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Städtereisen Istanbul: Metropole auf zwei Kontinenten


Die Stadt am Bosporus hat viele Gesichter: orientalisch und zugleich westlich, alt und trotzdem modern, Europa trifft Asien. Entdecken Sie die quirlige Metropole zusammen mit Ihren Kindern - auf die spannende, klassische oder ausgefallene Tour.

Städtereise nach Istanbul: Auf die spannende Tour

Städtereisen: Istanbul: Metropole auf zwei Kontinenten

"Wahnsinn, die Brücke dreht durch!" Wie bitte? "Schnell, schaut doch mal!" Unsere Tochter Hannah steht vor dem großen Panoramafenster unserer Ferienwohnung und staunt. Es sieht aus, als hätte es auf der Hängebrücke über den Bosporus einen Kurzschluss gegeben: Tausende Lämpchen blinken durcheinander. Über dem Wasser spielt sich eine Lightshow ab, wie wir sie noch nie gesehen haben - und die abends jede Stunde wieder ein Hingucker ist.

Vom Wohnzimmer unseres Appartements, das zentral im Stadtviertel Beyoglu liegt, haben wir einen sensationellen Blick auf die Meerenge zwischen Asien und Europa. Man könnte den ganzen Tag nur hier oben im Dachgeschoss sitzen und auf die Stadt gucken, Schiffe zählen und dabei Tee trinken. Aber dann würden wir eine Menge verpassen von Istanbul.

Also nichts wie runter, über die Galatabrücke in die Altstadt. Vorbei an Fischläden, deren Auslagen fast wie Mandalas wirken. So kunstvoll sind die Muster, die die Händler mit Goldbrassen, Tintenfischen, Sardinen und Thunfischstücken legen. In der Farbigkeit noch übertroffen werden die Fischauslagen von den roten, gelben, braunen und orangefarbenen Gewürzbergen, die im Gewürzbasar aufgehäuft sind.

Wir stöbern durch die vielen kleinen Läden im Marktviertel, erstehen bei einem Straßenhändler eine "garantiert echte" Adidas-Jacke für fünf Euro und beschließen dann, den Rest der Sightseeingtour per Boot zu machen.

Es gibt unzählige Touristenboote, die den Bosporus auf und ab fahren, fast alle mit lauter Beschallung und Musik. Die schönere und günstigere Variante: das Linienschiff nehmen, das regelmäßig zwischen Eminönü und Anadolu Kavai, einem Fischerdorf am Schwarzen Meer, pendelt. Für 15 bis 20 Euro gibt es dort in den Lokalen Mittagsmenüs mit drei Gängen, zum Beispiel frittierte Muscheln und Scampi, gegrillten Fisch und Dessert.

Nach zwei Stunden Aufenthalt geht es wieder zurück Richtung Zentrum - vorbei an Palästen, Moscheen und Minaretten. Der Schiffskellner serviert Tee in kleinen Gläsern, dazu gibt es türkischen Honig und Kekse. Die Nachmittagssonne scheint auf das Oberdeck, und als wir unter der Hängebrücke durchfahren, sehen wir die Kuppel der Hagia Sophia im goldenen Licht schimmern.

Istanbul auf die klassische Tour

Istanbul ohne Hagia Sophia, Blaue Moschee und Topkapi-Palast? Das geht gar nicht. Istanbul ohne Stau leider auch nicht. Denn öffentliche Verkehrsmittel gibt es in der 13-Millionen-Metropole kaum. Busse und Taxis sind zwar günstig (eine Fahrt vom Flughafen in die Innenstadt kostet zehn bis 20 Euro). Zu den Stoßzeiten kommen aber auch die nur langsam voran. Da ist man zu Fuß oft schneller.

Durch den Großen Basar gehen wir sowieso zu Fuß - und Händchen haltend. Trotzdem dauert es keine zehn Minuten, und wir haben uns im Gewimmel verloren. Zum Glück haben wir ja Handys. Wir rufen uns wieder zusammen, suchen den nächsten Ausgang (weil uns der Große Basar zu massentouristisch ist) und machen uns auf den Weg zur Hagia Sophia. Das ehemalige Gotteshaus, das nun ein Museum ist, gilt als eine der Hauptattraktionen Istanbuls und hat im Jahr mehr als zwei Millionen Besucher. Tipp: Um lange Warteschlangen an der Kasse zu umgehen, bucht man am besten eine geführte Tour (zum Beispiel bei http://istanbultours.org, circa 30 Euro).

Zur nächsten Sehenswürdigkeit, dem Topkapi-Palast, ist es nur ein kurzer Fußmarsch. Der Palast war jahrhundertelang der Wohn- und Regierungssitz der Sultane. Besonders lockt uns der viel zitierte Bart des Propheten (Mohammed), der hier in einem Schrein aufbewahrt wird.

Gegenüber vom Palast ist der Eingang der Yerebatan-Zisterne, die einst ganz Byzanz mit Trinkwasser versorgte. In der Säulenhalle wurde eine Szene des James-Bond-Films "Liebesgrüße aus Moskau" gedreht. Zwei Säulen stehen auf antiken Medusenköpfen. Ihre Gesichter sind ganz glatt von den unzähligen Berührungen der Besucher. Denn Wünsche, die man beim Streicheln der Köpfe flüstert, werden angeblich wahr. Auch wir hoffen auf dieses Glück.

Istanbul auf die ausgefallene Tour

Was macht man in einer quirligen Metropole, wenn man mal seine Ruhe haben will? Einfach der Stadt aufs Dach steigen. Die populärste Terrasse der Stadt ist laut der Tageszeitung "Hürriyet" das Dachgeschoss des Lokals Leb-i Derya in der Nähe des Tünel-Platzes (Kumbaraci yokuu 57/6). Schön für eine Verschnaufpause zwischendurch ist aber auch die Dachterrasse der Bar 5. Kat (Soanci Sokak 7, nahe Taksim-Platz). Der Blick über die Dächer des noblen Viertels Cihangir, in dem die neue Bohme Istanbuls wohnt, auf die asiatische Seite ist grandios.

Weil die Aussicht vom anderen Ufer des Bosporus auf die Altstadt ebenfalls beeindruckend ist, fahren wir mit der Fähre hinüber nach Kadiköy, bummeln ein bisschen die Promenade am Meer entlang, besteigen dann die alte Straßenbahn und zuckeln nach Moda, einem schönen und wenig touristischen Viertel direkt am Wasser.

Den letzten Tag vor unserer Heimreise lassen wir im Caf Pierre Loti im Stadtteil Eyüp ausklingen. Mit der Seilbahn schweben wir über den alten Friedhof den Hügel hinauf. An kühlen Tagen sitzt man drinnen zwischen prunkvollen Kissen, alten Fotos und goldglänzenden Tischen. Wir haben Glück und können auf der weitläufigen, schattigen Terrasse orientalischen Apfeltee genießen. Den Traumblick auf das Goldene Horn bekommen wir gratis dazu.

Städtereise nach Istanbul: Infos und Tipps

Wohnen

Manzara-Istanbul vermietet schöne Wohnungen mit Blick auf den Bosporus. Frühzeitig reservieren! www.manzara-istanbul.com
Preisklasse: €€

Hotel Büyük Londra: Hier spielen einige Szenen aus Fatih Akins Film "Gegen die Wand". www.londrahotel.net
Preisklasse: €€€

Hotel Empresso Zoe: Märchhaft schlafen wie in 1.001 Nacht. www.emzoe.com
Preisklasse: €€€

Essen

Ciya Kebab: In diesem Caf in Kadiköy (Caferaga Mah. Güneslibahce Sk., www.ciya.com) gibt's die besten Kebab-Platten der Stadt.

Restaurant Daüzziyafe (Sifahane Cad 6, Süleymaniye): In einem ehemaligen Wirtschaftsgebäude der Süleymaniye-Moschee (übrigens sehr sehenswert!) befindet sich das wunderbare Restaurant.

Gasthaus Yakup 2 (Asmali Mescit Mahallesi 35/37, Beyoglu): Gut gegrillten Fisch und andere Klassiker der türkischen Küche bietet dieses traditionelle Gasthaus.

Refik: In dieser Raki-Kneipe sitzen wegen der guten Vorspeisen auch viele Einheimische (Sofyali Sokak 10-12).

Rumkommen

Bosporus-Rundfahrt: Die Schiffe fahren von Eminönü um 10.35, 12 und 13.35 Uhr ab und stoppen der Reihe nach in Beikta, Kanlica, Yeniköy, Sariyer, Rumeli Kavai und Anadolu Kavai.

Fähren: Die meistfrequentierte Verbindung ist die zwischen Eminönü und Kadiköy. Es fahren auch Fähren von Beikta und Karaköy auf die asiatische Seite. An den Bootshäusern kann man Tickets für 1,40 bis 2,80 Lira (etwa 60 Cent bis 1,20 Euro) kaufen. Auch lohnend: Mit der Fähre nach Büyükada, eine der Prinzeninseln im Marmarameer, fahren (1,50 Euro pro Fahrt) und die Ruhe auf der autofreien Insel in einer Pferdekutsche genießen.

Preiskategorien

€€€€ Luxusklasse €€€ Mittleres Preisniveau €€ Preiswert € Sehr günstig

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