Wenn Mütter shoppen
 
"Ich bin nur mal kurz in der Kinderabteilung..."

Unsere Autorin hat schon oft versucht, so wie früher shoppen zu gehen. Am Ende lässt sie die meiste Kohle in der Kinderabteilung. Und zwar immer! Warum das so ist? Sie hat da eine Theorie.

Mutter und Tochter bein Einkaufen
iStock, SerhiiBobyk
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Heute will ich es schaffen. Ich bin komplett motiviert. Werde an den Ständern mit all den kleinen Stramplern und Söckchen erhobenen Hauptes und vor Desinteresse strotzend vorüberziehen. Heute wird es klappen, da bin ich mir sicher. 

Ich setze mich in Bewegung. Passiere das H&M Schaufenster, ohne die glitzernden Paillette-Shirts für Dreijährige auch nur für den Bruchteil einer Sekunde zu beachten. Oh ja, ich bin gut. Ich kann das. Und zwar easy. Stolz schreite ich mit der Stoik eines frisch gebackenen Nichtrauchers, der vor fünf Minuten sein Laster abgestreift hat, an Zara vorbei. Jahaaa, sogar an Zara. Wenn ich das geschafft habe, ist es amtlich: Heute wird es anders enden. Ich werde Blusen kaufen. Und Bikinis. In Größe 42. Chacka!

Der Traum vom unkomplizierten Shopping

Ich habe mir heute Urlaub genommen vom Mama sein. Das muss ich ab und zu, sonst werde ich völlig irre in all dem Wahnsinn, den Kinder mit sich bringen. Und dann geh ich meist erstmal shoppen, so wie heute. Beziehungsweise: Ich versuche es. Die Sache mit den Babypfunden ist bei mir nämlich noch nicht ganz so ausgestanden und daran muss man sich echt erstmal gewöhnen. Immer wieder stell ich mir dieses erhabene Shoppinggefühl von früher vor, dieses Ich-hab-was-neues-und-bin-umwerfend-Feeling.

Als ich Profi für dieses Gefühl war, hab ich aber auch noch in Jeans gepasst, auf denen nicht "Shaping" im Bündchen stand. Und so stehe ich also immer wieder in makellos ausgeleuchteten Umkleiden, hüpfe mich verzweifelt in Hosen, die eine Nummer zu klein sind, und versuche mich daran zu gewöhnen, dass meine Körbchengröße sich langsam der von Pam annähert. Ganz ohne OP. Wie schön. Aber heute, heute werd ich das durchstehen!

Nach dem Frust kommt die Kinderabteilung

Das dachte ich zumindest. Nach einer halben Stunde steh ich wieder in der Kinderabteilung. Packe eine neue Strumpfhose, ach, egal, ich nehm gleich zwei, in Größe 104 ein, kuschle schockverliebt mit dem süßen Schlafanzug, finde eine herzzerreißend niedliche Blumenbluse und lege all das ohne Nervanprobe über den Unterarm.

Dann fällt mir ein, dass alle Socken Löcher haben und die Unterhosen der Kleinen längst kneifen. Geht gar nicht. Muss man ändern. Das sagt zumindest mein Kleinhirn und schon gehen 93,67 an Hennes und Mauritz. Ja, verdammt, ich bin zurückgegangen zu H&M und ich schäme mich nicht. Sucht ist Sucht. Ich bin unschuldig.

Warum können Mütter nicht an sich denken?

Übrigens bin ich mit dieser komischen Sucht gar nicht alleine. Eltern sind unter Werbetreibenden als die kaufkräftigste Zielgruppe bekannt. Für die Kleinsten kaufen Eltern nur vom Feinsten. und viel. Sie kaufen sehr, sehr viel, Es liegt also gar nicht nur an meinem XL-Oberschenkelfrust, sondern wohl einfach in der Natur aller Mütter. Vögelmamas würgen Würmer wieder hoch, die sie selber gerne verdaut hätten, Löwen schlachten für Ihre Kleinen das arme Gnu und wir laufen eben mit gierig hängender Zunge durch die Kinderabteilungen diverser Modehäuser.

Mama bleibt Mama

Wer das Phänomen kennt, kann es übrigens für sich nutzen. Wenn man einfach mal wieder mit der eigenen Mama shoppen geht, merkt man nämlich ganz schnell, dass der Für-die-Kinder-shoppen-Instinkt niemals stirbt. Plötzlich hat man einen neuen Regenmantel, einen Pam-BH mehr und zwei Hosen, in denen "Shaping" auf dem Bündchen steht. In XL, aber Mama sieht so verliebt aus, dass man es ihr einfach glaubt. Klar bin ich schön, und Shaping Jeans sind super!

Einziger Wermutstropfen: Der Mutterinstinkt bleibt auch den Enkeln nicht verwehrt, Wenn es ganz schlecht läuft, endet ihr, deine Mutter und du,  am Ende doch zu zweit in der Kinderabteilung. Und dann wird es doppelt so schlimm. In diesem Fall hilft echt nur ein Sektfrühstück vorher. Denn Alkohol trügt die Instinkte. Und das ist beim Shoppen echt hilfreich. Vor allem, wenn man gerade Mama-Urlaub macht.

Dieser Artikel ist zuerst erschienen bei BRIGITTE.de.

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