Hilfe, mein Mann macht Haushalt!

"Mein Mann macht im Haushalt gar nichts!". Das kennt man ja. Unsere Autorin hingegen findet: Das ist Jammern auf höchstem Niveau. Denn die echten Probleme tauchen erst auf, wenn der Mann ein übermotivierter Haushaltsoptimierer ist.

Mann Hausarbeit
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Ich gebe zu, ich protze manchmal mit meinem Mann rum. Das kann man gut mit ihm. Es ist ein erhabenes Gefühl, aus purem Neid gehasst zu werden. Ich erzähle dann, dass mein Mann samstagmorgens um 8 Uhr gerne staubsaugt, dass er abends vor dem Fernseher kein Bier trinkt, sondern die Wäsche unserer fünfköpfigen Familie faltet. Ich tue das, weil es mich irgendwie belustigt, wie geil das alle finden. Und gleichzeitig frage ich mich: Sagt mal, habt ihr überhaupt gehört, was ich gerade gesagt habe? Ist euch klar, dass der ernsthaft samstagmorgens um 8 Uhr staubsaugt oder ist die Botschaft im Rauschen der Staubsauger-Fantasien untergegangen? Der Punkt ist ja nämlich, dass die anderen um diese Zeit gemütlich zusammen am Frühstückstisch sitzen und Kaffee trinken. Das gibt es auch bei uns. Und zwar ungefähr für fünf Minuten. Dann gibt es wieder irgendwas zu tun, denn mein Mann ist ein Haushaltsoptimierer. Ich gehöre auch ein bisschen zum Haushalt. Nur dass ich nicht optimierbar bin. Finde ich. Er sieht das anders. 

"Kann das weg?"

Ja, ich bin ein Chaot. Kochen ist für mich ein kreativer Prozess, der ungemein gestört wird von Tätigkeiten wie Abwaschen, Spülmaschine bestücken oder Kartoffelschalen von der Arbeitsplatte kratzen. Wenn ich koche, dann gerate ich in einen Zustand der völligen Entspannung, in dem kein Platz für Effektivität oder Sinnhaftigkeit existiert. Nach dem Essen räume ich dann auf. Macht mich jetzt nicht glücklich, aber ist halt so. Meinen Mann macht das alles wahnsinnig. Während ich schnipsel und brate, räumt er panisch hinter mir her. Sätze wie "Brauchst du das noch?" oder "Kann ich das schon mal wegräumen" wurden auf Grund stoischer Ignoranz meinerseits durch wortloses Handeln seinerseits ersetzt. Er räumt mittlerweile halt einfach weg. Ich drehe mich einmal um, zack, ist das Messer in der Spülmaschine. Ich salze nach, derweil verschwindet wie von Zauberhand der Pfeffer im Regal. Was gar nicht geht: Den Raum verlassen. Ich habe es noch nicht ausprobiert, aber ich fürchte, in der Zwischenzeit könnte er auch die Lasagne wegschmeißen, weil sie irgendwie unordentlich aussieht.

Die Beschriftungsmaschine

Letztes Jahr hat er sich eine Beschriftungsmaschine gekauft. Damit hat er in allen Kleiderschränken und Kommoden die einzelnen Fächer beschriftet. Unterwäsche, Socken, T-Shirts... Selbst ein Fremder könnte in unserer Wohnung aufräumen. Klingt gar nicht mal so schlimm, wenn mein Mann nicht zu Exzessen neigen würde. Selbst die Kommode mit der Bettwäsche ist in Unterkategorien eingeteilt. Spannbettlaken, Allergiebezüge, Kinderbettwäsche groß, Kinderbettwäsche klein. Als auf unserem Bett ein Klebi auftauchte, auf dem "Ehebett" stand, habe ich die Maschine versteckt. Ich hab sie einfach ganz unten in die Schublade mit der Aufschrift "Schminkutensilien" gepackt. Nicht dass ich irgendwann mal mit Etikett auf der Stirn aufwache, auf dem "Prototyp Ehefrau" steht.

Der Kistenwahn

Ich hätte es wissen müssen, an dem Tag, an dem wir zusammenzogen. Ich habe die zwanzig durchsichtigen Plastikkisten gesehen und mir aus unerfindlichen Gründen nichts dabei gedacht. Bei jedem Baumarktbesuch kommt eine weitere hinzu. Und so sahen drei Kinder und eine Frau (ich) entsetzt dabei zu, wie selbst die Kuscheltiere im staubfreien Plastikparadies verschwanden. "Wäre der kleine süße Seehund denn nicht schön als Deko?", wage ich einen Vorstoß. "Also hör mal, den kann man doch durch das Plastik sehen", antwortet mein Mann verständnislos. Ich sehe dem kleinen Seehund in die an der Plastikwand eingedrückten traurigen Augen und denke: Genau das ist ja das Problem.

Die Sache mit den Feuchttüchern

Seit wir Kinder haben, putzt mein Mann auch gerne das Bad. Er hat die Feuchttücher für sich entdeckt. Er putzt damit das Waschbecken, die Toilette, die Armaturen, die Dusche, die Spiegel. "Das Leben ist so viel einfacher mit Feuchttüchern", findet er. Ich finde das nicht. Ich bin mir nicht sicher, ob er den weißmilchigen Schleier auf den Spiegeln nicht bemerkt oder nicht bemerken will. Vielleicht denkt er auch immer noch, dass der Schleier nur fünf Minuten da ist und danach verschwindet. Tut er ja auch, weil ich nachputze. Ich habe schon mal drüber nachgedacht, ob er sich auf diese Weise für mein Kochchaos rächen will oder geheime Verträge mit unserer Feuchttüchermarke geschlossen hat. Eine andere Erklärung gibt es für mich nicht. Tief in einer schwarzen Ecke meiner Seele feiere ich es aber ein bisschen, dass er wenigstens das nicht kann. Auch wenn er es denkt. ICH weiß, wenigstens DAS kann ich besser.

Eine Woche Amerika und alles lief rund

Als unser Kleinster zwei Jahre alt war, bin ich zum ersten Mal ohne Kinder weggefahren. Ich war eine Woche in Amerika bei einer Freundin. Ich fühlte mich wie eine Verräterin, denn ich war mir sicher, dass das System völlig zusammenbrechen würde ohne mich, so wie man das eben aus den Erzählungen der anderen kennt. Als ich nach einer Woche wiederkam, erwartete ich heilloses Chaos, quengelnde Kinder und Hemden mit Brandlöchern. Ich hätte es besser wissen müssen. Schließlich war ich mit Superman verheiratet, dessen einzige Schwäche Feuchttücher waren. Alles lag aufgeräumt an seinem Platz, die Kinder spielten Playmobil, während ihr Vater summend an einer Nähmaschine saß. An einer Nähmaschine!!! Hatte er sich selbst beigebracht. Mit YouTube. Weil ich ja irgendwie nie Zeit gefunden hatte, die Gardinen zu nähen aus dem Stoff, der mir so gut gefallen hatte. Ich brach spontan in Tränen aus. Mein Mann verstand die Welt nicht mehr. Er habe das doch für mich gemacht, damit ich es schön habe, wenn ich wiederkomme. Und außerdem habe unser Sohn jetzt keine Angst mehr vor Shampoo und unsere Tochter habe gelernt, durchzuschlafen in der Woche. Das sei doch wohl kein Grund zu weinen.

Ich war das Problem, nicht er

In diesem Moment begriff ich, warum ich es hasste, einen Mann zu haben, der Hausarbeit macht und das auch noch gut. Ich fühlte mich bedroht. Ich hatte mich immer für eine emanzipierte Frau gehalten, aber irgendwie steckte die traditionelle Rollenverteilung tiefer in mir drin, als ich dachte. Tatsächlich war es immer darum gegangen, dass ich mich wie eine schlechte Frau fühlte, nur weil mein Mann ordentlicher, reinlicher und effizienter war, wenn es um den Haushalt ging. Ich gestand ihm, dass ich irgendwie gehofft hatte, dass ohne mich nichts klappt. Es war einfach nur die Sehnsucht danach, gebraucht zu werden. Dass ohne mich nichts lief, so wie das die anderen erzählten, wenn sie auch nur fünf Stunden aus dem Haus gingen. Mein Mann nahm mich in den Arm, lachte und zeigte mir dann eine SMS von unserem Nachbarn: "Wann kommt deine Frau endlich wieder? Ich hab keinen, mit dem ich Bier trinken und rumpöbeln kann." Ich musste mitlachen. Dann bin ich direkt mal auf ein Bierchen rübergegangen, um über meinen Mann zu pöbeln. Als ich wiederkam, war unser Bett neu beschriftet. Er hatte die Maschine wiedergefunden. Auf dem Etikett stand jetzt: "Schlafplatz der wunderbaren Frau, die besser trösten, pöbeln, mitfühlen, ohne Feuchttücher putzen und über Gefühle reden kann als ihr Mann". Und abends sagte mir meine Tochter, dass sie froh ist, dass ich wieder da bin, weil ich viel mehr quatschig bin als Papa. Jeder hat eben andere Talente. Auch wenn sie manchmal nicht zum Geschlecht passen. 

Dieser Artikel ist zuerst erschienen bei BRIGITTE.de.

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