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Reportage Ein bisschen Hoffnung für Haiti

Impfstation unter freiem Himmel
© Pampers für UNICEF 2017
Aus dem katastrophengeschüttelten Karibik-Staat gibt es auch Erfreuliches zu berichten: Dank einer Impf-Aktion von UNICEF und Pampers ist die Gefahr, an Tetanus zu erkranken, fast gebannt. ELTERN- Autorin Dorothee von Walderdorff hat die Akteure auf Haiti begleitet.

Warme Luft weht durch den Saal. Auf der Oberlippe von Stephanie Tules haben sich Schweißperlen gebildet, ihr türkisfarbenes Kleid liegt eng um den runden Babybauch. Die junge Frau sitzt in der letzten Reihe. Im staatlichen Krankenhaus warten auch 20 andere schwitzende Schwangere darauf, untersucht  und kostenlos gegen Tetanus geimpft zu werden. Stephanie ist es gewohnt zu warten. Sie ist jetzt 30 Jahre alt und bisher gingen noch nicht viele ihrer Wünsche in Erfüllung. Früher, als sie noch auf der Schule war, wollte sie unbedingt Lehrerin werden. Aber ihre Eltern konnten die 12 500 Gourdes (ca. 200 Euro) für die Ausbildung nicht aufbringen. Schweren Herzens verabschiedete sich Stephanie von ihrem Traum und mit ihm von der Hoffnung auf ein besseres Leben. Sie blieb bei ihren Eltern und den vier Geschwistern im kleinen bunten Häuschen in Jacmel, einer pittoresken Küstenstadt im Süden Haitis. Mit Ende 20 – ihre Freundinnen waren schon zum zweiten oder dritten Mal schwanger – verliebte sich Stephanie in einen jungen Mann, der bald darauf Arbeit in einer Keramik-Fabrik im Nachbarland, der Dominikanischen Republik, fand. In wenigen Wochen erwartet sie ein Kind von ihm. „Das Baby soll es mal besser haben als ich“, sagt Stephanie.

Die Spritze gegen Tetanus ist ein guter Anfang

Impfung
© Pampers für UNICEF 2017

Seit sich das Kinderhilfswerk UNICEF zusammen mit Pampers für Tetanus-Impfungen in Haiti engagiert, konnte die Zahl der Mütter und Neugeborenen, die am oftmals tödlichen Wundstarrkrampf erkranken, drastisch gesenkt werden. Allein hier, im Krankenhaus von Jacmel, werden jeden Monat mehr als 300 werdende Mütter geimpft. Zwei Spritzen während der Schwangerschaft schützen sie vor Tetanus und geben auch ihren Neugeborenen einen zwei Monate anhaltenden Nestschutz.
„Es ist das Beste, was du für dich und dein Baby tun kannst“, hatte Linette Midi ihrer Freundin Stephanie zugeredet. Die 29-jährige hat bereits drei Söhne, der älteste ist zwölf Jahre alt. Zur Einschulung brauchte er seinen Impfpass; er ist für viele Haitianer das einzige amtliche Dokument.
Seit Jahrzehnten taumelt das von Naturkatastrophen heimgesucht Haiti von einer Regierungskrise zur nächsten, die öffentliche Verwaltung versinkt im Chaos. Im Februar diesen Jahres wurde Jovenel Moise zum Präsidenten gewählt. Von ihm erhoffen sich die Haitianer nun alles, was man in einem Staat erwarten darf: Arbeit, Sicherheit, Gesundheitsfürsorge und Bildung.

Ohne ausländisches Geld keine Krankenhäuser

Krankenhaus Jacmel Dr. Jeudy
© Pampers für UNICEF 2017

Trotz offizieller Schulpflicht von sechs Jahren kann beinahe die Hälfte aller über 15-Jährigen weder lesen noch schreiben. Der Besuch staatlicher Schulen ist zwar kostenfrei – weil aber der Staat ein sehr säumiger Zahler ist, legen die Eltern oft zusammen, um das Gehalt des Lehrers zu finanzieren. Schuluniform und Bücher müssen aus eigener Tasche bezahlt werden. Aber wie, wenn die meisten Haitianer mit zwei Dollar am Tag oder weniger auskommen müssen?
Trotz großen Engagements der Hilfsorganisationen gehen laut einer Studie von UNICEF rund 500 000 Kinder zwischen sechs und 15 Jahren nicht zur Schule, viele werden als billige Arbeitskräfte missbraucht.
Haiti ist auf Unterstützung angewiesen. Nicht erst seit dem verheerenden Erdbeben 2010 und dem Wirbelsturm Matthew, der letztes Jahr über die Insel fegte, hängt der Inselstaat am Tropf vieler Länder und Hilfsorganisationen.
Das staatliche Krankenhaus in Jacmel beispielsweise wurde vor drei Jahren zum modernen Klinikum mit zwei separaten Gebäuden ausgebaut. Eines spendeten die Japaner, das andere die Kanadier. Im Obergeschoss lagert UNICEF in großen Kühlschränken die gespendeten Impfvorräte für die gesamte Region. Doch Klinikchef Dr. Jeudy kann sich darüber nicht wirklich freuen. Weil die Regierung den Ärzten wenig oder keine Gehälter zahlt, arbeiten Gynäkologen und Anästhesisten nur tageweise in seiner Klinik. Kaiserschnitte jenseits ihrer Dienstzeiten sind nicht vorgesehen.

Ende einer langen Kühlkette

Kühllager
© Pampers für UNICEF 2017

Dennoch wären viele Haitianerinnen froh, wenn sie in der Nähe eines Krankenhauses lebten. In vielen Regionen des Binnenlands oder in abgelegenen Küstenorten sind die Menschen bei medizinischen Problemen auf sogenannte Gesundheitszentren angewiesen, denn es gibt keine Zugverbindungen und nur sehr wenige gut befahrbare Straßen. Motorradfahrer bringen den Impfstoff in grauen ermoboxen gut gekühlt dorthin. Diese Kühlkette ist wichtig, denn das Toxoid gegen Tetanus verdirbt schon bei Erwärmung auf über acht Grad. In Kühlcontainern wird der in Dänemark hergestellte Impfstoff per Schiff in die Hauptstadt Port-au-Prince gebracht, von da aus auf die Krankenhäuser verteilt und schließlich den motorisierten Boten ausgehändigt, die ihn die Gesundheitszentren liefern.
Drei, vier Stunden müssen manche Frauen dann trotzdem noch durch die tropische Einsamkeit laufen, um sich und ihre Babys impfen zu lassen. Weil der Weg so weit, aber die Impfung gegen Tetanus so wichtig ist, lassen sich viele Schwangere vor der Geburt im Gesundheitszentrum die Spritze geben, bringen das Kind dann aber in ihrer Hütte zur Welt.
Das Risiko, dass dort etwas passiert, ist nicht mehr so hoch wie früher – als die Nabelschnur oft mit dem nächsten bereitliegenden Messer durchtrennt wurde und tödliche Keime in die Blutbahn von Mutter und Kind gelangen konnten. Heute achten von der UNICEF geschulte Dorfhelferinnen und Hebammen darauf, dass die Schwangeren Hygieneregeln einhalten. Wer kann, entbindet in der Klinik, die anderen halten sich, so gut es geht, an die Vorschriften. Und dann gibt es noch die vielen Menschen in Haiti, die nicht einmal ein Gesundheitszentrum in Fußmarsch-Nähe haben. Für sie sind mobile Impfstationen auf der Insel unterwegs.

Impfen unter Palmen

Eine mobile Impfstation unter freiem Himmel. Schon von weitem ist die Dorfhelferin zu hören: "Alle zum Impfen!"
Eine mobile Impfstation unter freiem Himmel. Schon von weitem ist die Dorfhelferin zu hören: "Alle zum Impfen!"
© Pampers für UNICEF 2017

Über schmale Feldwege holpert der Jeep durch den Tropenwald. Auf einer Lichtung tragen Frauen in gelben Kanistern Wasser vom Brunnen auf dem Kopf. Männer mit Macheten schlagen Bananenstauden vom Baum. Wellblechhütten säumen den Weg. Eine verhärmte alte Frau röstet Maiskolben über dem Feuer, Hähne, eingesperrt in enge Drahtkäfige, krähen unter Mangobäumen.
Schon von weitem ist die Dorfhelferin zu hören. „Alle zum Impfen!“, schnarrt es aus dem verbeulten Megafon. Eine Karawane von Schwangeren, Mütter mit Babys auf dem Arm und Kleinkindern im Schlepptau, Väter mit noch mehr Kindern bewegen sich zum Garten der alten Maya – die mit ihren 74 Jahren eigentlich schon zu den Uralten zählt (die durchschnittliche Lebenserwartung in Haiti liegt bei 62 Jahren).
Stühle wurden für ein „Wartezimmer unter freiem Himmel“ aufgestellt, auf einem Campingtischchen steht die graue Metallbox mit dem Impfstoff, die Spritzen liegen bereit, die Ärztin und ihre Helferinnen können anfangen. Die Schwangeren werden gegen Tetanus geimpft, Kinder und Babys ab drei Monaten bekommen eine Fünfach-Impfung, die sie nicht nur vor Tetanus, sondern auch vor Diphterie, Keuchhusten, Hepatitis B und Grippe schützt. Der Lohn für den Piks ist das gute Gefühl, alles richtig zu machen..
In kleinen Grüppchen stehen sie anschließend unter Kokospalmen, bewundern Tarlin, die mit Deodorant für Männer ihre besten Geschäfte gemacht hat. Mittendrin die alte Maya. Sie hat noch erlebt, wie im Dorf die Babys an Tetanus erkrankten, die kleinen Körpern von Krämpfen geschüttelt wurden, bis sie schließlich in den Armen ihrer Mütter starben. Deshalb kann sie ihre Botschaft immer nur wiederholen: „Lasst euch impfen, und bringt eure Babys!“

"Wir müssen die Kinder schützen!"

Reportage: Ein bisschen Hoffnung für Haiti
© Pampers für UNICEF 2017

Die Schauspielerin Bettina Zimmermann unterstützt die Tetanus-Kampagne von UNICEF und Pampers. Dorothee von Walderdorff sprach mit ihr, in einem aufschlussreichen Interview, über ihr Engagement und darüber, wie Familienleben heute funktionieren kann.

So können Sie helfen

Gesundheitsstation Marigot
© Pampers für UNICEF 2017


Mit der Aktion "1 Packung = 1 lebensrettende Impfdosis" unterstützt Pampers das weltweite Impfprogramm von UNICEF, um Tetanus bei Neugeborenen und Müttern in 18 Entwicklungsländern zu bekämpfen. Für jedes mit dem Aktionslogo gekennzeichnete Produkt, das verkauft wird, spendet Pampers den Wert einer Impfdosis gegen Tetanus (8 Cent). Damit werden Impfstoffe gekauft, Transporte in abgelegene Dörfer, Mitarbeiter und Bildungskampagnen finanziert.

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Sie können die Arbeit von UNICEF auch direkt mit einer Spende unterstützen:
UNICEF Deutschland, Bank für Sozialwirtschaft Köln, IBAN DE57 3702 0500 0000 3000 00; BIC BFSWDE 33 XXX; Stichwort: Tetanus/Eltern.
Mehr unter www.unicef.de

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