Urlaub nur mit Papa
 
Mit drei Vätern in die Berge

Die Kinder jammern, die Papas fahren aus der Haut

Gegen Mittag reißen die dunklen Wolken auf. Zeit für eine Schatzsuche. Peter malt mit Wachsmalkreiden Gesichter und Pfeile an den Fels und versteckt Gummibärchen in den Wacholderbüschen. Das Programm kommt gut an.Wir denken uns deshalb in den kommenden Tagen noch mehr aus: Mal machen wir ein Boccia-Spiel mit Steinen, mal basteln wir mit den Kindern dekorative Igel, indem wir Kuhfladen mit Stöcken spicken. Zwischendrin werden Felsen erklommen und Geister gejagt, die im Nebel ihr Unwesen treiben. Auf unserer nächsten größeren Wanderung Richtung Glödisspitze dürfen die Kinder selber Schätze verstecken. Mit verschmitzten Gesichtern verteilen sie Waffeln in Felsspalten und leiten uns mit "heiß, kalt, kalt"-Rufen bergauf. "Funktioniert prächtig", denken die Papas und sind stolz auf ihr perfektes Motivationstraining. Leider setzt das große Jammern und Maulen trotzdem ein. Lines kleine Beine bleiben im Schlamm stecken. Lea findet, dass es langsam reicht. Und Thibault tritt voller Wut gegen den Felsen. "Kackaberg!, Kackaberg!", heult er. Abwechselnd fahren die Papas aus der Haut. Zum Glück bekommen das nur die Murmeltiere mit. "Mannomann", seufzt Peter obendrein, "es ist schon eine Folter, diese wunderbaren Dreitausender den ganzen Tag vor Augen zu haben und nicht hoch zu dürfen. Stattdessen kreuchen wir in Zeitlupe durch die Landschaft." Genug mit der Qual, wir kehren um. Baptiste bettelt: "Papa, bitte, bitte, darf ich allein vorauslaufen! Die anderen sind sooo langsam." Und verspricht mit treuherzigem Augenaufschlag: "Dafür ärger ich auch Thibault nicht mehr." Toller Deal! Den würde seine Mama selbstverständlich nie eingehen. Aber warum eigentlich nicht? Der Weg ist nicht besonders steil und fast überall einsehbar. Als wir 30 Minuten später an der Hütte eintreffen, unterhält sich Baptiste angeregt mit einem älteren Herrn über Schafherden und sein Auto-Quartett. Früh am Abend stehen wir im Flur oben und horchen an den Zimmertüren. Kein Mucks zu hören. Bergluft plus Anstrengung, Pfannkuchensuppe, Schnitzel und Schreikrämpfe haben die Einschlafzeit auf ein Minimum verkürzt. Als unsere Vätergruppe auf ihrer Eckbank Platz nimmt, wird am Nachbartisch Schafkopf gespielt. Die Männer heben den Daumen. Die Frauen rufen: "Mutig, mutig!" und "Gratuliere!". Noch mehr Erfolgserlebnisse beschert uns der nächste Tag: Dank unserer Unterhaltungskunst sind die Kinder doch tatsächlich hinauf zum Salzplattensee gelaufen. Immerhin 2370 Meter hoch. Klar gab es wieder Proteste und Klagen.Aber nun kauern wir am Rand des kleinen Gebirgssees und mümmeln den Inhalt unserer Lunchpakete. Heute hätte es ruhig etwas mehr sein können.