Alles gut!
 
Warum es ok ist, weniger Zeit mit den Kindern zu verbringen

Immer dieses schlechte Gewissen... Mütter sind in Sachen Selbstzweifel unschlagbar. Dabei ist das überhaupt nicht nötig. Denn erstens verbrachten Eltern nie so viel Zeit mit den Kindern wie heutzutage, und zweitens gilt sowieso: Weniger ist manchmal mehr.

Mutter und Kind im Park beim Fahrradfahren
iStock, evgenyatamanenko
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Es klingt verrückt und unglaublich, aber es ist wahr: Wir, die Working Mums, die Alles-Versucher, die Sich-selbst-Zerreißer, die wir nie zufrieden sind mit uns, wir verbringen mehr Zeit mit unseren Kindern als je eine Generation zuvor. Um genau zu sein, nehmen sich Frauen heutzutage sogar doppelt so viel Zeit für ihre Kinder wie Mütter in den 70ern. Väter verbringen sogar dreimal so viel Zeit auf Spielplätzen, am Wickeltisch und auf dem Fußboden vor Playmobilschlössern wie ihre Väter. Das besagt eine amerikanische Studie. Warum es gefühlt genau andersherum ist? Weil wir nur abgespeichert haben, dass es uns nie an Zeit mit den Eltern gemangelt hat. Darum glauben wir, unsere Eltern seien ständig um uns herum gewesen. Doch das stimmt nicht, Kinder brauchen bloß gar nicht so viel Zeit mit ihren Eltern wie wir das glauben. 

Qualität vor Qantität

Mal ganz davon abgesehen, dass wir eh schon vergleichsweise viel mit unseren Kindern machen, ist Zeit laut Studie auch gar nicht der entscheidende Faktor für ein gesundes Aufwachsen von Kindern. Wieviel Zeit Eltern mit ihren Kindern im Alter zwischen 3 und 11 Jahren verbrachten, hat laut Studie kaum einen Einfluss auf das Verhalten, das emotionale Wohlbefinden und die schulische Laufbahn des Nachwuchses. WIE wir die Zeit mit unseren Kindern verbringen, ist hingegen sehr wichtig. 

Entspannte Eltern haben entspannte Kinder

Der Washington Post sagte Kei Nomaguchi, ein an der Studie beteiligter Soziologe der Bowling Green State University, dass Zeit mit den Eltern unter Umständen sogar schädlich sein kann für Kinder. "Vor allem, wenn Mütter durch das Jonglieren von Arbeits- und Familienzeit gestresst sind, kann das schlechte Auswirkungen auf die Kinder haben". Wir haben es immer geahnt... Also lieber eine Stunde mehr in der Kita buchen und dann entspannt in die gemeinsame Zeit starten, anstatt sich vom schlechten Gewissen stressen zu lassen? Klingt gar nicht mal so verkehrt. Dieser Meinung sind übrigens auch renommierte Pädagogen und Familienberater. "Entspannte Eltern haben entspannte Kinder", ist sich zum Beispiel Familientherapeut und Autor Mathias Voelchert sicher. "30 Prozent weniger Fürsorge täte manchmal allen Beteiligten gut." Allein der Satz macht irgendwie entspannter, oder nicht? 

Dieser Artikel ist zuerst erschienen bei BRIGITTE.de.

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