NonHoddgkinLymphom
 
Noemi kämpft gegen den Krebs

Deborah, 28, und Eugen, 29, freuten sich auf ein freies Aussteiger-Leben gemeinsam mit ihren Kindern Levi, 4 Jahre, und Noemi, 15 Monate. Doch dann erkrankt ihre kleine Tochter an einem bösartigen Krebs, genannt NHL (NonHodgkinLymphom) – und auf einmal ist nichts mehr, wie es war.

Noemi
Katrin Binner

Glücklich, selbstbestimmt und frei

Nach jedem Winter kommt ein Frühling: Daran halten sich Noemis Eltern fest, als ihre kleine Tochter blass und abgeschlagen wirkt nach all den Infekten über Weihnachten und Neujahr. Die Frühlingssonne soll nicht nur die Farbe in Noemis Gesicht zurückbringen, sondern auch die Zukunftspläne der Familie vorantreiben: Sobald das Wetter gut wird, wollen sie gemeinsam einen alten Zirkuswohnwagen so herrichten, dass sie zu viert darin leben können. Glücklich, selbstbestimmt und frei, im Einklang mit der Natur. Ihr Mietvertrag ist schon gekündigt, nichts steht ihrem Lebenstraum mehr im Weg. 

Gemeinsam stark für Noemi

Dann bekommt Noemi hohes Fieber. Der Kinderarzt schickt die Eltern ins Krankenhaus zur Blutkontrolle. Als die Werte da sind, werden plötzlich alle ganz hektisch. Noemi bekommt ihre erste Bluttransfusion, da wissen ihre Eltern immer noch nicht, was ihrer Kleinen eigentlich fehlt. Sechs Wochen und unzählige Untersuchungen später ist dann klar: Noemi ist an einer seltenen Form von Krebs erkrankt. „Natürlich haben wir in dieser Zeit unendlich viel geweint“, erinnert sich Deborah. „Doch da war auch von Anfang an der Gedanke: Jetzt müssen wir gemeinsam stark sein für unser Kind.“ Deborah und Eugen, die Naturverbundenen, die ihre Kinder ohne Fiebersenker und Antibiotika groß kriegen wollten, finden sich plötzlich in einer Lage wieder, in der nur noch stärkste Medikamente das Leben ihrer Tochter retten können. 

Nach jedem Winter kommt ein Frühling

Völlige Abhängigkeit statt grenzenloser Selbstbestimmung. Desinfektionsmittel statt „Dreck reinigt den Magen“. Eine neue Mietwohnung, während der Zirkuswagen vor sich hin rottet. Noemis Krankheit zwingt die Familie, das Gegenteil ihres Traums zu leben. Das fühlt sich schlimm an, sorgt für Stress und Streit – und lässt die Eltern dennoch vor allem demütig werden. Denn, ja, es ist ungerecht, dass gerade sie es so schwer haben. Dass Levi mit seinen vier Jahren aus Sorge um seine kleine Schwester wieder einnässt, dass zu Noemis Krankheit auch noch Geldsorgen kommen, dass ihr Traum vom Zirkuswagenleben zu zerplatzen droht. Doch gleichzeitig haben sie auch Glück: Mit den Ärzten, die ihnen jeden Schritt so lange erklären, bis sie ihn schweren Herzens mitgehen können. Und vor allem mit Noemi, ihrer kleinen Kämpferin, die mit der größten Selbstverständlichkeit all das Unglaubliche einfach als ihre Normalität hinnimmt. Und die lebt – ihrer schlimmen Krankheit zum Trotz. Die Ärzte sagen: Diese Liebe, dieser Zusammenhalt, diese Zuversicht, die sie in dieser Familie spüren, ist der Teil der Krebstherapie, den kein Medikament leisten kann. Dieser Gedanke gibt Deborah und Eugen Kraft. Von zwei Jahren Chemotherapie haben sie schon drei Monate gemeinsam durchgehalten. Wenn alles nach Plan geht, ist im Januar die Intensivphase geschafft. Die Eltern tun nebenbei ihr Möglichstes, ernähren sich als Familie rein pflanzlich und vertrauen zusätzlich zur Schulmedizin auf Naturheilkunde. Ihren Zirkuswagen müssen sie wohl verkaufen. Doch sie sind sich sicher: Ist Noemi erst wieder gesund, wird sich ihnen ein anderer Weg in ein freies, selbstbestimmtes Familienleben auftun. Nach jedem Winter kommt ein neuer Frühling.
 

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Kurz-Info: Krebs bei Kindern

In Deutschland erkranken jedes Jahr ca 1800 Kinder an Krebs. Im Alter von 0 bis 5 Jahren sind bösartige Tumore doppelt so häufig wie zwischen 6 und 15. Die Heilungschancen sind in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Etwa 75 Prozent der Kinder mit Krebs werden wieder gesund.