Ferien auf dem Hausboot
 
Klar zum Ablegen!

Nach ihren Ferien auf dem Hausboot finden die Söhne von ELTERN-Autorin Isabella Huber: Die Sonne im Gesicht, den Wind in den Haaren und das Steuerruder fest in der Hand - besser kann Urlaub nicht sein. Das wäre auch etwas für Sie? Dann finden Sie hier Infos und Preise rund ums Hausboot.

Ferien auf dem Hausboot - wäre das etwas für Sie?

Ferien auf dem Hausboot: Klar zum Ablegen!

Haben Sie auch schon einmal mit dem Gedanken gespielt, Ihre Ferien auf einem Hausboot zu verbringen? Dann lesen Sie doch hier einmal den Reisebericht von ELTERN-Autorin Isabella Huber. Sie schipperte mit Ihrer Familie eine Woche lang durchs Burgund.

Ganz Eilige finden hier aber auch mit nur einem Klick die wichtigsten Infos und Adressen für die perfekten Ferien auf dem Hausboot:

Für jeden Geschmack: Ferien auf dem Hausboot

"Das ist es!" Paul erkennt unser Hausboot, die Caprise, im Hafen von Migennes sofort. Schließlich hat er sich schon im Internet in das schönste aller Schiffe verliebt: "Flott und windschnittig, nicht so ein lahmer Kahn", findet unser Siebenjähriger.

Abenteuer pur, nicht weniger erwartet Paul von der Hausboot-Tour durchs Burgund. Wie ein echter Flusspirat will er die Kanäle Frankreichs unsicher machen, den einen oder anderen Geschwindigkeitsrekord brechen, und wenn sich ihm ein Seeungeheuer in den Weg stellt, wird auch das niedergemetzelt. Jakob, Pauls vierjähriger Bruder, tut, was ein Matrose klugerweise tut, wenn der Kapitän Volksreden schwingt: Er nickt und schweigt.

Dass wir Eltern so ganz andere Vorstellungen haben - behaglich die Yonne entlangtuckern, viel essen und noch mehr Weißwein trinken wollen - , ist unerheblich, weil es im Schiffsalltag ganz wunderbar zusammenpasst: Abenteuerlust und Savoir vivre.

Alle man an Bord - die Ferien auf dem Hausboot gehen los!

Während mein Mann das Gepäck an Bord schleppt, ich einen Schwung deutsch-französischer Formulare ausfülle (Heimathafen, Anzahl der Crewmitglieder), erkunden die Jungs bereits das Boot. Sie meckern, weil Wolfang und ich die große Kajüte im Schiffsbug beziehen, aber da beißen sie auf Granit: Wir sind groß, wir kriegen die breiten Betten. Sie bestaunen die Mini-Küche, die alles hat, was man braucht, um Nudeln mit Tomatensauce zu kochen (Herd, Kühlschrank und jede Menge wellentauglicher Schränke mit Töpfen und Geschirr). Sie besichtigen den Salon (=Aufenthaltsraum) mit Steuerrad und bewundern die Toilette mit Pumpe und Flusswasserspülung. Aber vor allem erklettern sie jeden Quadratzentimeter an Deck: die Sonnenterasse, die Reling, die einmal rund ums Boot führt, die Dachluken, durch die man sich (wenn man klein und sportlich ist) wieder zurück ins Innere des Schiffes plumpsen lassen kann.

Und weil irgendwann tatsächlich alle Taschen und T-Shirts verstaut sind, heißt es: "Klar zum Ablegen!" Zur Verstärkung haben wir Wim an Bord, der uns die Finessen des Schiffes erklärt: Vorwärtsgang, Rückwärtsgang, leider keine Bremse. Hier ist der Trinkwassertank und dort das Kabel für die externe Stromversorgung. Er begleitet uns die ersten Meter auf dem Fluss, um zu sehen, ob wir das Anlegen auch in der Praxis beherrschen. Dass Wim Belgier ist und Deutsch spricht, weiß vor allem Käpt'n Paul zu schätzen: Er löchert unseren Schiffseinweiser mit Fragen und weiß auch nach Tagen noch alles besser.

Richtig kompliziert ist es nicht, ein Hausboot zu steuern, deshalb braucht man auch keinen Führerschein. Aber es dauert, bis sich eine entspannte Routine einstellt, bis jedes Crew-Mitglied weiß, was es zu tun hat - und was es besser lässt. So viel Zeit hat Wim nicht. Eine Schleuse und ein waghalsiges Anlegemanöver später klettert er von Bord, nicht ohne uns (und dem Schiff) eine gute Woche zu wünschen. Und weil es mittlerweile später Nachmittag ist, suchen wir uns als Erstes einen Anlegeplatz zum Schlafen.

Ferien auf dem Hausboot - der Inbegriff der Gemütlichkeit

Die erste Herausforderung: eine Anlegestelle finden

Noch sind wir nicht wählerisch, so ganz genau wissen wir nämlich gar nicht, was uns wichtig ist. Eine Boulangerie für die Croissants am Morgen? Frischwasser? Strom? Egal, unsere Vorratsschränke sind gefüllt und die Akkus voll. Wir binden das Boot an den nächsten Baum und lassen unsere Anspannung fallen. Während die Jungs Piratenflaggen malen, entkorkt mein Mann den ersten Wein, und ich beschließe, dass Baguette mit Salami, Käse und Tomaten als echt französisches Abendessen durchgeht.

Es schaukelt und gluckert, eine Entenfamilie hofft auf ein paar Brotkrümel, und auch wenn Paul und Jakob in ihren Betten Rabatz machen und nicht im Traum an Schlafen denken - es ist ziemlich gemütlich in unerem schwimmenden Haus.

Eine Nacht und einen Milchkaffee später wird es ernst. Wir schippern Yonne-aufwärts Richtung Canal du Nivernais. Paul am Steuer, Papa daneben. Solange es stur geradeaus geht, ist diese Arbeitsteilung perfekt, weil sich ein Hausboot lenkt wie ein gutmütiger Elefant: langsam und behäbig, jeder Radfahrer (und die meisten Jogger) sind schneller. Kleine Steuerradschlenker verzeiht das Boot, in dem es sie großzügig ignoriert.

Taktgeber für die Ferien auf dem Hausboot: die Schleusen

Ferien auf dem Hausboot - nichts für Feiglinge!

Damit die Sache sportlich bleibt, sind alle paar Kilometer Schleusen eingebaut, die man wie große Wasseraufzüge vorstellen muss: Man fährt mit dem Boot hinein, leint es an, und dann geht es rauf - oder runter. Klingt machbar, hat es aber in sich. Weil manche Schleusen riesengroß und andere winzig sind (beides schwierig), weil es mitunter zwei, drei oder noch mehr Meter nach oben geht und weil die Caprice - zumindest für uns Anfänger - ein ganz schön großer Kahn ist.

Dazu kommt: Ich bin ein Feigling. Einer muss nämlich an Land springen und das Boot festmachen. Springe ich, habe ich Angst ins Wasser zu fallen. Springt Paul, bangt mein Mutterherz. Natürlich springt Paul, und er tut das sehr souverän (und nur mit Schwimmweste!), aber es dauert ein paar Schleusen, bis ich mich daran gewöhnt habe. Jakob zieht es zum Glück vor, als Assistent des Steuermanns bei Papa an Bord zu bleiben.

Auch sonst bestimmen die Schleusen unseren Rhythmus: Vor neun Uhr morgens brauchen wir nicht loszufahren, denn da arbeitet kein Schleusenwärter. Zwischen zwölf und eins ist Mittagpause, und nach sechs geht ebenfalls nichts mehr. Klingt nach einem beschaulichen Leben und so sehen die meisten Schleusenhäuschen auch aus: Überall hängen und stehen Blumenkästen, einige Schleusenwärter verkaufen Honig, andere Wein, und fast alle haben Lust auf ein Schwätzchen über das Wetter, das Woher und Wohin.

Schade, dass Paul in der Schule Englisch lernt, Französisch könnte er jetzt brauchen. Doch auch mit Minimalwortschaftz (Bonjour, salut, merci) und einem charmanten Schulterzucken kommt er erstaunlich weit. Weil er es sich darüber hinaus nicht nehmen lässt, beim Auf- und Zukurbeln der Schleusen zu helfen, finden die meisten Franzosen unseren Flusspiraten reizend.

Ferien auf dem Hausboot: Wo ist es am schönsten?

Kein Urlaub ohne Kultur - in diesem Punkt bin ich unerbittlich. Auxerre heißt mein Ziel, weil das mittelalterliche Städtchen direkt am Wasser liegt. Irgendwann macht der Kanal eine scharfe Kurve, und wir sind da - vor einer malerischen Kulisse: gotische Kathedrale Saint-tienne links, romanische Abtei Saint-Germain rechts, dazischen winzige Gassen und malerische Häuser.

Wir müssen nur noch anlegen, was nicht leicht ist, denn hier reiht sich Hausboot an Hausboot. Wir parken in zweiter Reihe, und das klappt nur mit Hilfe. Dafür versorgt uns die Dame von der Hafenmeisterei auch gleich mit einem Schwung wertvoller Tipps (die beste Bäckerei ist einmal über die Fußgängerbrücke links, der größte Supermarkt ein paar Straßen hinter uns rechts) und einer großartigen Stadtbroschüre. "Auf den Spuren des Cadet Roussel" heißt sie (er war ein verdienter Bürger und exzentrischer Gerichtsvollzieher der Stadt) und beschreibt einen Rundweg, der aufgebaut ist wie eine Schnitzeljagd. Überall in der Stadt sind kleine, bronzefarbene Dreiecke in die Straßen eingelassen. Sie sind durchnummeriert und lassen keine Sehenswürdigkeit aus.

Mit Begeisterung hetzen unsere Söhne von Kulturdenkmal zu Kulturdenkmal (ein bisschen flott vielleicht, dafür schaffen wir den Weg zweimal). Das möchte ich jetzt immer haben: Spaß für die Kleinen und meckerfreies Sightseeing für die Großen. Ein, zwei Spielplätze könnte man in die Tour noch einbauen.

Natürlich werden auch die kulinarischen Ansprüche in Auxerre befriedigt, wobei unser Favorit dann doch die Creperie "Ribambelle" und kein Sterne-Restaurant war: Pfannkuchen gehen einfach immer.

Auch wenn wir in den nächsten Tagen noch eine Sektkellerei besichtigen (in einer unterirdischen Höhle) und eine Radtour in die Weinberge machen, am schönsten war es in Monteau, weil dieser Anlegeplatz einfach alles bietet: eine Bäckerei, in der Wolfgang morgens Croissants für alle holt, und einen Fußballplatz zum Kicken. Besser lassen sich Abenteuer und Erholung nicht kombinieren.

Ferien auf dem Hausboot im Burgund: Infos und Preise

  • Das Reiseziel:Der Fluss Yonne ist einer von neun schiffbaren Wasserwegen im Burgund. Besonders sehenswert entlang dieser Route sind das erwähnte Auxerre, außerdem Joigny mit seinen verwinkelten Gassen, das historische Villeneuve-sur-Yonne, Sens mit der ersten gotischen Kathedrale Frankreichs sowie Pont-sur-Yonne mit seinem Brückenaquädukt.
  • Hausboote: Für eine Bootstour im Burgund stehen Hausboote in unterschiedlicher Größte (zwei bis maximal zwölf Personen) und Bauweise (schnittig-modern beziehungsweise klassisch) zur Auswahl. Auf dem modernen Hausboot "Caprice" mit zwei Kabinen und zwei Duschen/WCs haben bis zu sechs Personen Platz. Mietpreis pro Woche: ab 1.620 Euro. Bei einem Kind unter 18 Jahren gibt's fünf Prozent, bei zwei Kindern zehn Prozent Familienrabatt (ausgenommen im Reisezeitraum 03. Juli bis 21. August 2010). Hinzu kommen sechs Euro pro Motorstunde Betriebskosten, 200 Euro Sicherheitskaution und 110 Euro Haftungsauschluss im Schadensfall (bei einer Woche Reisedauer).
  • Landgänge: Wer an den Anlegestationen an Land mobil sein will, kann sich ein Rad mitnehmen. Preis für ein Leihfarrad pro Woche: 40 Euro (Erwachsene) beziehungsweise 30 Euro (Kinder).
  • Infos: Mehr Informationen bei Le Boat (ein Zusammenschluss der drei Hausbootmarken Crown Blue Line, Connoisseur und Emerald Star), Tel.: 06101-5 57 91 75, www.leboat.de. Wissenswertes über Burgund erfährt man unter www.bourgogne-tourisme.com (auch auf Deutsch) und beim Französischen Fremdenverkehrsamt Atout France, Tel.: 09001/57 00 25 (0,49 Euro/Min aus dem deutschen Festnetz), www.franceguide.com