Mehr Leistungen – weniger Kosten
 
Die besten Krankenkassen für Familien

Die besten Krankenkassen für Familien ELTERN hat erneut Familienangebote der Krankenkassen getestet – und viel Gutes gefunden

Mehr Leistungen – weniger Kosten: Die besten Krankenkassen für Familien
iStock, doble-d

Über das Gesundheitssystem wird viel geschimpft: überfüllte Kinderarztpraxen, zu schlechte Entlohnung für Hebammen, Fließband-Medizin. Klar nervt es, wenn man als Kassenpatient wochenlang auf einen Arzttermin wartet und nach gefühlt sechseinhalb Minuten Untersuchung wieder entlassen wird. Aber nüchtern betrachtet, ist die gesetzliche Krankenversicherung ein tolles System, vor allem für Familien. Ein Elternteil zahlt, und alle Kinder sind automatisch mitversichert, eventuell sogar der Ehepartner, wenn er nur wenig verdient. Das ist ein großer Vorteil gegenüber der privaten Krankenversicherung, in der jedes Familienmitglied einen eigenen Vertrag abschließen muss.

Vor einem Jahr hatte ELTERN das Vergleichsportal kassensuche.de damit beauftragt, Daten über die Familienleistungen von Krankenkassen zu erheben. Dieses Jahr interessierte uns: Was hat sich seitdem getan? Die gute Nachricht: Viele der getesteten Krankenkassen sind günstiger geworden. Von den 34 Kassen, die schon beim letztjährigen Test unter den Top 25 waren, haben 17 ihre Beiträge gesenkt – und nur eine wurde teurer. Noch erfreulicher finden wir aber, dass mehr Kassen eine hohe Gesamtpunktzahl erreicht haben als im vergangenen Jahr. Das Angebot für Familien hat sich also verbessert.

Da kaum eine Krankenkasse in allen Bereichen glänzt und manche Leistungen nur in einer bestimmten Lebensphase interessant sind, haben wir wieder zwei Tabellen erstellt. Die erste zeigt die besten Krankenkassen für die Zeit rund um Kinderwunsch, Schwangerschaft und Geburt, die zweite für Familien mit etwas älteren Kindern. Die Kassen auf den vorderen Plätzen schaffen es in beiden Kategorien unter unsere Top 25. Sie bieten Familien ein gutes Gesamtpaket. Wer sich aber für eine bestimmte Leistung interessiert, sollte genauer hinsehen und vergleichen.
 

Kinderwunsch, Schwangerschaft und Geburt

Mehr Leistungen – weniger Kosten: Die besten Krankenkassen für Familien
iStock, mihailomilovanovic

Das gilt vor allem für Paare mit unerfülltem Kinderwunsch. Einige Kassen übernehmen bei den ersten drei Versuchen zusätzlich zu den gesetzlich vorgeschriebenen 50 Prozent auch die restlichen Kosten in unbegrenzter Höhe, wenn beide Partner bei ihnen versichert sind. Hier geht es um so viel Geld, dass es egal sein kann, ob die Kasse in anderen Bereichen, etwa bei der Übernahme der Kosten für die Hebammenrufbereitschaft, etwas knauseriger ist.

Die Hebammenpauschale ist wiederum interessant für Paare, die eine Beleghebamme haben. Leider bieten immer weniger Hebammen diese Eins-zu-eins-Betreuung während der Geburt an. Auch diese Kassenleistung ist also nur für bestimmte Eltern relevant. Wir finden es aber positiv, wenn sich Krankenkassen engagieren, und vergeben dafür Extrapunkte.

Bei unserem diesjährigen Test erreichten sechs Kassen 25 Punkte und mehr, im vergangenen Jahr waren es gerade mal drei. 23 Kassen kamen auf über 21 Punkte, im vorherigen Test schafften das nur 16. Uns interessierte, woher die zusätzlichen Punkte kamen. Deutlich nachgelegt haben die von uns getesteten Kassen bei den Zusatzleistungen in der Schwangerschaft. Darunter fallen Extras wie die Antikörperbestimmung auf Ringelröteln, Streptokokken und Windpocken, zusätzliche Ultraschalluntersuchungen, eine kostenlose Zahnreinigung oder die Übernahme der Kosten für vom Arzt verschriebene Alternativmedizin.

Viele Kassen boten solche Extras bisher nur im Rahmen eines Gesundheitskontos an. Das bedeutet, dass eine bestimmte Summe für verschiedene Leistungen zur Verfügung steht und die Schwangere selbst entscheiden muss, ob sie das Geld für Osteopathie ODER Akupunktur ODER eine zusätzliche Ultraschalluntersuchung nutzt. Das hat sich geändert. Einige Leistungen wurden aus den Paketen herausgenommen, sodass jetzt ein eigenständiger Anspruch darauf besteht – für uns ein Grund, mehr Punkte zu vergeben.

Fast alle unserer Top-25-Kassen bieten inzwischen ein Bonusprogramm an. Sie belohnen zum Beispiel, wenn Eltern die U-Untersuchungen wahrnehmen oder einen Eltern-Baby-Kurs besuchen. Bei manchen Kassen reichen schon wenige Aktivitäten für einen Bonus aus, bei anderen muss man erst mal fleißig Punkte sammeln, bekommt dafür aber einen höheren Geldbetrag. Unsere Tabelle zeigt, wie hoch die durchschnittliche Prämie pro Maßnahme ist. Da die meisten Mütter die Vorsorgeuntersuchungen in der Schwangerschaft und nach der Geburt sowieso wahrnehmen, können sie mit einem Bonusprogramm einfach Geld sparen.

Top-Tarife Schwangerschaft + Geburt hier als PDF herunterladen.

Familien mit älteren Kindern

Drachenmama und Trotzkopfkind - Herzschmerz
Liderina

Auch mit älteren Kindern sind die Bonusprogramme interessant. Sie belohnen zum Beispiel die Mitgliedschaft in einem Sportverein oder die regelmäßige Zahnvorsorge. Wir haben uns außerdem angesehen, ob die Krankenkasse eine Neurodermitis-Schulung bezahlt, osteopathische Behandlungen bezuschusst und für die Jugenduntersuchungen aufkommt.

Wird ein Elternteil krank und kann niemand anderes die Kinder versorgen, müssen Krankenkassen eine Haushaltshilfe bezahlen. Diese gesetzliche Verpflichtung besteht bis zum zwölften Geburtstag der Kinder, einige Krankenkassen zahlen aber freiwillig länger. Das finden wir gut, weil auch ein 13-Jähriger mit dem Haushalt überfordert sein kann. Ob die Haushaltshilfe aber tatsächlich so lange von der Versichertengemeinschaft getragen werden muss, wie das Kind familienversichert ist – also beispielsweise auch für den 23-jährigen Studenten, der noch zu Hause wohnt –, lässt sich sicher diskutieren.

Uneingeschränkt wichtig finden wir das Rooming-in. Für Kinder kann eine Krankenhausbehandlung sehr beängstigend sein. Dürfen Mama oder Papa bei ihnen bleiben, nimmt das viel Angst. Die Gesellschaft für Kinderkrankenhäuser und Kinderabteilungen in Deutschland empfiehlt, bei Kindern bis acht Jahren in aller Regel eine Begleitperson mit aufzunehmen, danach entscheide der Einzelfall. Nicht alle Kassen folgen dieser Empfehlung. Wir geben Krankenkassen, die in diesem Punkt großzügig sind und Rooming-in auch bei älteren Kindern bezahlen, Extrapunkte.

In unserer diesjährigen Untersuchung erreichten vier Krankenkassen 18 Punkte oder mehr und kamen damit nah an das mögliche Höchstergebnis von 21,5 Punkten heran. Im vergangenen Jahr gelang das nur drei Kassen. Und während damals 18 Kassen die 15-Punkte-Marke übersprangen, sind es heute 21. Das zeigt: Die Krankenkassen geben sich Mühe, ihre Leistungen für Familien zu verbessern. Vielleicht hilft dieses Wissen, wenn man mal wieder im vollen Wartezimmer auf sein Schicksal als Kassenpatient schimpft.

Top-Tarife Eltern + Kind hier als PDF herunterladen.

Wir wurden die Krankenkassen bewertet?

Studie: Für die Untersuchung haben ELTERN und das Vergleichsportal gesetzlichekrankenkassen.de in enger Abstimmung Kriterien definiert, die eine gute Familien-Krankenkasse auszeichnen. Da rund 95 Prozent der GKV-Leistungen gesetzlich festgelegt sind, haben wir für den Test die freiwilligen Extras in den Blick genommen. Am Ende stand eine Liste mit 54 Kriterien, die in unterschiedlicher Gewichtung in die Gesamtbewertung einflossen. Zu den Kriterien, die wir besonders wichtig fanden, gehören zum Beispiel die Übernahme der Kosten für die Hebammenrufbereitschaft und die Ausweitung des Rooming-In. Dafür konnten die Kassen jeweils zwei Punkte bekommen. Andere Kriterien, wie eine verbesserte Versorgung zur Frühgeburtsvermeidung, werteten wir mit 1 Punkt. Zahlt eine Krankenkasse einen Bonus für eine Kindervorsorgeuntersuchung oder für Extras wie Babyschwimmen, gab es 0,5 Punkte.
 
Bei der Punktevergabe ging es nicht nur darum, ob die Kasse eine Leistung gewährt, sondern auch, in welchem Umfang diese gezahlt wird. Manche Anbieter beteiligen sich nur im Rahmen eines Gesundheitskontos an bestimmten Leistungen. Der Versicherte kann entscheiden, wofür er das Geld einsetzt. Da es aber nicht für alle Angebote reicht, verteilten wir für diese Variante nur Teilpunkte. Abzüge gab es auch, wenn eine Leistung auf bestimmte Regionen beschränkt ist.
 
Nicht alle Extras der Krankenkassen sehen wir uneingeschränkt positiv. Beispiel Pränataldiagnostik: Für Eltern, die eine Nackenfaltenmessung wünschen, ist es ein Vorteil, wenn die Kasse die Kosten trägt. Andererseits kann durch die Kostenübernahme auch der Eindruck entstehen, alle Schwangeren müssten diese Untersuchung vornehmen lassen, was Eltern möglicherweise unter Druck setzt. Aus diesem Grund werteten wir solche vorgeburtlichen Untersuchungen nur mit jeweils 0,5 Punkten.
 
In unseren Test wurden alle allgemein geöffneten Krankenkassen aufgenommen, zu denen aktuelle Daten vorlagen. Insgesamt werteten das Vergleichsportal gesetzlichekrankenkassen.de und der unabhängige Auswertungsinstitut DFSI (Deutsche Finanz-Service Institut) die Angebote von 72 Krankenkassen aus. Die jeweils besten 25 Krankenkassen für die Zeit rund um Schwangerschaft und Geburt und für Eltern mit größeren Kindern wurden in die Tabelle aufgenommen.
 
Die ausgezeichneten Anbieter haben die Möglichkeit, für ihre Außendarstellung ein ELTERN-Siegel zu erwerben. Genauere Informationen zu den Bedingungen, nach denen wir diese Siegel vergeben, findet ihr unter eltern.de/Siegel.