Um 17.30 Uhr gibt’s Abendbrot für alle (ohne Vater, der kommt erst später), und bis 20 Uhr sind alle Kinder im Bett. Das machen sie zum Glück brav.

Und dann ruhen Sie sich erst mal aus?

Nein, dann geht’s weiter mit dem Haushalt.

Es klingt, als ob Sie so ziemlich alles allein wuppen!

Das meiste schon, ja. Eine Haushaltshilfe habe ich nicht. Und mein Mann ist nicht nur sehr viel im Geschäft, er ist auch Musiker und deshalb am Wochenende viel fort. Aber wenn ich ihn brauche, kommt er sofort. Und dann kann ich ihn auch beruhigt mit allen Kindern allein lassen, das kriegt er hin. Und meine Schwiegermutter, die nebenan wohnt, springt jederzeit ein, zum Beispiel, wenn ich mit einem oder zwei Kindern zum Arzt muss. Auch meine große Tochter packt mit an. Trotzdem gibt es schon Tage, von denen ich froh bin, wenn sie vorbei sind.

Wieviel Schlaf bekommen Sie?

Ich habe die letzten drei Jahre keine Nacht mehr als vier, fünf Stunden geschlafen. Mein Problem ist, dass ich meist nicht wieder einschlafen kann, wenn ich einmal wach bin. Aber irgendwie hat sich mein Körper dran gewöhnt.

Gehen Sie auch mal aus?

Nein. Das könnte ich sicher organisieren. Aber ich lese höchstens noch einen Moment, wenn die Kinder schlafen. Für alles andere bin ich einfach zu k.o.

Was ist das Anstrengendste?

Die Wäsche! Und die Zeit am Abend, wenn alle müde und hungrig sind.

Und was sind die schönsten Momente?

Ganz schlicht: wenn ich merke, es geht den Kindern gut. Wenn sie lachen, mir zeigen, was sie gebastelt haben, mich umarmen und mir ein Bussi geben.

Viele Mütter fühlen sich ja gerade in der ersten Zeit schon mit einem Kind an der Grenze ihrer Belastbarkeit. Wie schaffen Sie das mit vieren?

Das werde ich ganz oft gefragt. Ich sage dann immer: Ich mache eins nach dem anderen. Aber vielleicht liegt das auch an meinem Naturell: Mein Mann meint immer, ich sei wie Balou, der Bär aus dem Dschungelbuch, den nichts aus der Ruhe bringt.
Und dann haben Zwillinge ja auch einen ganz entscheidenden Vorteil: Sie haben immer jemand zum Spielen da! Deshalb wäre Manuela manchmal auch gerne ein Zwilling.


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