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Corona-Lage RKI-Chef warnt: "Wir werden wirklich ein sehr schlimmes Weihnachtsfest haben"

Corona-Lage: RKI-Chef warnt: "Wir werden wirklich ein sehr schlimmes Weihnachtsfest haben"
© wavebreakmedia / Shutterstock
Fast täglich verzeichnet das Robert-Koch-Institut (RKI) neue Rekordzahlen. Erstmals meldeten sie jetzt mehr als 60.000 Neuinfektionen innerhalb eines Tages. RKI-Chef Lothar Wieler machte mit einer emotionalen Wutrede deutlich: die Lage ist ernst.

"Die Untererfassung der wahren Zahlen verstärkt sich", sagte Lothar Wieler am Mittwochabend bei einer Online-Diskussion mit dem sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer. Gemeint ist die steigende Anzahl nicht registrierter Corona-Infektionen. Wieler geht davon aus, dass sich hinter den gemeldeten Zahlen noch einmal doppelt oder dreimal so viele nicht gemeldete Fälle verbergen.

Lothar Wieler: Es könnte in den kommenden Wochen Hunderte Tote geben

Aktuell steige die Zahl der Neuinfektionen so stark an, dass es nach Angaben des RKI-Chefs bald täglich Hunderte Tote geben könnte. Zuletzt seien 0,8 Prozent der Erkrankten gestorben. Das bedeutet: Von mehr als 50.000 Infizierten pro Tag könnten in den kommenden Wochen 400 sterben. "Daran gibt es nichts mehr zu ändern", sagt Wieler.

"Wir laufen momentan in eine ernste Notlage. Wir werden wirklich ein sehr schlimmes Weihnachtsfest haben, wenn wir jetzt nicht gegensteuern", so der RKI-Chef weiter. Die Lage in den Krankenhäusern würde ebenfalls immer schlimmer werden: "Wir waren noch nie so beunruhigt wie jetzt." Das Problem: Die Zahl der schwerkranken Covid-Patient:innen steige, für Menschen mit einem Schlaganfall oder Herzinfarkt ist mancherorts kaum noch ein Intensivbett frei. "Die Versorgung ist bereits in allen Bundesländern nicht mehr der Regel entsprechend", so Wieler.

Das RKI hatte bereits im Juli vor der alles übertreffenden vierten Welle gewarnt

Wieler wirft der Politik große Versäumnisse vor. Das RKI hatte frühzeitig sehr klare Handlungsempfehlungen ausgesprochen und gewarnt, dass die vierte Welle alle bisherigen deutlich übertreffen könnte, wenn keine „bevölkerungsbezogenen Maßnahmen“ ergriffen würden. Das Hauptproblem sei, dass die Impfquote zu gering ist. Die vom RKI modellierten Szenarien seien nun tatsächlich eingetroffen.

"Wir haben zu schnell in zu vielen Bereichen geöffnet", kritisiert Wieler. "Clubs und Bars sind Hotspots, aus meiner Sicht müssen die geschlossen werden." Großveranstaltungen müssten abgesagt und Kontaktbeschränkungen wieder eingeführt werden.

"Jeder Mann und Maus, der impfen kann, soll jetzt gefälligst impfen"

"Wir dürfen denen, die sich nicht impfen lassen, wirklich nicht die Chance geben, die Impfung zu umgehen, zum Beispiel, indem sie sich freitesten lassen", sagte er. Um das Impf-Tempo zu erhöhen, sollte auch in Apotheken geimpft werden.

"Ich sage das jetzt mal ganz klar: Es muss jetzt Schluss sein, dass irgendwer irgendwelchen anderen Berufsgruppen aufgrund von irgendwelchen Umständen nicht gestattet, zu impfen. Wir sind in einer Notlage", betonte er. "Jeder Mann und Maus, der impfen kann, soll jetzt gefälligst impfen. Sonst kriegen wir diese Krise nicht in den Griff."

Verwendete Quellen: zeit.de, tagesschau.de, spiegel.de

Dieser Artikel ist zuerst auf Brgitte.de erschienen.

slr

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