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Reiner Zufall? Dreifaches Familienglück: Das Baby-Trio dieser Brüder ist fast gleich alt

Drei glückliche Papas im gemeinsamen Familienurlaub: Philipp Schraml und Elias Jonathan (links), Julian Schraml mit Bastian (Mitte) und Marius Schraml mit Tochter Ophelia (rechts).
Drei glückliche Papas im gemeinsamen Familienurlaub: Philipp Schraml und Elias Jonathan (links), Julian Schraml mit Bastian (Mitte) und Marius Schraml mit Tochter Ophelia (rechts).
© Schraml
Vollzeit arbeiten, zu Hause bleiben oder Stunden reduzieren? Es gibt viele Wege, mit denen sich Eltern auf den neuen Nachwuchs einstellen – auch unter Brüdern. Wir haben mit drei Papas über das Leben mit ihren Babys gesprochen.

Philipp, Julian und Marius bekamen 2021 alle drei erneut Nachwuchs. Ihre Frauen Barbara, Ina und Jasmin werden nur in kurzen Abständen zueinander schwanger. "Es war ein absoluter Zufall", versichert mir der jüngste der Brüder, Marius. "Wir haben das alle auch erst später erfahren, weil wir das in der Familie nicht sofort kommuniziert haben." Kurz nacheinander werden dann Elias, Bastian und Ophelia geboren. Sogar in der gleichen Reihenfolge wie die Brüder: Vom Ältesten (Philipp) über den Mittleren (Julian) bis zum Jüngsten (Marius).

Die Kleinen wachsen nun relativ zeitgleich auf. Lernen voneinander, sind mal früher, mal später an der Reihe. Wir haben mit den drei Brüdern über diese besondere Zeit mit Baby gesprochen. Denn auch wenn sie alle bereits zuvor Erfahrungen als Elternteile gesammelt haben, so ist das erste Lebensjahr trotzdem immer etwas ganz Besonderes – und alle drei gehen die Zeit sehr unterschiedlich an: Julian ist für Bastian Vollzeitpapa, Marius reduziert seine Stunden und Philipp arbeitet weiterhin Vollzeit.

ELTERN: Ihr habt euch alle für verschiedene Wege mit den Kleinen entschieden, ist das auch in der Erziehung der Fall? 

Marius: Bei uns hat jeder andere Ansätze und Herangehensweisen und das respektieren wir untereinander. Man überlegt einfach selbst, ob man etwas für das eigene Kind genauso, anders oder eben auf gar keinen Fall so machen würde, wenn man es beim anderen sieht. Manchmal denke ich aber: Cool, das könnten wir auch so machen!

Julian: Du siehst zwar, wer als erstes Krabbeln oder Stehen kann, aber das heißt nicht, dass mein Kind schneller sein muss als das der anderen. Es ist einfach interessant. Teilweise sind sie nur ein paar Wochen auseinander und trotzdem macht vielleicht die Jüngste, die Ophelia, ein paar Tage später etwas, was der Bastian gerade erst gelernt hat. Der eine zahnt schneller, der andere krabbelt schneller, aber einen Konkurrenzkampf gibt es da nicht.

Philipp: Da kann ich mich nur anschließen. Es gibt kein Konkurrenzdenken, aber es ist spannend zu sehen, wie sich die Kinder ganz unterschiedlich entwickeln. Unser Elias, der krabbelt und robbt noch und Julians Bastian steht teilweise sogar schon. Das ist total schön, das mitzubekommen. Wir stehen jetzt nicht da und sagen: Okay, jetzt müssen wir die ganze Zeit laufen üben, weil die anderen können das schon. Das machen wir nicht und überlassen das Tempo den Kindern.

Gibt es Unterschiede in der Art und Weise, wie ihr eure Kinder erzieht?

Marius: Beim Julian ist es schon dadurch anders, weil er Vollzeit zu Hause ist und damit die Hauptbezugsperson vom Basti. Ansonsten geben wir Ophelia beispielsweise keinen Brei so wie bei Elias und Basti – und Jasmin und ich tragen Ophelia eigentlich die ganze Zeit. Die anderen nehmen da eher den Kinderwagen.

Philipp: Bei Marius und Jasmin ist es so, dass sie ihre Kinder eher frei entscheiden lassen, was sie machen möchten und sie es dann auch dürfen. Ich würde sagen, dass wir unseren Kindern mehr Grenzen und Regeln vorgeben, weil wir denken, dass die Bedürfnisse auch von uns Erwachsenen berücksichtigt werden müssen. Dadurch entstehen bei uns natürlich auch manchmal Diskussionen, die wir dann versuchen im Austausch zu lösen.

Bei diesen verschiedenen Herangehensweisen gibt es bei euch aber keinen Streitpunkt?

Philipp: Nein, es macht jeder sein eigenes Ding. Wir diskutieren nicht darüber nach dem Motto: Hey, mach das doch bitte anders.

Marius: Ich habe dazu gar nicht das Recht oder das Wissen, um zu sagen: Hey, mach das so wie ich, weil es besser ist. Ich weiß noch nicht, ob es so gut ist. Man selbst denkt, dass das der richtige Weg ist und deshalb will man es für sich und die Kinder so machen. Aber wir haben alle nicht den Stein der Weisheit und wissen nicht, ob es genau richtig ist und haben deshalb nicht das Recht, die anderen belehren zu dürfen. Wir respektieren uns gegenseitig.

Gibt es denn vielleicht positive Dinge, die ihr mal von den anderen übernehmt?

Julian: Manchmal, aber das ist auch eher etwas Schleichendes. Zum Beispiel mag der Basti nicht gerne Gurke als Beikost. Und wenn dann eine der anderen Mütter gerade Gurke dabei hat, versuche ich es eben noch einmal und schaue, ob es klappt. Aber etwas Spezielles wüsste ich nicht.

Marius: Es sind eher Kleinigkeiten. Manchmal sieht man bei einem Streitthema, wie eine der anderen Familien es löst und denkt sich: Cool, so kann ich das beim nächsten Mal auch machen. Oder letztens hab ich gesehen, dass Julian dem Basti beim Wickeln den Body über der Schulter zuknöpft, damit er nicht herunterhängt. Da dachte ich dann: Das ist total geschickt und das mache ich bei Ophelia jetzt auch, weil ich da vorher nicht drauf gekommen bin.

Wie sieht es mit Klamotten tauschen untereinander aus? Eure Kleinen wachsen ja noch so schnell aus allem raus.

Philipp: Meine Frau verkauft immer gerne die Sachen oder gibt sie an Bekannte weiter, geht dann wieder shoppen oder näht selbst etwas. Wir bekommen aber auch viele Klamotten von Freundinnen und tauschen uns da aus. Der Abstand vom Elias zu Emma ist mit sechs Jahren auch sehr groß. Da hatten wir nicht mehr alles da. Den Kinderwagen haben wir damals aber beispielsweise im Bekanntenkreis verkauft, dort wurden dann zwei Kinder groß gezogen und nun haben wir ihn wieder zurückgekauft.

Marius: Gerade von Ina und Julian haben wir am Anfang relativ viele Klamotten gekriegt und auch Spielsachen. Sie bringen uns immer vorbei, was sie gerade nicht mehr brauchen. Jasmin und ich schauen auch, dass wir viel Second Hand kaufen. Ophelia hat die Klamotten nur so kurz an, weil sie so schnell wächst, dass es sich gar nicht lohnt, neue zu kaufen. Und die Kleine hat auch eine Menge vom Großen an.

Julian: Also unsere Kleidung von den Großen ist sehr viel am Rotieren mit anderen Familienmitgliedern und Freunden. Die kommen manchmal wieder zurück und gehen gleich wieder woanders hin. Und bei unseren drei Jungs ist das Tauschen untereinander auch unkompliziert.

Was für ein schöner Anblick! Mit allen Familienmitgliedern der Schramls wird es auf dem Foto etwas eng – oder eben gemütlicher. Ebenfalls dabei: Oma und Opa Schraml.
Was für ein schöner Anblick! Mit allen Familienmitgliedern der Schramls wird es auf dem Foto etwas eng – oder eben gemütlicher. Ebenfalls dabei: Oma und Opa Schraml.
© Schraml

Alle drei Brüder sind seit längerer Zeit Väter. Philipp ist der Älteste und hat drei Kinder: Milan (15), Emma (7) und Elias (1). Sein ältester Sohn ist aus einer vorangegangenen Beziehung. Julian ist ebenfalls dreifacher Vater mit Silvan (7), Ben (5) und Bastian (1 Jahr). Marius als jüngster Bruder hat zwei Kinder: Joshua (3) und Ophelia (11 Monate). Zusammen mit ihren Frauen Barbara, Ina und Jasmin kommen einige Familienmitglieder zusammen – und das tun sie gerne, beispielsweise beim gemeinsamen Familienurlaub oder beim Treffen mit Oma und Opa Schraml. Klarer wird hier, wer zu wem gehört:

Reiner Zufall?: Dreifaches Familienglück: Das Baby-Trio dieser Brüder ist fast gleich alt
© Schraml

Was ist euch mit den Kleinen als Väter besonders wichtig?

Philipp: Mir ist wichtig, dass ich eine gute Verbindung zu meinen Kindernhabe. Das ist mit Vollzeitarbeit gar nicht so einfach. Deshalb liegt mir zum Beispiel viel an einem gemeinsamen Abendessen mit der Familie und dass meine Frau und ich die Kinder gemeinsam ins Bett bringen. Wenn ich abends nach Hause komme, empfängt Elias mich gleich ganz lieb, will auf meinen Arm und ruft "Papa". Das hat er sogar vor "Mama" gesagt und sagt es jetzt die ganze Zeit. Und auch gemeinsame Familienzeit am Wochenende ist mir wichtig, deshalb legen wir Wert darauf nicht so durchgetaktet zu sein.

Marius: Also die oberste Priorität ist für mich, dass es den Kindern gut geht und ich ihnen alle Werkzeuge an die Hand gebe, um später glücklich im Leben zu sein. Dass wir eine schöne Zeit haben und viel Zeit miteinander verbringen, natürlich auch und schöne Dinge erleben, eine tolle Bindung aufbauen und später respektvoll miteinander umgehen.

Julian: Bei uns ist die Bindung auch das Wichtige. Dadurch, dass meine Frau viel im Homeoffice ist, sind wir oft zusammen daheim. Sie ist bei all seinen ersten Momenten dabei und bei Problemen sind wir beide voll für ihn da. Bei unserem Großen, dem Silvan, ist es jetzt auch schön, dass ich ihn in der Elternzeit bei seinem Schulstart mit begleiten kann. Das könnte ich so auch nicht, wenn ich Vollzeit arbeiten würde. Auch wenn ich meine Stunden vorher schon reduziert hatte.

Merkt ihr eigentlich, dass sich eure drei Kleinen ähnlich sind – oder haben alle ihren ganz eigenen Charakter?

Julian: Also ich würde sagen, der Basti ist schon sehr dickköpfig.

Philipp: Der Elias kann auch ein richtiger Dickkopf sein, wenn er unbedingt etwas haben will. Aber sein Hauptmerkmal ist eigentlich, dass er immer sehr viel lacht.

Marius: Also unsere Tochter ist ein kleiner Partybär, eine Grinsebacke – und genau so ein Dickkopf wie die anderen zwei. Das Problem ist: Unsere Eltern sind Dickköpfe und die haben drei dickköpfige Söhne gekriegt und die kriegen eben dickköpfige Kinder.

Wer weiß, vielleicht schweißt sie das sogar später zusammen. Wünscht ihr euch, dass die Drei später zusammen um die Häuser ziehen?

Julian: Es wäre schön, wenn sie später im Team unterwegs sind. Mir wäre es wichtig, dass sie einen Bezug zueinander haben und sich nicht fremd sind. Philipps Tochter Emma ist beispielsweise mit unserem Silvan in einer Klasse und auch vorher schon im Kindergarten gewesen. Damit haben sie beide schon jemanden in der Schule, der ihnen vertraut ist. Bei unseren drei Kleinen, denke ich, ist es das Gleiche. Alle werden sie den gleichen Weg gehen, mit dem gleichen Kindergarten und der gleichen Schule. Es wäre schön, wenn sie dann untereinander einen guten Kontakt haben.

Philipp: Wir wohnen alle in einem kleinen Dorf mit 700 Einwohnern und da gehen sie sicherlich mal zusammen ins Freibad oder sehen sich auf dem Spielplatz. Vielleicht haben sie aber später noch ganz andere Freunde, mit denen sie unterwegs sind. Da können sie selbst entscheiden, was sie selbst wollen, das ist den Kindern überlassen. Aber wenn wir uns mit der Familie treffen, sehen sie sich automatisch.
Die Drei müssen keine besten Freunde sein, aber wenn sie zusammen im Kindergarten oder der gleichen Klasse sind, sollten sie sich schon verstehen und sich am besten untereinander aufeinander verlassen können. Aber das haben wir nicht in der Hand und können es nicht erzwingen, das muss sich so entwickeln.

Marius: Ein gemeinsamer Familienurlaub ist beispielsweise Gold wert, weil Elias, Ophelia und Bastian die Tage über miteinander spielen können. Die erste Zeit gibt es mit immer irgendeinen Konflikt und Riesengeschrei mit allen Kindern zusammen. Nach kurzer Zeit spielen dann aber doch alle zusammen und das ist echt schön, wenn die Kinder so viel Zeit miteinander verbringen und sich dadurch besser verstehen. Es wäre schön, wenn sich die Kleinen später verstehen, aber das ist ihr eigenes Ding. Es ist allerdings fast unvermeidbar bei der Anzahl an Einwohnern hier, da müssen sie fast schon miteinander rumhängen.
Insgesamt hat die Familie für uns alle einen sehr hohen Stellenwert, würde ich sagen. Wir als Brüder haben mit unseren Eltern eine starke Bindung und jetzt, wo die Kinder da sind, haben wir uns alle oft mit den Partnern gesehen. Als wir gesagt haben, dass wir noch mal jeder Nachwuchs bekommen, hat unser Vater den alten Terrassentisch rausgeschmissen und zwei neue große gekauft. Damit wir alle zusammen wie an einer langen Tafel sitzen können.

ELTERN

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