Kinderhotel
 
Urlaub im Hotel der Träume

Den Service genießen, Spielen, den Nachwuchs abgeben und einfach mal ein paar Tage ausruhen - das verspricht ein Aufenthalt im Baby- und Kinderhotel. ELTERN Family-Autorin Isabell Winklbauer und Ihre Familie haben getestet, was Eltern dort erwarten dürfen.

Kinderhotel: Urlaub im Hotel der Träume

"Kinderhotel? Kommen da morgens um sieben Mitarbeiter, machen leise die Kinder fertig und nehmen sie mit?" Mein Vorschlag, ein paar Tage in einem familienfreundlichen Hotel zu entspannen, trifft bei meinem Mann Michael ins Schwarze. Kein Wunder, er, unsere Tochter Christina, 4, und ich können nach der Geburt und den ersten sechs Monaten unseres Jüngsten, Vincent, Erholung gut gebrauchen. Christina will mehr von ihren Eltern haben, Michael wünscht sich mehr Schlaf, und ich will einfach weg von Windeln und Computer. Berge wären toll. Also entscheiden wir uns für ein großes Kinderhotel in Südtirol.

Woran man ein Kinderhotel erkennt?

"An drei Grundvoraussetzungen", erklärt Siggi Neuschitzer, Sprecher der Kinderhotels GmbH, einem Verband von 51 Häusern in Deutschland, Österreich und Südtirol. „Erstens sollte es eine verkehrssichere Lage haben, sicher gebaut und eingerichtet sein. Zweitens sollten ganzjährig mindestens 40 Stunden Kinder- und Babybetreuung pro Woche geboten sein. Und drittens gehören ausreichend Spielplätze dazu.“ Wer heute ein Kinderhotel betreibt, habe in der Regel aber noch mehr in petto. "Badelandschaften und Wellness für die Eltern kann man durchaus auch erwarten."

Beim Einchecken

Beim Einchecken in unserem Vier-Sterne-Schloss wähnen wir uns erst einmal in einem Rokoko-Baby-Weltraumbahnhof. Kinderwägen sind hier das gängige Fortbewegungsmittel. Toll! Einfach jeder schiebt einen Leihbuggy durch gläserne Aufzüge und über rote Teppiche; auf jeder Etage gibt es sogar Parkplätze dafür. Die Zimmer sind aber ganz normal komfortabel – abgesehen von dem riesigen Zwei-Quadratmeter-Alkoven mit abnehmbarer Netzfront, der Vincents Babybett darstellt. Vollends beeindruckt sind wir aber beim Abendessen. Nicht nur, dass es eine Kinderkarte und ein Babybuffet mit verschiedensten Breien, Fläschchen und Heißwasserspender gibt. Es schweben auch Kellner im grünen Frack herum, die die Kleinen bedienen. "Vincents hat seinen Schnuller runter geschmissen", meldet Michael über der Vorspeise - schon eilt ein Befrackter herbei und legt den Nuckel mit „Prego, Signore“ und Verbeugung wieder auf die Damastserviette unseres Babys. Wahnsinn! "Wenn jetzt noch die Betten bequem sind, erholen wir uns prima", freue ich mich.

Doch ich habe nicht mit meinem Mutterinstinkt gerechnet. So schön das extra Kinderzimmer ist, Vincent zum ersten Mal getrennt von mir schlafen zu lassen, erweist sich als schlechte Idee. Ich kann ihn nicht atmen hören und mache, während Michael so gut schläft wie lange nicht mehr, kein Auge zu. Erst um halb fünf Uhr morgens gebe ich auf und lege mich zu ihm ins Babybett. Genug Platz ist ja.

Spielzeugflut und hübsche Betreuerinnen

Die Betreuung ist der entscheidende Punkt in Kinderhotels

"So, die Meute ist abgeschoben!" Unser Zimmernachbar grüßt uns anderntags strahlend an der Pforte zum Kinderland. Seine raue Art ist natürlich eine Schutzreaktion. Denn Turnhalle, begehbares Puppenhaus, Aquarium, Piratenbucht, Rad-Fuhrpark, Indianerzelte und Babylandschaft können noch so toll sein: Von hier auf jetzt den Nachwuchs abzugeben und auf Befehl zu entspannen ist ziemlich schwer. Natürlich nicht für die Kinder: Christina, die Nachbarstochter und Vincent sind sofort begeistert von der Spielzeugflut und den hübschen Betreuerinnen. "Wir müssen einfach loslassen, sonst klappt es nicht", sage ich zu Michael. Doch kaum sind wir 20 Minuten auf dem Zimmer, alleine und losgelassen, ruft die Babybetreuung an. "Vincent will dauernd herum getragen werden, sonst weint er", meldet die Dame. Also muss ich noch Mal runter, um ihn zu stillen. Hurra, er schläft! Die Stunde am Swimming Pool, die uns danach vergönnt ist, schiele ich trotzdem nur auf mein Handy. Fühlt Christina sich vielleicht doch allein gelassen? Zuletzt halten wir es beide nicht mehr aus und holen die Kinder wieder zu uns.

"Die Betreuung ist der entscheidende Punkt in Kinderhotels", klärt uns Jaro Rataj, Manager des Hotels Cavallino Bianco, später auf. "So gut wie alle Eltern nutzen sie. Deshalb sind wir auch ständig fast ausgebucht.“ Einen Trick, wie Eltern dabei innerlich entspannen, kennt er aber leider auch nicht. „Mütter von Kleinkindern sorgen sich oft sehr", sagt er. "Viele Sorgen nimmt ein gutes Kinderhotel aber ab, zum Beispiel die um die Ausrüstung. Wir lassen das die Familien schon am Ankunftsabend spüren, denn je früher man sich fallen lässt, desto besser." Überhaupt komme es auch im teuersten Kinderhotel viel auf Gespür an. "Die Atmosphäre muss trotz vier oder fünf Sternen locker sein. Das Personal darf nicht schief gucken, wenn Gäste Milchflecken auf der Schulter haben, oder wenn die Kleinen ein Laufradrennen in der Hotelbar veranstalten. Das ist ein Spagat, den viele nicht hinbekommen."

Die Worte des Managers bleiben mir im Gedächtnis. Denn am selben Abend bekommt Christina einen Heulkrampf, weil wir ihre Schmetterlingsschminke abwaschen, und Vincent startet ein Schreikonzert - worauf uns am nächsten Morgen keine Blicke töten, sondern man uns verständnisvoll anlächelt. Auch das macht also ein Kinderhotel aus. Diese Erkenntnis macht uns plötzlich gelassener.

Die Kinder sind glücklich

Eines steht fest: Unsere Kinder sind glücklich. Dank Babybetreuung verbringt Christina am letzten Tag zwei Stunden ganz alleine mit uns im Schwimmbad, so wie früher, als wir noch zu dritt waren. Und Vincent, der für sein Leben gerne greift und schmeißt, ist hin und weg von den vielen Schaukelpferden, Musikrasseln und seinem allerersten Babyschwimmen. Zuletzt komme bei einem Almausflug auch noch ich auf meine Kosten: Die Bilderbuchlandschaft der Dolomiten tilgt zwei schöne Stunden lang alle Erinnerungen an Pampers und PC. Abends entspannen Michael und ich uns dann endlich. Wir lümmeln zu viert auf dem großen Elternbett und sehen uns im Kinderkanal zum fünfzehnten Mal "Ice Age" an. Alle sind total gelöst, sogar unser Baby kuschelt sich vergnügt in die Decke. Theoretisch könnten wir das auch zuhause haben. Aber praktisch eben nicht. Bis in die Puppen nichtsnutzig herumzuhängen gelingt viel besser im Kinderhotel.

Unsere Tipps: Die schönsten Kinderhotels zum Relaxen

Südtirol
Cavallino Bianco
Family Spa Grand Hotel
I-39046 St. Ulrich in Gröden
Tel.: (+39) 0471 783 333
Fax: (+39) 0471 797 517
www.cavallino-bianco.com

Österreich
Leading Family Hotel & Resort Alpenrose
A-6633 Lermoos
Tel.: (+43) (0)5673 2424
www.hotelalpenrose.at

Europas 1. Baby- und Kinderhotel
A-9852 Babydorf Trebesing
Tel.: (+43) (0)4732 2350
Fax: (+43) (0)4732 2350-415
www.babyhotel.eu

Bayern

Familotel Schreinerhof
94513 Schönberg
Tel.: 08554 942940
www.schreinerhof.de

Familienparadies Neubichler-Alm
83451 Piding
Tel.: 08656 7009 0
Fax.: 08656 1233
www.neubichler-alm.com

Norddeutschland

Familotel Club Sonnenpark
34508 Willingen
Tel.: 05632 4080
Fax: 05632 69599
www.sonnenpark.de

Hotel Deichkrone - Das fröhliche Familienhotel
26506 Norden-Norddeich
Tel.: 04931 92828 28
Fax: 04931 92828 88
www.kinderhotel-norddeich.de

Schweiz

Familotel Lago di Lugano
CH - 6816 Bissone
Tel.: (+41) (0)91 6419 800
Fax: (+41) (0)91 6419 801
www.hotellagodilugano.ch

Ungarn

Kolping Hotel
H-8394 Alsphok
Tel: (+36) 83 344 143
Fax: (+36) 83 344 142
www.kolping.hotel.hu

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