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So viele wie seit Jahren nicht mehr Jedes fünfte Kind in Deutschland ist von Armut betroffen

Jedes fünfte Kind in Deutschland ist von Armut betroffen
© Andrii / Adobe Stock
Nach einer Anfrage der Linksfraktion beim Bundesarbeitsministerium ist die Kinderarmut in Deutschland auf einem neuen Höchststand. Jedes fünfte Kind ist betroffen.

Über die vergangenen Jahre ist der Zahl der armen oder von Armut bedrohten Kinder in Deutschland deutlich gestiegen, das geht aus Zahlen der Bundesregierung hervor. Die "Augsburger Allgemeine" Zeitung berichtet jetzt, dass die sogenannte Armutsgefährdungsquote im vergangenen Jahr bei 20,8 Prozent lag – der höchste Stand seit Jahren, das geht aus einer Antwort des Bundesarbeitsministeriums auf die Anfrage der Linksfraktion hervor.

Jedes fünfte Kind ist von Armut betroffen

Zuletzt waren laut Mikrozensus 2015 mit 19,7 Prozent und 2020 mit 20,4 Prozent ähnlich hohe Zahlen verzeichnet worden. Insgesamt sind nach Angaben des Statistischen Bundesamtes in Deutschland etwa 13 Millionen Menschen armutsgefährdet. Das entspricht 15,8 Prozent der Bevölkerung. Nach EU-Definition gilt eine Person dann als armutsgefährdet, wenn sie weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Einkommens der Gesamtbevölkerung zur Verfügung hat.

Jedes fünfte Kind ist von Armut bedroht, was aber zum Glück nicht bedeutet, dass jedem fünften Kind die Obdachlosigkeit droht. Vielmehr bedeutet es, dass viele Minderjährige keine warmen Mahlzeiten erhalten, kein Taschengeld bekommen, Theater- und Kinobesuche nicht stattfinden und an Klassenfahrten nicht teilgenommen werden kann. Schaut man auf den Ost-Westvergleich, dann ist im Osten sogar jedes vierte Kind von Armut betroffen. Grund der Kinderarmut: geringer Verdienst oder Arbeitslosigkeit der Eltern.

Die aktuelle Inflation und Energiekrise wird die Lage von Kindern verschärfen

Die aktuelle Inflation und Energiekrise treffen die unteren Einkommensschichten zwei bis dreimal so stark wie Menschen mit mittlerem und hohem Einkommen. Die vom Finanzministerium geplante Kindergelderhöhung ab 2023 reicht aus Sicht der grünen Familienministerin Lisa Paus nicht einmal dafür aus, die Inflation von knapp acht Prozent auszugleichen. Expert:innen gehen davon aus, dass die derzeitige Krise die Situation von Kindern in armen Familien drastisch verschlechtern könnte.

Dem schließt sich auch Linkenfraktionschef Dietmar Bartsch an und warnt: "Mit der Inflation und den explodierenden Energiepreisen droht ein weiterer massiver Anstieg der Kinderarmut." Er fordere daher einen "Schutzschirm für Familien in Deutschland" und "eine armutsfeste Kindergrundsicherung".

Wegen fehlender Finanzierung: Die Kindergrundsicherung lässt auf sich warten

Die Bundesregierung arbeitet im Hintergrund bereits daran, die Kinderarmut einzudämmen. Das Ziel ist eine Kindergrundsicherung, diese wurde bereits im Regierungsvertrag verankert. Ziel ist eine deutliche Vereinfachung und Bündelung der Ansprüche von Kindern. Aktuell existiert eine sehr unübersichtliche Menge an Einzelmaßnahmen. Es profitieren vor allem die Familien von den Leistungen, die sich eine:n Finanzberater:in leisten können, der oder die genau erklärt, wie man sich durch den Antragsdschungel manövriert.

Das Problem mit der Kindergrundsicherung ist wie immer ein finanzielles. Laut dem Institut der deutschen Wirtschaft würden die Pläne der Grünen für eine Kindergrundsicherung den Staat 20 Milliarden Euro pro Jahr kosten. Daher ist aktuell nur von kurzfristigen Entlastungspaketen die Rede und nicht von langangelegten Systemreformen.

Verwendete Quellen: zeit.de, tagesschau.de, mdr.de

slr ELTERN

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