Kindergeburtstag: Schnitzeljagd in die Hölle

Durchdrehende Kinder, totales Chaos - es gibt einen Tag im Jahr, den alle Eltern fürchten: die Geburtstagsfeier ihrer Kinder.

Kindergeburtstag
iStock, AleksandarNakic
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Als Eltern macht man immer den gleichen Fehler: Man denkt, bei uns wird alles gaaaanz easy. Geburt? Sollen doch die anderen erzählen, wie schlimm das ist. Machen Frauen schon seit Millionen von Jahren und die Menschheit ist immer noch nicht ausgestorben. Und dann hängt man da in den Presswehen und denkt: Was fürn SCH.....!!! Oder der Schlafentzug. Die übertreiben doch alle, oder? Unser Kind schläft bestimmt durch. Ein paar Monate später hängt man mit tiefliegenden Augenringen wie ein Schluck Wasser auf dem Sofa und bittet inständig, dass diese Folter bald vorbei ist. 

Ach, das wird schon...

Und nun also Kindergeburtstag. Unsere leichteste Übung. Das bisschen Topfschlagen. Easy. „Ja, hast du denn noch nichts vorbereitet?“, fragt mich meine Freundin etwas vorwurfsvoll drei Wochen vorher. „Nee, jetzt doch noch nicht?“, antworte ich ganz naiv. „Da brauchst du aber schon ein Konzept“, sagt sie wieder. „Das würde ich minutiös durchplanen, sonst reißen die dir die Hütte ab.“ Und schon hält sie mir einen Monolog über Mitgebseltüten, Mottopartys und den Vorteil von gesunden Snacks. Und ich mache den gleichen Fehler wie immer und denke: Das ist doch vollkommen übertrieben. Die haben alle zu viel Zeit, sich für Nichts den Kopf zu zerbrechen. Voll die Helikoptereltern. Was kann eine Handvoll Vierjähriger schon anstellen?

Und dann kommt der Tag der Wahrheit

Schon nach den ersten Bissen vom Schokokuchen ist die Bande wie auf Speed. Topfschlagen finden sie öde. Wieso es hier keinen Clown gibt? Also bei Finns Geburtstag, da gab es einen. Maxi muss mal Pipi. Moritz hat Frida gehauen. Und das Geburtstagskind heult, weil der Fredo ihm gerade sein Playmobilauto geklaut hat. Ich werfe einen Blick auf die Uhr. Was? Noch zweieinhalb Stunden??? Durchatmen, kein Problem. Wir haben das im Griff. Wir haben ja noch eine Schnitzeljagd vorbereitet. Kinder einpacken und raus. „Nicht so schne-hell“, rufen die Kleinen, während die Größeren davonflitzen. Mein Mann hinterher. Aufsichtspflicht und so. Als wir ihn einholen, ist er schweißgebadet. „Erzieher ist der krasseste Job der Welt“, raunt er mir zu. „Wie machen die das nur?“ Keine Zeit zum Nachdenken. Weitermachen.

Das Bier haben wir uns hart verdient

Eine Stunde später ist der Schatz gefunden, die Naschi-Tüten sind gefüllt und es geht auf den Heimweg. Mein Mann und ich sind schon total fertig. Die Kinder hüpfen immer noch wie Flummis neben uns her. Zuhause hauen wir ein Blech Pommes in den Ofen und lassen die Kinder spielen. Da klingelt es an der Tür. Maxis Mutter ist da. „Der traut sich ja immer nicht so lange alleine“, sagt sie. Und fragt etwas spitz: „Was gibt es denn bei euch? Pommes? Hoffentlich die, die bei Öko-Test gut abgeschnitten haben.“ „Weiß nicht“, sage ich. „Sind die vom Edeka“. Als alle weg sind, sieht es so aus, als hätte ein Hurrikan bei uns gewütet. Nicht ist mehr da, wo es einmal war. Mein Mann reicht mir ein Bier. „Haben wir uns verdient“, sagt er. Das finde ich auch. Und morgen rufe ich meine Freundin an. Tipps abholen fürs nächste Jahr. Da sollten wir dringend nochmal an unserem Konzept arbeiten.

Dieser Artikel ist zuerst erschienen bei BRIGITTE.de.

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