Geld. Macht. Liebe
 
Geld und Familie: Was jetzt zu beachten ist!

Wenn aus Paaren Eltern werden, wird aus zwei Geldtöpfen oft einer. Wie funktioniert das, ohne dass eine(r) zu kurz kommt? Warum Familienarbeit so viel wert sein muss wie ein gut bezahlter Vollzeitjob. Und wie Mütter für später vorsorgen können.

Geld. Macht. Liebe: Geld und Familie: Was jetzt zu beachten ist!
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Ihre größte private Finanzkrise erlebte Sabrina 2016, kurz vor dem ersten Geburtstag ihres Sohnes Tim. Dabei sah eigentlich alles ganz rosig aus: Mit 25 stand Sabrina kurz vor dem Studienabschluss, ihr Freund Jakob, 34, arbeitete als IT-Berater, und kürzlich hatten die beiden ihr altes Auto verkauft, für einen verlängerten Elternzeiturlaub in Portugal. Aber dann druckste Jakob eines Abends merkwürdig herum: Von dem Geld sei kaum noch etwas da. Und drei Tage später nahm eine Bankberaterin Sabrina beiseite: „Eigentlich darf ich Ihnen das gar nicht sagen – aber reden Sie bitte mit Ihrem Lebensgefährten.“ So kam heraus: Über Jahre hatte die junge Familie immer ein wenig über ihre Verhältnisse gelebt. Schließlich hatten sich 15 000 Euro Schulden angehäuft, ohne Sabrinas Wissen. „Wir besaßen ein gemeinsames Konto für Miete, Lebensmittel, Anschaffungen, auf das jeder nach seinen Möglichkeiten eingezahlt hat. Und jeder eines für die persönlichen Ausgaben. Ich hatte keine Ahnung, dass er seins ständig überzog! Er hoffte wohl, er könnte das Problem allein lösen.“ Für Sabrina fühlte sich der Vertrauensbruch fast schlimmer an, als hätte er nebenbei eine Affäre gehabt.

80 Prozent aller Verheirateten haben ein gemeinsames Konto

„Reden über Finanzielles darf kein Tabu sein – schon gar nicht für Paare mit Kindern“, sagt Korina Dörr, die die Abteilung „Geld und Haushalt“ für den Beratungsdienst der Sparkassen-Finanzgruppe leitet. Ein Service, der Familien bei der Budgetplanung hilft – vom klassischen Haushaltsbuch bis zu Web-Anwendungen. Wie man ganz praktisch die Finanzen jongliert, dazu gibt es mehr als ein Modell: von ganz freihändig (jeder behält sein eigenes Konto, und Daueraufträge wie Miete, Versicherungen und Kita-Gebühr werden je nach Einkommen vom einen oder anderen abgebucht) über die Halbe-halbe-Variante (gemeinsames Haushaltskonto plus eigene Unterkonten) bis zum klassischen Alles-in-einen-Topf. Vor einigen Jahren hat der Sparkassen-Dachverband in einer Studie ermittelt: Je älter die Paare und je klassischer der Lebensentwurf, desto mehr von ihnen entscheiden sich für die Total-Fusion. 80 Prozent aller Verheirateten haben demnach ein gemeinsames Konto, dagegen nur 44 Prozent der unverheirateten Paare.

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Ein Konto, zwei, oder drei?

Die Entscheidung ist zum einen Typfrage – eher lässig, eher sparsam oder ein Kompromiss zwischen beidem –, zum anderen eine Frage der finanziellen Flughöhe: Wer sehr sparen muss, neigt eher zu akribischer gemeinsamer Planung als Doppelverdiener im geerbten Haus, die sich auch nach dem Pi-mal-Daumen-Prinzip und getrennten Kassen einig werden. Wichtig ist, gemeinsam Eckpunkte festzulegen. Etwa: Wie viel persönliches „Spielgeld“ hat jeder, ab welcher Summe für Extras haben beide ein Wörtchen mitzureden? Klingt knauserig, ist aber eine gute Investition ins Beziehungsklima. Denn so können auch unterschiedliche Geldtypen gut zusammenleben, ohne die Familienfinanzen in Schieflage zu bringen. Egal, ob er gern mit seinen Kumpels durch die Clubs zieht, sie ihr Familien- Taschengeld lieber in Schuhe investiert oder in einen Extra-Sparplan.

Welches Konto-Modell passt zu uns?

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Mütter neigen öfter zur Großzügigkeit

Ebenso hilfreich ist es, in bestimmten Abständen nachzurechnen: Wer verdient gerade wie viel, wer beteiligt sich prozentual an was? Denn je nach Auszeiten für Kinderbetreuung und Job-Wiedereinstieg ändert sich das in der Familiengründungsphase oft im Halbjahrestakt. Eine gute grafische Übersicht über Ausgaben, Einnahmen und Einsparmöglichkeiten bieten dabei digitale Tools, etwa der Budgetplaner unter www.geldundhaushalt.de. Ein solches System hilft auch, sich finanzielle Ziele zu setzen – etwa, Geld für die spätere Ausbildung der Kinder anzusparen oder Wohneigentum zu erwerben. „Gerade die Frauen müssen aufpassen, dass sie nicht den Kürzeren ziehen“, warnt Expertin Korina Dörr. Auch, weil Mütter oft aus dem eigenen Topf großzügig jede Menge Extras für ihre Kinder finanzieren, vom süßen Baby-Body bis zum Eis für den Dreijährigen, obwohl sie meist das geringere Einkommen haben. Kleine Ungerechtigkeiten wie diese summieren sich und können ihnen später vor die Füße fallen –schlimmstenfalls bei der eigenen Altersversorgung, falls das Paar sich trennt.

Unverheiratete Paare haben am wenigsten Spielraum

Und schließlich gehört auch noch das Thema Steuern zur Familien-Finanzplanung – und da meint’s Vater Staat mal mehr, mal weniger gut. Unverheiratete Paare haben am wenigsten Spielraum: Mütter und Väter werden vom Finanzamt behandelt wie Singles, teilen sich lediglich Kinder-Freibeträge, und das Kindergeld wird bei beiden anteilig berücksichtigt. Verheiratete können anders jonglieren, nicht nur, weil die meisten vom Splitting profitieren. Seit 2018 werden frischgebackene Eheleute automatisch in die Steuerklasse vier eingestuft, was vor allem zu fortschrittlichen Lebensentwürfen passt: Wenn Mütter und Väter sich Erwerbsarbeit und Kinderbetreuung etwa fifty-fifty teilen und ähnlich bezahlte Jobs haben, ist das die beste Variante für die Familienkasse. Anders sieht es aus, wenn Paare die klassische Variante wählen: Hauptverdiener (meist er), Zuverdiener (meist sie). Dann bleibt unterm Strich mehr, wenn der oder die Besserverdienende sich in Klasse drei einstufen lässt, damit alle Freibeträge bekommt und geringer besteuert wird. Für das geringere Einkommen gilt dann die ungünstige Klasse fünf, was in der Summe aber weniger ausmacht. Das Modell hat dennoch zwei Haken. Der kleinere hat mit der Zukunftsplanung zu tun: Weil Elterngeld sich nach dem Nettoeinkommen bemisst, fällt der Geldsegen für Mütter automatisch niedriger aus, wenn sie im Jahr vor der Geburt eines weiteren Babys nach Klasse fünf veranlagt waren. Außerdem führt weniger Einkommen zu weniger Sozialversicherungsabgaben – das schlägt sich spätestens bei der gesetzlichen Rente nieder.

Eigener Job, eigenes Geld – und jetzt?

Der größere Haken lässt sich nicht in harter Münze beziffern, sondern in weicherer Währung: Respekt und Selbstwertgefühl. Wie geht es einer Frau, wenn sie von ihren Einnahmen nach Steuer dauerhaft gerade die Kita-Gebühr bezahlen kann und Arbeit so zum Nullsummenspiel wird? „Mangelnde Wertschätzung ist eines der größten Probleme junger Mütter“, weiß Stefanie Gundel, studierte Volkswirtin und Coach, aus ihrer Düsseldorfer Beratungspraxis. Und das hat auf eine paradoxe Weise auch damit zu tun, dass 30-jährige Frauen heute mit deutlich mehr Selbstbewusstsein aufwachsen als ihre Mütter oder gar Großmütter. Ein eigener Job und eigenes Geld sind für die meisten selbstverständlich. Ändert sich das in der Babyphase, leiden viele früher oder später unter dem Gefühl, dass die eigene Arbeit nichts wert ist. Einfach, weil Dauerstillen und Zahnputz-Kämpfe kein Gehalt aufs Konto buchen. Und je glücklicher und erfüllender das Arbeitsleben vorher, desto schmerzlicher fehlt das positive Feedback – das kann kaum ein Partner auffangen, ein Baby schon gar nicht.

Den Teamgedanken stärken

„Es ist wichtig, dass Paare eine gemeinsame Vergütungslogik aufbauen“, sagt Gundel: sich als Team betrachten, in dem jeder sein Bestes gibt und den Einsatz des anderen schätzt, ob im Büro oder im Kinderzimmer. Das gilt im Kleinen wie im Großen. Etwa, wenn beide den Kaufvertrag für die Eigentumswohnung unterschreiben – auch wenn klar ist, dass für einige Jahre einer den Großteil der Ratenzahlungen übernimmt. Gundel empfiehlt, sich in regelmäßigen Abständen zum psychischen Kassensturz zusammenzusetzen: Was leistet jeder, was braucht jeder, was sind gerade die Prioritäten? Bei manchen Paaren klappt das von ganz allein. So formuliert es Mona Hoven, 33-jährige Mutter eines Kleinkindes und eines Säuglings: „Für meinen Mann und mich war spätestens mit der Hochzeit klar: Es gibt kein Mein und Dein mehr, es gibt nur noch Unser.“ Und das ist keine Einbahnstraße: Nachdem Mona früher mit dem Studium fertig war als ihr Mann, finanzierte sie zum Großteil das gemeinsame Leben – jetzt ist es umgekehrt. Fürs Erste. Andere Paare müssen sich dieses Selbstverständnis härter erkämpfen. So wie Sabrina und Jakob, die plötzlich gemeinsam auf seinem Schuldenberg saßen. „Erst einmal habe ich dafür gesorgt, dass wir einen Kleinkredit bekommen, um nicht die enormen Konto-Überziehungsgebühren zu zahlen“, erzählt Sabrina. „Und dann habe ich schleunigst mein Studium abgeschlossen, um mehr Autonomie zu haben.“ Der Kredit ist abbezahlt, heute organisiert sie die Familienfinanzen. Alles Geld fließt auf ein gemeinsames Konto, und lange hat Jakob freiwillig auf eine Kreditkarte verzichtet. Mit dem Geld-Plus ist auch Sabrinas Vertrauen zurückgekommen, und dafür gibt es zwei sichtbare Zeichen. Das eine ist der Kaufvertrag für ein gemeinsames Haus. Das andere ihr prall gewölbter Schwangerschaftsbauch.