VG-Wort Pixel

Partnerschaft Eltern vs Kinderlose: Staubsauger oder Swingerclub?


Es ist schön, wenn alte Studienfreunde anrufen. Ist dann auch egal, wenn man gerade Würstchen zum Abendbrot brät und zwei Kinder sich währenddessen zanken. Geht man halt einfach raus, sollen die sich zanken. Hab weiter telefoniert. Sehr spannend!
Mann und Frau flirten mit dem Staubsauger
© IStock Oleg66

Er: Wie gehts Euch so?
 
Ich: Danke gut, total gut, endlich Frühling. Alle mal halbwegs gesund, und Samstag geht es in den Urlaub!!!!
 
Er: Das klingt gut! Und sonst so?
 
Ich: Ich hab einen neuen Job, in der Stadt. Pendeln ist doof, aber die Arbeit macht Spaß. Nur im Haus schaff ich gar nix mehr. Wir haben deshalb jetzt einen neuen Staubsaugerroboter!
 
Er: Oh wow.
 
Ich: Und Ihr?
 
Er: Ja, also uns geht es auch gut. Wir haben jetzt ein paar mehr Freiheiten in unser Leben eingebaut...
 
Ich:...Wie jetzt?
 
Er: Naja. Wir waren neulich im Swingerclub. Das war wirklich großartig, nicht so schmierig wie man immer denkt.
 
Ich: Oh wow.
 
(Ich muss plötzlich trotzdem an die kleinen Würstchen in der Pfanne denken. Und ich grüble: „Na klasse, ich hab einen neuen Staubsauger, und er hat quergevögelt. Irgendwas in meinem Leben läuft schief. Oder einfach zu langweilig?“)
 
Er: Naja, wir sind jetzt acht Jahre zusammen. Es war alles ein bisschen eingerostet, und dass wir jetzt wieder so viel über Sex reden müssen, hat uns einen super Schub gegeben.
 
Wir haben dann noch nett weitergeplaudert. Ich will mich nicht darüber erheben, überhaupt nicht - auch wenn ich sicher bin, dass es nix für mich ist.
 
Aber noch jetzt, Stunden nach dem Gespräch, merke ich, wie sich so eine ganz kindliche, naive und bockige Stimme meldet, die sagt: „Ich find es einfach doof, ständig um den Fortbestand einer Beziehung ringen zu müssen. Doof. Doof. Doof.“ Nicht doof, in den Swingerclub zu gehen – das soll jeder halten wie er will. Sondern doof, dass alle die (vielleicht auch realistische) Furcht haben, dass eine gut eingespielte Beziehung nicht reicht, dass irgendwie ständig mehr her muss.
 
Mit Kindern ist man müde, oft überfordert, aber vor allem: reich beschenkt. Man sieht nicht mehr so knackig aus wie früher, hat Schlafmangel-Falten und kommt viel zu selten  dazu, Pärchen-Wochenenden/-abende durchzuziehen.
 
Aber ehrlich gesagt: Ich mag es trotzdem, so wie es ist.  Ich mag sogar das Brüderchen-Schwesterchen-Element darin. Was ist öde am Familien-Gefühl?
 
Ich will nicht ständig in Angst leben, nicht mehr fancy genug zu sein, ich will echte Partnerschaft. Deswegen rasier ich mir trotzdem die Beine und zieh mich hübsch an und bemüh mich, nett und respektvoll zu sein, obwohl ich blanke Nerven habe. Aber ich will nicht Angst haben müssen, nur weil wir unseren Alltag lebe, den wir uns gemeinsam angelacht haben.
Im Moment sieht es nicht danach aus, als müsste ich Angst haben, aber wenn ich mich umsehe, zerbrechen in unserem Umfeld gerade wirklich viele Partnerschaften. Die guten, nicht die, wo man eh immer dachte Naja. Nicht wegen Alkoholmissbrauch, nicht wegen Gewalt in der Ehe, sondern weil es einem der Partner „zu eng“ oder „zu eingerostet“ geworden ist. Was weiß ich. Doof. Ich will das nicht, da bin ich bockig.
Und ich will auch keinen Swinger-Club aufsuchen, um das zu verhindern. Ist doch ok? Genauso ok, wie es zu tun, oder?
 


Neu in Familie & Urlaub