Bergurlaub
 
Drachenjagd in 2000 Metern Höhe

Ein Pferd, ein Drache, ein Taschenmesser - die letzten Abenteuer finden kleine Ritter auf dem Berg. Genauer: auf dem Bretterich in Kärnten. Man darf es nur nicht Wanderurlaub nennen.

Bergurlaub: Drachenjagd in 2000 Metern Höhe

Nudeln mit Knoblauchbutter schmecken am besten in einer Höhe von 1800 Metern über dem Meeresspiegel. Davon sind Paul und Jakob überzeugt. Und meine Söhne, 5 und 2, sind Experten in Sachen Pasta. Richtig gute Nudeln – das wird jeder Gastrokritiker bestätigen – kocht man am besten in frischem Gebirgsbachwasser (auf einem Campingkocher). Sie werden in tagesfrischer Butter geschwenkt (bei Sennerin Kathrin erbettelt). Man kann etwas Knoblauch, Salz und Petersilie zugeben, man kann es auch lassen. Das Wichtigste nämlich ist: Alle essen aus einem Topf, im Schneidersitz auf einer Almwiese. Denn: Richtig gute Nudeln schmecken nach Abenteuer. Hätte ich meiner Familie erklärt "Wir gehen wandern, eine ganze Woche lang. Ist das nicht toll?", hätte sie an meinem Verstand gezweifelt. Meine drei Männer hätten mehr oder weniger offen gemeutert. Deshalb habe ich ihnen ein Survival-Training im Hochgebirge versprochen. Paul habe ich erlaubt, das Taschenmesser, die Taschenlampe und eine Großpackung Paketschnur mitzunehmen, Jakob habe ich erklärt, dass die Kraxe eine prima Alternative zum Buggy ist, und meinem Mann habe ich glaubhaft versichert, dass sich Spinnen in großen Höhen nicht wohlfühlen.

Zur Hütte hochlaufen? Lieber hochfahren

Ich habe Schlafsäcke eingepackt, eine Großpackung Müsliriegel für die wirklich harten Touren (20 Minuten und darüber), besagten Campingkocher und die Espressokanne (was sich noch als sehr nützlich herausstellen wird). Damit sind wir gepäckmäßig knapp über dem Limit von Extrembergsteigern – zumal die Fraganter Hütte, unser Basislager, für Gäste nur per pedes zu erreichen ist. "Die letzte Stunde vom Parkplatz in Innergraten zur Hütte ist reiner Fußweg, allerdings mit kaum Höhenunterschied (100 m) und deshalb auch mit Kindern leicht zu bewältigen. Wegen des Gepäcks lassen sich viele Familien aber gern von uns abholen." So steht es in der Anreisebeschreibung, und so machen wir es dann auch. Simone Paganini, unser Hüttenwirt (er ist Italiener) wartet mit der roten Familienkutsche hinter der Schranke, perfekt ausgestattet mit Kindersitzen, was daran liegt, dass er und seine Frau Claudia selbst zwei kleine Kinder haben. Die Forststraße, auf der nur Hüttenbesitzer oder -pächter fahren dürfen (sie haben einen Schlüssel für die Schranke), ist ein wenig länger als der Fußweg. Irgendwann wird das Tal ganz weit, wir fahren einen großen Bogen – und sind da: Auf 1817 Metern Höhe steht die Fraganter Hütte, das klingt hoch, wirkt aber nicht so, weil richtige Berge hier erst bei 2500 Metern beginnen.

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