Interview mit Madame Moneypenny
 
Frauen, nehmt eure Finanzen selbst in die Hand!

ELTERN-Autorin Eva Lehnen sprach mit Madame Moneypenny alias Natascha Wegelin über die Notwendigkeit, sich um die eigene Altersvorsorge zu kümmern.

Interview mit Madame Moneypenny: Frauen, nehmt eure Finanzen selbst in die Hand!
iStock, alubalish

Vor welchen Fehlern möchtest du junge Mütter bewahren?
Dass sie das Thema Finanzen beiseiteschieben oder dem Partner überlassen. Es ist so wichtig, eigenständige Entscheidungen für sich und die Familie
treffen zu können. Hochrechnungen zufolge wird bei bis zu drei Viertel der heute 35- bis 50-jährigen Frauen die gesetzliche Rente unter dem heutigen Harz-IV-Niveau liegen – bei unter 400 Euro im Monat! Das betrifft auch die Mittelschicht.

Wenn es nur nicht so kompliziert wäre, das leidige Geldthema anzugehen …
Der Witz ist: Eigentlich ist es das gar nicht. Man muss auch nicht besonders gut mit Zahlen können. Es reicht, ein bisschen weniger bequem zu sein.

Wie fange ich am besten an?
Wie bei allen nachhaltigen Veränderungen im Leben gilt: Es geht darum, einen Prozess in Gang zu setzen. Das Schwierigste ist immer der Anfang. Lest Bücher zum Thema, hört Podcasts, schaut YouTube-Videos oder besucht ein Seminar!

Zeitaufwendiger ist es, einmal den eigenen finanziellen Status quo zu bestimmen – für dich eine Grundvoraussetzung, um sich überhaupt sinnvoll um die Finanzen kümmern zu können. Wie gehe ich am besten vor?
Woran kein Weg vorbeiführt: Vermögenswerte, Einkünfte und Ausgaben müssen einmal alle aufgelistet werden. Das ist Fleißarbeit. Fangt am besten mit den Fixkosten wie z. B. Versicherung, Miete, Strom, Handy an. Die variablen Kosten wie Kleidung, Lebensmittel, Transport, Freizeitgestaltung lassen sich gut mithilfe der Banking-Apps nachvollziehen, sofern ihr viel mit EC-Karte zahlt. Es kommt dabei nicht auf jeden Cent an, es geht darum, Kontrolle zu bekommen.

Wenn man sich einen Überblick über die eigenen und die Familienfinanzen verschafft hat – wie bekommt man mit dem Partner eine vernünftige, transparente Planung hin?
Zuerst einmal: Redet miteinander! Mein Eindruck ist: Ausführliche Gespräche zum Thema Familienfinanzen finden viel zu selten statt. Besprecht vor allem, wie Ihr einen finanziellen Ausgleich für denjenigen hinbekommt, der babybedingt erst mal weniger verdient. Meist ist das ja die Frau.

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Wie sollte der Ausgleich aussehen?
Wenn eine Frau mit Vollzeitjob vor der Familiengründung beispielsweise monatlich 500 Euro in die gesetzliche Rentenkasse gezahlt hat, nun aber gar nicht oder weniger arbeitet, braucht sie Geld, um entweder freiwillig weiter in die Rentenkasse einzahlen oder privat vorzusorgen zu können.

Aber woher soll eine junge Familie, der ein zweites volles Gehalt ganz oder teilweise fehlt, 500 Euro nehmen?
Klar, was nicht möglich ist, ist nicht möglich. Aber vieles ist schon auch eine Frage der Prioritäten. Wer sich hinsetzt und rechnet, kommt vielleicht auch zu dem Schluss, dass es sinnvoll ist, nach der Babypause doch schneller als geplant wieder in den Beruf einzusteigen oder lieber 25 als 20 Stunden zu arbeiten.

Die Entscheidung, viel Zeit mit dem Baby verbringen zu wollen, findest du grundsätzlich falsch?
Das muss jede Mutter selbst entscheiden. Natürlich will ich nichts vorschreiben. Worum es mir geht: Keine Frau soll in ein finanziell nachteiliges Lebensmodell reinschlittern, sondern ihre Entscheidungen bewusst treffen und finanziell so gut durchdacht haben, dass sie sie später nicht bereut.

Einer deiner ganz praktischen Ratschläge für ein kluges, finanzielles Zusammenleben ist das Drei-Konten-Modell. Wie funktioniert das?
Man richtet ein Gemeinschaftskonto ein, auf dem zunächst alle Einkünfte wie Gehalt und Elterngeld landen. Von diesem Konto wird dann alles Gemeinschaftliche von der Miete bis zu den Windeln bezahlt. Zusätzlich behält jeder aber auch ein eigenes Konto. Darauf bekommt jeder monatlich einen festen Betrag zur freien Verfügung. Auch der finanzielle Ausgleich für denjenigen, der sich mehr ums Kind kümmert, fließt aufs. entsprechende Konto.

Du empfiehlst, regelmäßig zu Beginn eines Monats per Dauerauftrag Rücklagen zu bilden. Warum nicht erst am Monatsende, wenn man einen Überblick hat, was wirklich übrig ist?
Die Wohnungsmiete zahlt man ja auch zu Monatsanfang, genauso wichtig sollte man die Bildung eigener Rücklagen auch nehmen. Zu groß ist sonst. die Gefahr, am Monatsende dazustehen und zu sagen: „Ist leider nichts mehr da.“

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Wie würdest du das Geld anlegen?
Die Zinsen auf einem Tagesgeldkonto sind ja nicht gerade üppig. ETFs, also Exchange Traded Fundes, sind eine gute Möglichkeit: passive Fonds, die verschiedene Börsen-Indizes nachbilden und sich hervorragend eignen, um langfristig, breit gestreut, kostengünstig und mit wenig Aufwand zu investieren. ETF–Sparen über Online-Broker ist schon ab 25 Euro pro Monat sinnvoll. Damit kann man innerhalb von 30 Jahren schon 40 000 Euro machen, innerhalb von 40 Jahren sogar knapp 70 000 Euro. Und: Mit ETFs hat man kaum Zeitaufwand.

Hört sich an, als wären ETFs echte Wundermittel?
Das sicherlich nicht, aber für Privatanlegerinnen sind sie die beste Möglichkeit, relativ entspannt Vermögen aufzubauen.

Was, wenn man von Börse keine Ahnung hat?
Selbst die größten Börsenspezialisten können keine Kurse vorhersehen. Fakt ist aber: Breit aufgestellte und langfristige Aktieninvestitionen haben in den vergangenen Jahrzehnten eine Rendite von acht Prozent pro Jahr hingelegt – vor Kosten und Steuern. Historisch gesehen ist die Chance niedrig, bei einem Anlagehorizont von 15 Jahren mit Aktien Verlust zu machen. Damit man so lange durchhält, ist es wichtig, nur Geld zu investieren, das man mindestens mittelfristig nicht braucht.

Es ist nicht allzu lang her, da hattest du selbst vom Thema Finanzen wenig Ahnung. Warum hast du dich in das Thema so hineingekniet?
Weil ich einen ziemlich teuren Aha-Moment hatte. Vor einigen Jahren habe ich mir von einer Finanzberaterin, die auf Provisionsbasis arbeitet, eine private Rentenversicherung aufquatschen lassen. Nachdem ich drei Jahre lang monatlich 300 Euro eingezahlt hatte, ohne zu wissen, wofür genau, habe ich angefangen, die Verträge genauer zu lesen.

Und die hast du verstanden?
Natürlich nicht. Also habe ich mir noch mal Beratung gesucht, diesmal aber bei einer unabhängigen Finanzberaterin. Die hat mir klargemacht, welchen Mist ich unterschrieben hatte. All das Geld, dass ich in die Versicherung eingezahlt hatte, floss nur zum Teil in meine Altersvorsorge, ein erheblicher Teil waren Gebühren. Im Kleingedruckten stand das zwar, aber das hatte ich bei Abschluss natürlich nicht so genau gelesen.

Wie ging es weiter?
Ich habe den Vertrag gekündigt und den Rückkaufwert, etwa 60 Prozent der eingezahlten Beträge, zurückbekommen. Die anderen 40 Prozent, einige Tausend Euro, waren futsch. Das war schmerzlich. Danach hast du Schritt für Schritt begonnen, dich schlauzumachen. Wenn man den Hebel einmal umgelegt und entschieden hat, das Thema anzugehen, ist es wirklich nicht schwer und macht Spaß. Finanzen sind Fakten, Daten, Informationen. Es gibt keine komplexe Mathematik, keine komplizierten Zusammenhänge oder geheimen Logiken. Mit ein wenig Einsatz kann man so viel ändern. Und das Beste ist: Wer seine Finanzen in die Hand nimmt, bekommt jede Menge Selbstbewusstsein und Power für die anderen Herausforderungen des Lebens dazu.

LIEBER AUF HONORAR

Unabhängige Finanzberater leben nicht von Provisionen, sondern arbeiten auf Honorarbasis. Unabhängige Finanzberatung gibt es bei den meisten Verbraucherzentralen oder beim „Verbund deutscher Honorarberater“. Kosten bei einem freien Berater: etwa ab 100 Euro die Stunde.

Über Madame Moneypenny

Interview mit Madame Moneypenny: Frauen, nehmt eure Finanzen selbst in die Hand!
© Jacqueline Häußler
Natascha Wegelin

Natascha Wegelin, Jahrgang 1985, ist Unternehmerin und Privatanlegerin. Seit 2016 betreibt sie den Blog madamemoneypenny.de, um gezielt Frauen über finanzielle Unabhängigkeit zu informieren. Zu dem Thema hat sich auch ein Buch geschrieben: „Madame Moneypenny – Wie Frauen ihre Finanzen selbst in die Hand nehmen können“, Rowohlt Taschenbuch, 10,99 Euro.