6. Dezember
 
Heute kommt der Nikolaus. Aus!

Stiefel raus, Geschenke rein. Nett. Aber bitte mit der richtigen Geschichte. Bayern, Österreicher und ein paar sonst wo versprengte Katholiken kennen ihren Nikolaus. Für alle anderen hier eine leidenschaftliche Ehrenrettung des heiligen Mannes.

&. Dezember - das Aus für Nikolaus
iStock, hansslegers

Wer heute kommt und die Kinder beschenkt, ist der Nikolaus. Der Nikolaus! Mit Bischofsstab und Mitra (so heißt der heilige Hut, der mit der weißbebommelten Zipfelmütze so viel zu tun hat wie der Osterhase mit der Auferstehung). Ein für allemal: Der Nikolaus ist kein Weihnachtsmann. Nie und nimmer. Die Schokoladenhohlkörper in rotem Silberpapier sind niko-lausige Mogelpackungen. Sie können gern an Kinder verschenkt werden, die an den Weihnachtsmann glauben. Aber niemals am 6. Dezember. Am Nikolaustag muss es ein Bischof sein. Ein bekannter lila Schokoladenhersteller befüllt den alpenländischen Markt übrigens mit essbaren heiligen Männern. Sehr lecker, der Biss in die Spitze der Mitra.
Weil die nikolausige Heiligkeit in den dunklen Nächten unterwegs ist, sind seine Begleiter düster mystische Gestalten. Verkörperungen des Angst einflößenden Winters. Nikolaus und Krampus gehören zusammen wie Knecht Ruprecht und Weihnachtsmann (aufgepasst: NICHT am 6. Dezember unter die Leute schicken!).
Aber Krampus, vulgo Teufel, verhält sich zu Ruprecht wie echter Horror zu Tatort. Krampus trägt Hörner und Bocksfuß, schwarzes Fell und eine Kiepe, in die unartige Kinder gesteckt werden. Früher, früher. Keine Sorge. Auch in den Alpen ist die schwarze Pädagogik passé. Es gibt nur artige Kinder. Krampus wird nicht vorgelassen, wenn Nikolaus die Kinder besucht.
Wer genau wissen möchte, wer denn dieser Nikolaus nun war, hier ein kleiner Auszug aus der Heiligenlegende.
 
Nikolaus von Myra wurde im Alter von 19 Jahren zum Priester geweiht und als Abt in einem Kloster eingesetzt. Als seine Eltern an der Pest starben, erbte Nikolaus ihr Vermögen und verteilte es an Arme: Er soll mehrere junge Frauen heimlich mit Geld versorgt haben, das er durchs Fenster warf oder durch den Kamin in die darin aufgehängten Socken. Das sorgte für eine ausreichende Mitgift und verhinderte, dass der Vater seine Töchter zur Prostitution hergeben musste;  deshalb gilt Nikolaus als Geber guter Gaben und Freund der Kinder.
 
Harter Stoff für kleine Kinder. Aber das mit dem verhinderten Verkauf der Töchter an Freier kann man ja einfach weglassen. Nett genug, wenn Nikolaus Geld durchs Fenster wirft. Rein, nicht raus.