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Gegen Klischees Rosa ist für alle da!

Rosa ist für alle da: Kind spielt mit Puppenhaus
© Shutterstock / Lolostock
Dr. Stevie Schmiedel ist Geschäftsführerin von Pinkstinks, der Bildungs- und Protestorganisation, die sich gegen Geschlechterklischees in Werbung, Medien, Gesellschaft einsetzt. Fünf Thesen der Hamburger Genderforscherin.

1. Kinder sind auch, was sie spielen

Zweigeteilte Spielzeugregale, der blaue Spielcomputer hat 25 Tasten, der pinke nur drei. Braucht weiblicher IT-Nachwuchs nicht mehr? Zuweisungen machen etwas mit Jungen und Mädchen. Natürlich kann eine Vierjährige, die heute Lillifee spielt, später Vorstandsvorsitzende werden. Aber dafür muss sie sich von der Vorstellung befreien, dass der Mann der Starke ist, der alles regelt. Geschlechtsspezifisches Spielzeug steigert den Umsatz. Wenn der Bruder nicht mit dem pinken Einhorn der Schwester spielt und die nicht mit seinem Laserschwert, kauft die Familie mehr Spielzeug. Das ist schön für die Spielwarenindustrie, aber nicht für die Köpfe der Mädchen und Jungen. 

2. Kinder sehen die Unterschiede

Sie leben nicht auf dem Mond, sondern erleben die Welt um sich herum. Mit einem strengen Klischee-Verbot kann man seinem Kind deshalb auch Schwierigkeiten bereiten. Wenn die Freunde mit Star Wars spielen und die Freundinnen Polly Pockets haben, wollen sie das auch, weil sie dazugehören möchten. Eltern können einiges erlauben, müssen aber nicht alles kaufen. Und sie können gegensteuern: Geschlechtsspezifische Spielsachen sind auch eine gute Gelegenheit, mit Kindern zu reden. Darüber etwa, dass Mädchen im ganz normalen Leben keine Prinzessinnen werden und Jungen nicht die Welt retten müssen. 

3. Kinder machen es uns nach

Wir blicken mit einem nostalgischen Blick auf die eigene Kindheit. Wir mögen, wie es damals war. Mütter erinnern sich an die Mädchen, die sie waren, an das Perlenfädeln mit Freundinnen, an Puppenspiele. Väter denken an ihre Autorennbahn, die wilden Kämpfe mit den Ninja Turtels. Wir geben unbewusst weiter, was wir mochten an unserer Kindheit. Da sind natürlich auch Rollenbilder dabei. Das sollten wir im Hinterkopf haben.

4. Kinder verlieren, wenn sie festgelegt werden

Mädchen haben dazugewonnen in den letzten Jahr- zehnten. Sie lernen auch technische Berufe, sind ehrgeizig, Eltern sagen ihnen, dass sie werden dürfen, was sie wollen. Auf der anderen Seite steht im- mer noch das Klischee der Hübschen, die mit ihrem Äußeren punktet. Auch Jungen sind gefangen in der Rolle, die die Gesellschaft für sie vorsieht. Mehr sogar als Mädchen, weil ihnen weniger zusätzliche Möglichkeiten eröffnet wurden und werden. Aus Untersuchungen wissen wir, dass Jungen mit einem deutlich geringeren emotionalen Vokabular in die Schule kommen, weil sie weniger emotional angesprochen werden. Mit Mädchen wird mehr über Gefühle geredet, im Puppenhaus für das Puppenkind gekocht. Sie lernen die Sorge für andere. Deshalb können sie später besser mit Schwäche umgehen, auch mit der eigenen. Wenn es Jungen nicht gut geht, fällt es ihnen viel schwerer, Hilfe zu suchen und anzunehmen.

5. Kinder brauchen nicht diese eine Geschlechteridentität

Erst einem Geschlecht zugehörig fühlen. Dann bei Bedarf dekonstruieren, was damit verbunden ist. Das ist eine Vorstellung, die in Deutschland noch sehr vertreten ist, in vielen anderen Ländern sieht man das anders. Kinder sollten mit dem Gefühl aufwachsen, alles machen und sein zu dürfen. Ein Junge kann Junge sein und sich trotzdem eine pinke Glitzermütze wünschen. Oder gerade deshalb: weil Rosa für alle da ist. 

ELTERN

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