Auf dem Bio-Bauernhof
 
Tierisch gut erholt!

Vincent füttert das Waisen-Zicklein

Und wir Eltern? Wir liegen auf der faulen Haut – im verwunschenen Garten hinter dem Bauernhaus. Dort hängt zwischen den Ästen eines großen Walnussbaums eine breite Hängematte. Von der aus lasse ich meine Blicke über die bewaldeten Berge wandern. Ich beobachte, wie die Sonne über die ockerfarbene Hauswand mit den schönen alten Sprossenfenstern wandert, und studiere das Gesellschaftsleben der braunen Hühner, die sich zuerst auf die Holzbank links neben der Gartentür setzen und dann – wie auf ein geheimes Kommando – plötzlich auf die rechts neben der Tür hüpfen. Harriet zupft Gänseblümchen aus der Wiese und quietscht aufgeregt, wenn ein Huhn in ihre Nähe kommt. Roland liegt neben ihr im Gras und döst. Eine Kuh macht keine drei Meter von ihm entfernt das Gleiche. "Sollen wir morgen mal einen Ausflug machen? Zum Beispiel nach Waidhofen, der mittelalterlichen Stadt der Türme? Oder in die Erlebniswelt Mendlingtal?", frage ich. Als Antwort kommt ein zufriedenes Schnalzen. Ich bin nicht sicher, ob von meinem Mann oder von der Kuh. Am nächsten Tag wird unser Ferienglück jäh getrübt. Die Mutter von Ziegenkind Felix ist tot. Einfach so. Niemand weiß, warum. Luisa und Vincent sind sehr traurig. Wir Großen auch. Aber das Leben auf einem Bauernhof muss weitergehen. Was bedeutet: Felix muss trinken. Mit geübtem Griff melkt Frau Danner eine andere Ziege, füllt die Milch in eine Kindernuckelflasche, die sie irgendwo hervorgekramt hat, und drückt sie Vincent in die Hand. Er darf das Ziegenbaby füttern. Was er gut kann. Schließlich hat er bei seiner kleinen Schwester schon oft geübt. Wer denkt da noch an Ausflüge? Wo wir hier so dringend gebraucht werden! Denn auch Roland hat neuerdings einiges zu tun: Zusammen mit Leopold Danner muss er einen großen Holzstoß aufbauen und Spieße zurechtschnitzen – für