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Eltern-Kind-Vertrag Diese Taktik hilft Kindern besser als klassischer Hausarrest

Erziehungstipps: Junge schaut gelangweilt aus Fenster
© Irina Polonina / Adobe Stock
Gerade, wenn sich die größeren Kinder etwas Gröberes geleistet haben, ist Hausarrest schnell der erste Reflex. Bei euch auch? Mit dieser Methode kannst du mehr bewirken als mit dem Klassiker.

Im Teenie-Alter kommt es manchmal vor, dass Kinder die Regeln austesten, Grenzen überschreiten oder sie brechen. Doch Hausarrest ist da nicht die Lösung. Denn diese Strafe kann dazu führen, dass Kinder ihren Eltern feindlicher gegenüber stehen, weil sie "unfair" sind. Sie nehmen ihren Müttern oder Vätern dieses Verhalten definitiv übel und das kann wiederum zu einer schlechteren Eltern-Kind-Beziehung führen.

Doch was können wir stattdessen tun, wenn unsere Kinder durch die rebellischen Phasen des Teenager seins gehen? Generell ist es gut, wenn Kinder aus unpassendem Verhalten Konsequenzen lernen. Doch oft sehen Kinder und Jugendliche die Verhältnismäßigkeit nicht. Anstatt während eines Hausarrests darüber zu sinnieren, dass ihr eigener Fehler zu der Situation geführt hat, überwiegt meistens der Frust und das Gefühl von Ungerechtigkeit. Ein gewisser Groll gegen Mutter und Vater sind nicht selten. Gerade dann, wenn vielleicht in ein paar Tagen etwas mit Freund:innen geplant war, dass nun abgesagt werden muss.

Außerdem kann klassischer Hausarrest dazu führen, dass Kinder sich neue Wege suchen, um diesem zu entkommen. Ausreden, wie beispielsweise: "Ich übernachte bei einer Freundin", kommen dann häufiger vor, als nach einer Erlaubnis zu fragen, um auf die anstehende Party gehen zu können. Kurzum: Das Vertrauen in die Eltern kann durch die erzwungene Zeit zu Hause abnehmen. Denn viele Teenager fühlten sich in dieser Situation meist missverstanden und machtlos – und werden die Dinge, die zum Hausarrest geführt haben, uns gegenüber vielleicht nicht mehr erwähnen.

Anstatt das Vertrauen zwischen Eltern und Kind aufs Spiel zu setzen, gibt es laut der US-Psychologin Dona Matthews eine effektivere Form, mit denen Kinder aus ihren Fehlern lernen können.

Mit kleinen Aufgaben zur Freiheit 

Anstelle des klassischen Hausarrests von mehreren Tagen oder Wochen können wir unseren Kindern Karten geben, mit denen sie aus diesem entkommen können. Den Abwasch zu machen oder kurz die Toilette zu putzen, reicht da aber nicht aus. Besser ist es, wenn die Aufgaben über den üblichen Haushalt hinaus gehen und ein bisschen Zeit in Anspruch nehmen. Hier ein paar mögliche Beispiele:

  • Karte 1: Den Kühlschrank säubern.
    Bei dieser Aufgabe muss dein Kind den gesamten Kühlschrank ausräumen und die abgelaufenen Lebensmittel aussortieren. Recycelbare Gegenstände werden ausgewaschen und entsorgt, der Kühlschrank komplett gewischt (und zwar von innen und außen) und am Ende die Inhalte wieder eingeräumt. 
  • Karte 2: Die Fugen im Garten auskratzen.
    Wer einen Garten hat, kann bei Regelverstößen größeren Ausmaßes auf diese Karte zurückgreifen. Denn diese Arbeit ist nicht alltäglich, anstrengend und braucht einiges an Zeit.
  • Karte 3: Exzessives Staubwischen.
    Legt eine gewisse Anzahl an Regalen fest, aus denen alles ausgeräumt werden, die Regalbretter abgewischt und alles wieder eingeräumt werden muss.

Die US-amerikanische Psychologin Dona Matthews empfiehlt 10 "Entkomme-dem-Hausarrest"-Karten bereit zu halten. Diese können direkt griffbereit am Kühlschrank platziert und je nach "Schwere der Tat" gezückt werden. Natürlich sollte keine der Aufgaben zu grausam oder zu eklig sein. Denn auch das kann der Beziehung mehr schaden als helfen. Stattdessen sind aufwendige, aber durchaus machbare Dinge, die normalerweise auf der Strecke bleiben würden, ideal. Wichtig ist es, die Aufgaben sehr genau zu definieren, damit es keine Missverständnisse gibt.

Der Eltern-Kind-Vertrag

Die Karten können Eltern in direkter Rücksprache mit ihrem Kind erstellen. So weiß es direkt, was auf ihn:sie zukommen könnte, wenn er:sie einmal zu weit geht – und kann mitbestimmen. Werden sie ohne Rücksicht auf das Kind zur Regel,  kann es negativ darauf reagieren und sich ungerecht behandelt fühlen. Also:

  • Welcher Unfug führt zu welcher Karte?
  • Welche Regeln gibt es im Haus: Bei der Nutzung von Handy oder Tablet, was die Schulaufgaben oder das Treffen von Freund:innen angeht?
  • Was sind "leichte Vergehen" und welche haben eher schwerwiegendere Folgen?

All das gilt es im Vorfeld zu besprechen und so gut, wie es geht, festzulegen. Natürlich gibt es immer Situationen, die weder Eltern noch Kinder vorher hätten voraussehen können. Doch so weiß das Kind bereits grob, was es wann zu erwarten hat und wird hoffentlich bei künftigem Verhalten über die Konsequenzen nachdenken.

Eins sollte aber klar sein: Trotz des Systems, dass etwas mehr Selbstbestimmung liefert, wird sich ein Kind meistens nicht ohne zu murren aus dem Hausarrest befreien. Aber die Möglichkeit, das Problem selbstständig zu lösen, ist schöner als in purer Langeweile die Zeit zu Hause abzusitzen und bietet eine gewisse Motivation. Der einzige Job für die Eltern ist es dann, abzuwarten bis die Aufgabe erledigt ist. Verhandeln, argumentieren oder belehren, ist in dem Szenario im Normalfall nicht notwendig. Immerhin hat das Kind beim Erledigen der Karte genügend Zeit, um über die eigenen Fehler nachzudenken.

Außerdem kann anstatt einer Strafe in einigen Fällen ein Eltern-Kind-Gespräch ausreichen. Beispielsweise wenn er:sie wiederholt über die Ausgehzeit am Abend diskutiert und alle Beteiligten sich eingestehen müssen, dass er:sie alt genug ist, um die Zeit auszuweiten. In diesen Situationen können die Regeln auch einmal neu aufgestellt oder geändert werden.

Verwendete Quellen: Psychology Today, Apothekenumschau, Bundesministerium der Justiz

lkl ELTERN

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