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Vaterfreuden BossHoss-Sänger Alec Völkel: "Meine Mutti-Skills sind unschlagbar"

Alec Völkel
© Cybex Campaign
Was ist der herausforderndste Part am Elternsein? Wie bleibt man zwischen Lego und Playmobil noch ein Paar und was brauchen Kinder wirklich und was nun wirklich gar nicht? Darüber haben wir mit zweifach Papa Alec Völkel von The BossHoss gesprochen. 

Du bist zweifacher Papa. Dein Sohn wurde gerade eingeschult und deine Tochter ist anderthalb. Wie läuft es aktuell bei euch? 

Alec: Von sehr gut bis stressig, ist alles dabei. Wer denkt, der Alltag mit einem Kind ist hin und wieder herausfordernd, der sollte es mal mit Zweien probieren. Denn erst mit mehreren Kindern, merkt man, was es eigentlich für ein organisatorischer Akt ist, alles on time zu erledigen und dabei allen Kindern auch die nötige Aufmerksamkeit zu schenken, die sie gerade in der jeweiligen Entwicklungsphase benötigen. Für uns ist es momentan ganz besonders aufregend, weil Charlie gerade erst eingeschult wurde. Eine Phase in der er natürlich ganz viel Austausch, Aufmerksamkeit und Zuwendung braucht. Parallel haben wir die Kita-Eingewöhnung unserer kleinen Rosie auf der Agenda. Da ist viel los bei uns, auch emotional. Loslassen ist nämlich auch für Eltern nicht immer einfach. Aber es ist schön zu sehen, dass sich alles immer irgendwie findet und die Kids ihre kleinen Meilensteine meistern.

Machst du beim zweiten Kind jetzt irgendwas anders? 

Nicht unbedingt anders. Aber mental ist man tatsächlich ein bisschen entspannter, weil man vorbereitet ist, auf das, was kommt. Beim ersten Kind ist alles komplett neu und man ist eigentlich mit allen erstmal überfordert. Das ist wie beim Fahrradfahren lernen früher: Bevor man den Dreh raushat, hat man ständig das Gefühl, man ist der Einzige, der es nicht hinkriegt. Beim zweiten Kind, weiß man was passiert und wie der Hase läuft, bzw. Fahrrad fährt. Das nimmt enorm die Aufregung was Erziehungsentscheidungen oder Anschaffungen angeht. Beim ersten Kind war ich tatsächlich oft unsicher: Was wäre das Beste, was sollte man tun und was nicht? Jetzt ist alles entspannter, weil man eben bereits aus Fehlern gelernt hat. Oberste Regel: Man braucht – gerade am Anfang – viel weniger Materielles für ein Baby, als man denkt! Die meisten Babyspielzeuge sind überflüssig und überhaupt, es gibt soviel Krams die kein Baby dieser Welt vermissen würde. Es gibt zum Beispiel tatsächlich so gräßliche Plastikhalter, an denen ein kleines Netz hängt, in welches man ein Stück Obst schieben soll, damit das Baby dann daran lutschen kann. Ein Obstess-Lerntrainer sozusagen. I mean: WTF?!  

Was ist für dich das Krasseste am Elternsein, das du vorher nicht erwartet hast? 

Tatsächlich die innere Einstellung, die sich komplett verändert und die bedingungslose Liebe. Natürlich habe ich es gewusst, aber eben nicht dran geglaubt: Wenn es um deine Kinder geht – ist alles, aber auch wirklich ALLES andere tatsächlich absolut zweitrangig. Die Gedanken hören einfach nicht mehr auf, ihre täglichen Runden zu drehen: Geht es meinen Kindern gut? Sind sie gesund? Haben sie eine gute Zeit? Werden wir ihnen als Eltern gerecht? Etc etc. Das sind Dinge, die man weiß, aber erst nachempfinden kann, wenn man Kinder hat. 

Deine Tochter trägt den ungewöhnlichen Namen Rosenrot. Damit ist sie hier in Deutschland die Einzige, die so heißt oder?

Ja, dass ist tatsächlich so, sogar weltweit. Wir haben lange recherchiert – auch zusammen mit der Gesellschaft für deutsche Sprache – und haben tatsächlich keinen Menschen ausfindig machen können, der diesen Namen trägt. Ein Grund, warum wir auch bei exakt dieser Gesellschaft ein Gutachten beantragt haben – denn in Deutschland ist es so, dass wenn ein Name nie vergeben wurde, so könnte es bei der Eintragung Probleme geben, es sei denn man hat ein Gutachten mit einer Befürwortung in der Tasche. Glücklicherweise konnten wir den zuständigen Sprachwissenschaftler davon überzeugen, dass Rosenrot nicht nur ein ganz besonders schöner Vorname ist, sondern er auch fast alle Kriterien erfüllt, die das Standesamt in solch einem Fall prüft. Da geht es um Dinge wie: Ist der Vorname eindeutig einem Geschlecht zuzuordnen, kann man ihn gut aussprechen, ist er bereits vergeben worden und gefährdet er das Kindeswohl in Bezug auf Mobbing etc.

Alec Völkel mit Tochter
© Cybex Campaign

In unserem Fall war schnell klar: Auch wenn es diesen Vornamen bisher nur im Märchen gibt, jede:r kennt den Namen, jede:r kann ihn aussprechen und weiß, dass er quasi zum deutschen Kulturgut gehört. Aber ja, natürlich haben wir auch überlegt, hey, ist das jetzt ein Name, bei dem sie uns später fragt: "Leute, geht’s noch!?". Aber das innere Gefühl war eindeutig: Der Name wird ihr gefallen. Einzigartig ist immer gut und Rosenrot Völkel hört sich schließlich an wie ein Filmstar. Darüber hinaus wurde der Name dann auch direkt zum "Vorname des Jahres 2021" gekürt. Vielleicht gesellen sich ja im Laufe der nächsten Jahre noch ein paar andere Rosenrots dazu. 

Auf jeden Fall. Aber ruft ihr sie auch so? 

Wir nennen sie überwiegend Rosie, es sei denn sie macht Alarm: Dann ruft Papa ein lautes ROSENROT!

Du hast gerade eine Kinderwagen-Kollektion mit Cybex designt. Die Farbwahl lässt vermuten, dass dich da deine Tochter inspiriert hat? 

Ja auf jeden Fall, als Martin Pos, der Gründer von Cybex – mit dem ich schon ewig befreundet bin – fragte, ob ich selbst einen Kinderwagen designen will, habe ich natürlich überlegt, in welche Richtung man gehen könnte. Zu dem Zeitpunkt war bereits klar, dass wir ein Mädchen bekommen. Was ihren Namen anging, hatten wir uns aber noch nicht zwischen Ruby und Rosenrot entschieden. Da beide Namen jedoch für Rot stehen, war die Farbgebung natürlich sofort gesetzt. Und natürlich wollte ich auch ein bisschen Rock-n-Roll-Spirit mit reinbringen. Eins der Lieblingskleider meiner Frau hat exakt dieses rot-schwarze Leo-Muster. Passender konnte eine Inspiration also nicht sein. Dazu kamen dann die ganzen schönen Details, wie die goldenen Ketten, die verschiedenen Patches und Steine etc. Ich denke, wir haben etwas kreiert, was nicht nur zu mir passt, sondern auch zu jedem kleinen Rock-n-Roll-Baby, das später mal zu einer coolen Persönlichkeit heranwachsen wird. 

Wer schiebt bei euch am meisten? 

Wir versuchen gleichberechtigt viel zu schieben. Das Schöne ist, wir sind ja beide selbstständig. Deswegen können wir das sehr gut aufteilen. Wenn ich natürlich im Sommer auf Tour bin, ist es logischerweise meine Frau, die ein bisschen mehr schiebt. Aber sobald ich zurück bin, lasse ich mir das nicht nehmen. Schließlich haben wir ja auch einen verdammt schicken Buggy.

Deine Frau ist Journalistin und Autorin, du bist mit deiner Band viel unterwegs. Wie bekommt ihr Job und Familie unter einen Hut? Habt ihr zu Hause eine Art Aufteilung oder Aufgaben, für die du zuständig bist oder die nur deine Frau macht?

Wir bemühen uns sehr, dass wir uns gegenseitig den Freiraum schaffen, den der:die jeweils andere braucht. Es ist zum Glück auch so, dass es immer mal bei der einen Person mehr, bei der anderen weniger ist. Klar, momentan habe ich viele Konzerte, aber wenn ich da bin, bin ich auch voll & ganz bei der Sache. Ich sag immer: Väter sind Väter und keine Mütter zweiter Klasse. Bei beiden Kindern stand für mich deswegen jegliches Baby-Business  – vom Windelwechseln über Brei kochen bis zum in den Schlaf singen – eben nicht nur auf dem Plan, wenn meine Frau verhindert war, sondern verteilte sich – wie es die Zeit von uns beiden zuließ – stets gleichberichtigt. Meine Mutti-Skills sind deshalb unschlagbar. 

Wie ist das, wenn du auf Tour bist? Bist du dann nicht wochenlang unterwegs?

Nein, das ist zum Glück nicht so. Meist geht es bei uns Donnerstag abends mit dem Tourbus los und montags früh komme ich wieder. Ich bin drei Tage weg, vier Tage zu Hause, das ist für uns ein guter Rhythmus. 

Wie schafft ihr euch Momente als Paar? Gibt es die gerade überhaupt?

Auf jeden Fall – wir achten tatsächlich sehr darauf! Ich glaube, da gibt es gar kein großes Rezept. Man muss sich die Zeit nehmen, man muss das planen. Vom Aufstehen bis abends, wenn sie im Bett sind, dreht sich alles um die Kids, das ist normal. Wenn man danach allerdings den Fehler macht, sich  sieben Tage in der Woche mit dem Brei-verschmierten Shirt erschöpft aufs Sofa fallen zu lassen, kann eine Beziehung schon mal den Drive verlieren. Deswegen haben wir es von Anfang an so gemacht, über alles zu reden und eben auch die schönen Abende zu planen und diese zu zelebrieren. Meine Frau hat glücklicherweise einen kleinen Aufräum-Fimmel, das Wohnzimmer ist deswegen spätestens abends immer komplett Spielzeugfrei. Das hilft auch schon mal für’s Abschalten. Zwischen Legosteinen und Playmobil kommt eben auch kein anderes Gesprächsthema, geschweige denn, Erotik auf.

Was ist für dich als Papa die größte Herausforderung? 

Die größte Challenge ist mein Wunsch, für meine Kinder Vater und bester Freund gleichzeitig zu sein. Ich möchte, dass sie Regeln und Grenzen zu schätzen wissen, aber gleichzeitig die Chance bekommen, als Freigeister aufzuwachsen. Ständige Verbote und das Schüren von Ängsten ("...das ist zu gefährlich!"… "nein, das kannst du noch nicht!"... etc) empfinde ich als kontraproduktiv. Ich möchte, dass meine Kinder so aufwachsen, dass sie schon früh und mutig ihre individuelle Persönlichkeit entdecken und herausfinden, worin sie besonders gut sind und vor allen Dingen, was sie glücklich macht. Darüber hinaus möchte ich ihnen unbedingt gerecht werden und damit meine ich gar nicht unbedingt genug Zeit zu haben. Sondern Fragen wie: Gibt man genug Liebe? Haben sie genug Sicherheit? Fühlen sie sich geborgen genug? Das ist die größte Aufgabe, für die Kinder auch eine Art Puffer zu sein. Die Welt ist groß und sie brauchen ein schönes, warmes Zuhause. Ich bin der Meinung, dass alles andere darauf aufbaut.

Gibt es etwas, was du von deinen Kindern gelernt hast?

Diese uneingeschränkte Liebe, die Kinder geben, die ist etwas ganz Besonderes. Das ist was ganz Pures. Auch ihre Transparenz was Gefühle angeht. Kinder zeigen stets ihr wahres Gesicht – eins zu eins. Das verlieren wir Erwachsene oft. Und natürlich diese unfassbare Kreativität und diese Unvoreingenommenheit. Kids entdecken jeden Tag die Welt ein Stück neu für sich, ohne Vorurteile. Sie lassen die Dinge auf sich zukommen. Das finde ich großartig.

Hast du noch einen Tipp, wie man möglichst entspannt seine Kinder ins Leben begleitet?

Wenn es so einfach wäre… Ich glaube, das muss jede:r individuell mit sich selbst ausmachen. Elternsein ist auf jeden Fall eine Aufgabe, die nie langweilig wird und die nie endet. Ich werde für meine Kinder ein lebenslanges Vorbild sein, ob ich will oder nicht. Das ist ein Fakt und dementsprechend möchte ich mich auch verhalten. 

ELTERN

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