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Social Media Neuer Trend? Babybilder mit Filter

Mutter macht Foto von schlafendem Baby
© amornchaijj / Adobe Stock
Ist Perfektion ab dem Babyalter zu viel? Eine werdende Mutter drückt auf Instagram ihre Sorge darüber aus. Zu viele Bilder der Kleinen seien inzwischen bearbeitet, erklärt sie.

Wenn wir selbst unsere alten Kinderfotos durchforsten, dann sind sie meist ausnahms- und erbarmungslos ungefiltert. Zu unserem Einstieg ins Leben gab es die vielen Methoden, um die Fotos noch aufzuhübschen, oft noch nicht. Manche waren unglaublich überbelichtet, unscharf oder viel zu dunkel, weil die digitale oder analoge Kamera von damals eben nicht so akkurat war wie ein heutiges Smartphone. Andere zeigen uns dreckverschmiert in unseren Regensachen oder nach dem ausgiebigen Spiel mit Freund:innen – oder mit einem Gesicht voller Schokocreme.
Gerade diese imperfekten Bilder zaubern bei vielen von uns heute noch ein Lächeln aufs Gesicht. Wir durften einfach Kind sein, einfach so aussehen, wie wir sind – mit all den imperfekten und doch so schönen Momenten. Doch anscheinend ist das heute nicht mehr so selbstverständlich.

Gefilterte Babyfotos auf Instagram

In einem Video beschreibt die Influencerin und Journalistin Danae Mercer, dass sie inzwischen oft Anleitungen darüber sehe, wie Eltern es schaffen, ihre Babybilder perfekter aussehen zu lassen. Die Kontraste beispielsweise besser hervorstechen oder die Haut glatter aussieht. Auch Kinder, deren Augen beispielsweise mit einem starken Filter verändert wurden, sieht Mercer häufig bei vorgeschlagenen Inhalten auf Instagram. "Ich hoffe einfach, dass wir nicht das magische, chaotische und UNBEARBEITETE Durcheinander der Kindheit verlieren", heißt es in ihrem Videotext.

"Es ist, als würden wir ihnen die Perfektion ins Ohr flüstern"

Was tut es wohl mit einem Kind, wenn es irgendwann erkennt, dass kein Bild, auf dem es zu sehen ist, unbearbeitet in die Öffentlichkeit gelangt. Mercer beschreibt es wie folgt: Es fühle sich an, als wollten wir ihnen sagen, dass ihre Gesichter besser sein könnten. Ihre Haut glatter. Ihre Storys glänzender. "Es ist, als würden wir ihnen die Perfektion ins Ohr flüstern", so die werdende Mutter in der Beschreibung ihres Posts. "Ich mache mir Sorgen. Denn Kinder sind wie Schwämme. Jetzt schon nehmen sie in dieser Social-Media-Welt so viel mehr auf, als wir realisieren".

Für imperfekte, perfekte Kindermomente

Der Job von Eltern sei es, Kinder sicher durch diese Herausforderungen zu führen, die die sozialen Medien für sie bereit halten, so Danae Mercer. Trotzdem wolle sie aber nicht die Frauen verurteilen, die die Fotos ihrer Babys perfektionieren. Immerhin sei sie selbst gerade noch schwanger und wisse nicht, ob sie später auch ein Geburtsmal oder schuppige Haut entfernen werde. Das filtern junger Mädchen mit großen Augen und besserer Haut, fühle sich aber für sie wirklich seltsam und auch gefährlicher an, erklärt sie. "Jetzt gerade möchte ich nur sagen, dass ich hoffe, dass wir das wirre Chaos der Kindheit nicht verlieren", schreibt sie. "Mit all den Stürzen und Kratzern, den wilden Haaren und den mit Essen verschmierten Gesichtern. Ich hoffe, wir halten diese Momente genauso fest. Imperfekt perfekt und magisch, einfach nur weil sie wahr sind."

Mehr als 100.000 Social-Media-süchtige Teenager

Es ist wichtig, dass wir unseren Kindern den richtigen Umgang mit Handys oder dem Internet generell vorleben. Zu oft wird die Ablenkung durch Smartphones zum Problem. Die Initiative "SCHAU HIN! Was Dein Kind mit Medien macht", ist unter anderem Partner des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Schätzungen zufolge seien etwa 100.000 Teenager in Deutschland Social-Media-süchtig, heißt es auf der Webseite. Das betreffe nach den Ergebnissen einer DAK-Studie die Zwölf- bis 17-Jährigen. 
Was Kinder und Jugendliche auf sozialen Medien sehen, kann sie beeinflussen und ihren Selbstwert negativ beeinflussen. Mit ihnen zu sprechen und ihnen zu zeigen, dass nicht alles, was sie online sehen, der Realität entspricht, ist daher umso wichtiger. Das Internet bietet viele Chancen, birgt aber auch Risiken – für Kinder und Erwachsene gleichermaßen. Daher braucht es die Unterstützung von Eltern in diesem Bereich, um den Kleinen einen verantwortungsvollen Umgang beizubringen.

Verwendete Quellen: Instagram/danaemercer, schau-hin.info, jugendundmedien.ch

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