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Gesundes Essverhalten Sätze, die Eltern beim Essen mit Kindern vermeiden sollten

Gesundes Essverhalten: Vater macht seinem Kind Vorwürfe beim Essen
Die Ernährungsexpertin rät Kindern mit Vertrauen ein gesundes Essverhalten beizubringen.
© Dmytro Zinkevych / Shutterstock
Kindern ein gesundes Essverhalten beizubringen ist nicht leicht – oft ist uns Eltern die Wirkung gewisser Kommentare gar nicht bewusst. Von Bestechung bis zur Drohung: Welche Sätze beim Essen ein No-Go sind und was wir stattdessen sagen können, hat uns eine Expertin verraten … 

Die Situation kommt sicherlich vielen von euch bekannt vor. Ihr möchtet euren Kindern ein gesundes Essverhalten vorleben und beibringen und dann passiert das: Nach einem langen Arbeitstag kommt die Familie am Esstisch zusammen. Plötzlich herrscht Hektik und Unruhe. Gurkenscheiben fliegen durch die Luft oder das Geschrei ist groß, weil ein kleiner Klecks Soße auf dem Teller ist und schon fallen Sätze wie diese: "Wenn du aufisst, gibt es als Belohnung Schokolade!" Genau in solchen Situationen kommt es dazu, dass wir Eltern versehentlich etwas sagen, von dem wir uns fest vorgenommen haben, es niemals zu unseren Kindern zu sagen. Das Schlimme: Oft bemerken wir nicht, was wir damit anrichten können. Die Ökotrophologin und systemische Paar- und Familientherapeutin Edith Gätjen hat uns erzählt, welche Sätze okay sind und was absolut tabu ist. 

1. "Iss bitte deinen Teller auf!"

Laut Expertin ist diese Aussage schlimm! Es führe dazu, dass die Kinder nicht ihr eigenes Sättigungsgefühl kennen lernen würden. "Hier gibt es keine Alternative, Kinder sollten niemals zum "Aufessen" aufgefordert werden. Sie lernen es ganz langsam, wieviel sie von was brauchen, um ihren Hunger zu sättigen! Und meistens haben sie sich noch nicht mal selbst den Teller aufgefüllt."

2. "Du brauchst gute Vitamine wie Obst und Gemüse. Süßigkeiten sind nur schlecht für die Zähne"

Kinder interessieren sich nicht für Gesundheit und können mit Dingen, die irgendwann einmal passieren nichts anfangen! Das sind kognitive Ziele der Erwachsenen! Gätjen empfiehlt eine andere Formulierung: "Der Apfel ist aber richtig rot, bin gespannt wie süß der schmecken wird, ich liebe saftige und süße Äpfel!"

3. "Es wird gegessen, was auf den Tisch kommt"

 "Diese Aussage ist indiskutabel!", so die Ökotrophologin. Sie meint, dass Eltern zwar entscheiden könnten, wann, was und wie etwas auf den Tisch kommt, aber entscheiden solle ein Kind selbst, ob es davon isst und wieviel.

4. "Kinder in anderen Ländern haben gar nichts zu essen"

Mit solchen indirekten Drohungen könnten Kinder nichts anfangen. Es wäre besser, Eltern würden Folgendes sagen: "Wenn du von all‘ dem was hier auf dem Tisch steht nichts essen möchtest, okay. Vielleicht ist Dein Hunger gar nicht so groß und bei der nächsten Mahlzeit erst da."

5. "Wenn du aufisst, scheint morgen die Sonne"

Kinder auf diese Art zu erpressen, sei Blödsinn! "Das ist keine logische Folge, und das verstehen Kinder auch! Hier fällt selbst der Expertin keine Alternative ein. 

6. "Das gehört sich nicht am Tisch"

Diese Botschaft an das Kind ist eine Frage der Erziehung, die sehr familienindividuell ist. "Mein Ratschlag: "Tischmanieren gut vorleben, dann sieht das Kind und erlebt es, wie es geht."

7. "Du bist zu dünn/dick, du musst mehr/weniger essen!"

Die Ernährungsexpertin sagt klar: "Dies ist eine Bewertung der Erwachsenen! Dieser Satz darf niemals gesagt werden. Es führt dazu, dass die Kinder kein Gefühl für ihre Bedürfnisse und ihren Bedarf entwickeln können, und sich nicht 'richtig' fühlen. Das Kind wird einen Grund haben, weshalb es mehr oder weniger isst. Möglicherweise könnte es dadurch in eine Essstörung rutschen."

8. "Wenn du nicht aufisst, landet alles im Müll"

Alles andere als hilfreich – mit dieser Form von Erpressung könne ein Kind nichts anfangen, so Gätjen. "Wenn Kinder sich selbst nehmen, was wichtig ist, braucht es Zeit, bis sie wissen, wieviel sie brauchen, um satt zu werden. Man kann in der Familie die 'ein Löffel Vereinbarung“ abmachen, also beim ersten Mal nimmt man sich nur einen Löffel von dem, was man möchte, so bemerkt jeder, wie sättigend das Essen ist!

9. "Wenn du aufisst, gibt es einen Nachtisch"

Absolutes No-Go! "Auch hier wird gegessen, ohne zu erpressen!" Jeder am Tisch sollte, laut Gätjen Nachtisch bekommen, auch wenn er oder sie vorher nichts gegessen hätte. "Nur am Nachtisch lässt es sich nicht satt essen, die Menge ist sehr klein! "Außerdem warnt die Expertin, könne es dazu führen, dass Kinder das Süße viel zu hoch bewerten!

10. "Weißt du, wie lange ich für das Essen in der Küche stand!?"

Wie viele Stunden die Mama für die  Spaghetti Bolognese gebraucht hat, interessiere Kinder nicht und das müsse sie auch nicht interessieren. "Kinder haben ein Recht auf 'Versorgt werden' und Gesundheit. Für die Eltern sollte folgende Haltung gelten: 'Ich koche für mich und lade dich (mein Kind) ein!'" Mit dieser Haltung seien die Eltern dann auch nicht so "beleidigt", wenn das Kind nicht essen würde! „Kinder sind Gäste, die nach dem Essen fragen…“

11. "Wir dürfen das essen, weil wir erwachsen sind"

An der Aussage ist nicht alles verkehrt, sagt Gätjen, aber das gelte nur für Kaffee und Alkohol. Wenn Eltern nicht möchten, dass ihre Kinder etwas essen, dann sollten sie es auch nicht essen und auch nicht im Haus haben – also einkaufen! "Erwachsene wollen, dass Kinder ihnen vertrauen, dass kann aber nicht gelingen, wenn Eltern ihre Kinder anlügen. Das ist ein Vertrauensmissbrauch."

12. "Ich esse nachher, aber ich habe extra etwas anderes für dich gekocht"

"Das geht gar nicht!" Gätjen sagt, dass es darum ginge eine Essensgemeinschaft aufzubauen und zu leben, damit Kinder beim Essen, nicht nur physiologisch, sondern auch emotional satt werden könnten. "Das geht nicht, wenn sie allein essen! Und…, Kinder tun das, was wir tun, nicht was wir sagen."

13. "Am Tisch wird nicht gezappelt!" 

Ganz wichtig an dieser Stelle: "Das 'nicht' wird nicht gehört! Das Kind wird einen Grund haben, weshalb es nicht sitzen möchte." Anstatt das Kind anzumeckern, empfiehlt Gätjen, dass die Eltern herausfinden sollten, warum das Kind nicht sitzen bleiben möchte? Meistens liege es daran, weil es keinen Hunger hat und zwischendurch zu viel gegessen hat, oder weil die Atmosphäre am Tisch nicht angenehm ist.

14. "Wenn du nicht aufhörst, dann geht es ab ins Bett!"

Hinter dieser Erpressung stecke keine logische Folge. Gätjen meint, es geben keinen Grund so etwas zu sagen und auch keine "bessere" Alternative. "Mit Essen sollte nicht bestraft und nicht belohnt werden! Schlafen gehen und das Bett sollten ihrer Meinung nach positiv behaftet werden und in schöne Zusammenhänge gebracht werden. 

15. "Du sollst essen und nicht reden"

"Nein, bloß nicht das Reden am Tisch verbieten! Essen ist Kommunikation und Bildungszeit." Der Austausch und das Zusammensein sei wertvolle Familienzeit, die man, wenn möglich, miteinander verbringen sollte. 

16. "Mit Essen spielt man nicht!"

Das sieht die systemische Paar und Familientherapeutin anders. Das Essen zu erleben, sei sogar wichtig für die Entwicklung: "Doch, wenn es darum geht, das Essen zu erkunden, also zu entdecken, dann dürfen Kinder es mit allen Sinnen erfahren. Diese Sinneserfahrung mit dem Essen sollte aber zweckdienlich sein, also die Lebensmittel zu entdecken, um sie kennen und unter Umständen auch essen zu lernen.

17. "Zur Belohnung gibt es Schokolade!"

Achtung mit solchen Botschaften, auf diese Weis Druck auf Kinder auszuüben, sei falsch. "Mit Essen wird nicht belohnt!" Eine optimale Formulierung könnte so lauten: "Lust auf ein Stück Schokolade? Ich auf jeden Fall."

Fazit: Wenn ihr in der Vergangenheit, die eine oder andere Formulierung vielleicht aus der Sorge heraus schon mal gesagt habt – was auch sehr verständlich ist, könnt ihr sie nun überdenken und entscheiden, ob ihr ab jetzt nicht nur eure Kinder, sondern auch euch selbst am Esstisch beobachten wollt. Worauf es laut Gätjen bei einer optimalen Kinderernährung ankommt: "Selbstbestimmt, gesundheitsförderlich, genussvoll essen und essen lernen. Es ist wichtig, den Kindern zu vertrauen, damit sie sich selbst vertrauen können!"

ELTERN

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