Auf dem Bio-Bauernhof
 
Tierisch gut erholt!

Eff-Autorin Susanne Betz und ihre Familie genossen das Landleben im niederösterreichischen Mostviertel.

Auf dem Bio-Bauernhof: Tierisch gut erholt!

Eine schmale Straße windet sich von Hollenstein, dem Hauptort im niederösterreichischen Naturpark Eisenwurzen, den Berg hinauf. Irgendwo in der Dunkelheit rauscht ein Bach. Noch eine Biegung, dann sind wir da: auf dem Bio-Hof der Familie Danner. Als wir aus dem Auto klettern, huschen ein paar Fledermäuse über uns hinweg. Vincent, 9, starrt ihnen gebannt nach. Der Rest der Familie ist zu müde dazu. Luisa, 10, Harriet, anderthalb, und wir Eltern wollen nur noch eins: ins Bett. Erst am Morgen sehen wir, wo wir gelandet sind. Das heißt, wir hören es. Kuhglocken scheppern, ein Hahn kräht lauthals. Also raus aus den Federn. Wir sind auf einem Bauernhof. Da steht man mit den Hühnern auf! Gabi Danner wartet schon mit dem Frühstück in der guten Stube. An der Wand hängen dutzendweise Geweihe, durch die Fenster leuchten rosa und gelbe Stockrosen, und auf dem Tisch duftet

frisches Brot, das unsere Gastgeberin jede Woche selbst bäckt. Dazu gibt’s selbst gemachte Marmelade aus Brombeeren und Erdbeeren. Und für die Kinder Apfelsaft. Die Region hier in Niederösterreich heißt nicht umsonst Mostviertel. Gleich nach dem Frühstück wollen Vincent und Luisa mit Gabi Danner in den Stall. Dazu brauchen sie ein "Stallgwand". Was die Bäuerin damit meint, sind Klamotten, die dreckig werden dürfen. Ich ziehe für jeden eine ausgebeulte Hose aus dem Koffer, gebe ihnen die leicht verfleckten T-Shirts vom gestrigen Tag und Gummistiefel – fertig ist die Stallkluft. Bevor die Führung losgeht, verteilt Gabi Danner einen Quiz-Fragebogen an die Kinder, den sie bis Ferienende beantworten sollen. "Wie viele Eier legt ein Huhn am Tag?", liest Luisa vor. "Fünf, acht, mal keins?", rät Vincent und weiß auch keine Antwort auf die nächste Frage: "Wie viele Hühner gehören zu dem stolzen Hahn?" "Das kann man doch eh nie rauskriegen, weil alle gleich aussehen und ständig wild durcheinander laufen", meint unser Sohn genervt. "Ich bin sicher, du schaffst das", sagt Gabi Danner und klopft ihm aufmunternd auf die Schulter. Für den Rest des Tages sind unsere großen Kinder voll beschäftigt. Zuerst "müssen" sie bei den 15 Milchkühen, den Pferden Mischa und Mira (auf denen sie später auch reiten dürfen) und dem fünf Wochen alten Zicklein Felix nach dem Rechten sehen. Dann sich für all die namenlosen Enten, Hühner, Hasen und Katzen Namen ausdenken. Und Punkt fünf Uhr abends beim Ausmisten helfen. Dazwischen bauen sie mit den anderen Urlauberkindern vom Hof am nahen Bach noch einen Staudamm und fahren eine Runde mit den Tret-Gokarts.

Vincent füttert das Waisen-Zicklein

Und wir Eltern? Wir liegen auf der faulen Haut – im verwunschenen Garten hinter dem Bauernhaus. Dort hängt zwischen den Ästen eines großen Walnussbaums eine breite Hängematte. Von der aus lasse ich meine Blicke über die bewaldeten Berge wandern. Ich beobachte, wie die Sonne über die ockerfarbene Hauswand mit den schönen alten Sprossenfenstern wandert, und studiere das Gesellschaftsleben der braunen Hühner, die sich zuerst auf die Holzbank links neben der Gartentür setzen und dann – wie auf ein geheimes Kommando – plötzlich auf die rechts neben der Tür hüpfen. Harriet zupft Gänseblümchen aus der Wiese und quietscht aufgeregt, wenn ein Huhn in ihre Nähe kommt. Roland liegt neben ihr im Gras und döst. Eine Kuh macht keine drei Meter von ihm entfernt das Gleiche. "Sollen wir morgen mal einen Ausflug machen? Zum Beispiel nach Waidhofen, der mittelalterlichen Stadt der Türme? Oder in die Erlebniswelt Mendlingtal?", frage ich. Als Antwort kommt ein zufriedenes Schnalzen. Ich bin nicht sicher, ob von meinem Mann oder von der Kuh. Am nächsten Tag wird unser Ferienglück jäh getrübt. Die Mutter von Ziegenkind Felix ist tot. Einfach so. Niemand weiß, warum. Luisa und Vincent sind sehr traurig. Wir Großen auch. Aber das Leben auf einem Bauernhof muss weitergehen. Was bedeutet: Felix muss trinken. Mit geübtem Griff melkt Frau Danner eine andere Ziege, füllt die Milch in eine Kindernuckelflasche, die sie irgendwo hervorgekramt hat, und drückt sie Vincent in die Hand. Er darf das Ziegenbaby füttern. Was er gut kann. Schließlich hat er bei seiner kleinen Schwester schon oft geübt. Wer denkt da noch an Ausflüge? Wo wir hier so dringend gebraucht werden! Denn auch Roland hat neuerdings einiges zu tun: Zusammen mit Leopold Danner muss er einen großen Holzstoß aufbauen und Spieße zurechtschnitzen – für

das Lagerfeuer am Abend. Später, in der Dämmerung, sitzen wir alle um die Glut, halten Würstchen und Stockbrot hinein und hören gespannt Gabi Danner zu, die aus der Vergangenheit des Hofes erzählt. Wie anstrengend das Leben früher war, wird uns auch bewusst, als wir doch noch das Mendlingtal besuchen. Hier erleben wir die einzige noch funktionstüchtige Holztriftanlage Mitteleuropas (jeden ersten und dritten Sonntag im Monat wird ein Schautriften veranstaltet!). Über gut abgesicherte Holzstege und -brücken wandern wir durch die romantische Wildwasserschlucht. Vorbei am Schmiedegesellenhaus, einer alten Mühle, einem Brotbackhaus (in dem die Kinder in den Sommerferien regelmäßig backen dürfen) und der Holzknechtsiedlung in Hof. Am Hammerherrenhaus endet der Themenweg. Weil es sehr heiß ist, pilgern wir hinunter nach Hollenstein ins nostalgische Flussbad an der Ybbs. Das smaragdgrüne Wasser ist überraschend kalt. Wir hüpfen trotzdem hinein. Die Sonne wärmt uns zum Glück schnell wieder auf. Als am letzten Abend das Bauernhofquiz ausgewertet wird, haben Vincent und Luisa selbstverständlich alle Fragen richtig beantwortet. „Wer wird jetzt am Abend die Enten in ihr Haus treiben, wenn du nicht mehr da bist?“, fragt die alte Frau Danner meinen Sohn lächelnd. Wir stopfen das Stallgwand in den Koffer, packen Gläser mit Frau Danners köstlicher Marmelade und eine Tüte mit Samen und Setzlingen aus dem Gemüsegarten ein und machen uns wehmütig auf die Heimreise. In Waidhofen steigen wir auf einen der vielen Türme und spähen sehnsuchtsvoll in die Richtung, wo ganz weit hinter den grünen Bergen unser Bauernhof liegt.

Infos und Preise


Der Bio-Hof Ziegelau der Familie Danner liegt im Mostviertel, oberhalb von Hollenstein an der Ybbs. Der spezialisierte Baby- und Kinderbauernhof bietet neben einem Doppelzimmer zwei Ferienwohnungen für 1–4 bzw. 1–6 Personen. Preis pro Woche: 336 Euro für die kleinere Wohnung, 434 Euro für die größere.
Wer will, kann für 5 Euro pro Tag und Person Frühstück dazubuchen. Kinder zahlen 3,50 Euro pro Tag dafür. Im Preis dabei: Bauernhofquiz, Ponyreiten und Traktorfahrt für die Kinder, Mithilfe im Stall, Grillabend am Lagerfeuer.
Näheres bei Familie Danner, Tel. 00 43/74 45/286, www.tiscover.at.
Weitere Bauernhöfe im Mostviertel im Katalog „Urlaub auf dem Bauernhof in Niederösterreich“, erhältlich unter Tel. 00 43/ 27 58/31 10, www.landurlaub.at.
Im Juli und August ist im Mostviertel auch das Pauschalangebot "Sommer – frisch am Berg" zu buchen, das neben Übernachtung in einem Drei- oder Vier-Sterne-Gasthof (mit Menü-Gutscheinen!) einen Besuch auf dem Bauernhof, Brotbacken in der Erlebniswelt Mendlingtal, eine sagenhafte Traktorfahrt, eine Geschichtenwanderung am Lunzer See und eine Reise mit dem Ötscherland- Express enthält. Preis pro Woche und Familie (2 Erw. und 2 Kinder bis 12 Jahre): ab 658 Euro.
Infos bei Mostviertel Tourismus, Tel. 00 43/74 16/5 21 91, www.mostviertel.info.


Hier können Kinder was erleben: auf Schatzsuche mit Ferraculus in den Wäldern der Eisenstraße, im Naturpark Buchenberg mit Abenteuerspielplatz, Indianerdorf, Riesenhangrutsche, im Tierpark der Stadt Haag.