VG-Wort Pixel

Familienministerium Ist Kristina Köhler eine gute Besetzung?

Das ist mal ein radikaler Wechsel: von der siebenfachen Mutter Ursula von der Leyen zur kinderlosen, unverheirateten Kristina Köhler. Die erste musste sich wegen ihrer Kinderschar manchmal regelrecht verteidigen, die neue muss sich vielleicht fragen lassen, wann sie wirklich in Familie macht. Ursula von der Leyen galt als äußerst durchsetzungsfähig - ihre Erfolge waren beachtlich. Was aber können Familien von Kristina Köhler erwarten?

Warum Kristina Köhler?

Familienministerium : Ist Kristina Köhler eine gute Besetzung?
© www.kristina-koehler.de

Ihre wichtigste Qualifikation: Kristina Köhler gehört dem CDU-Landesverband Hessen an. Sie soll die Lücke füllen, die der Ex-Arbeitsminister Franz Josef Jung, ebenfalls Hesse, im Kabinett hinterlassen hat. Gegen diesen Vorwurf musste sich die designierte Familienministerin dann am vergangenen Freitag nach Bekanntgabe ihrer Nominierung erst einmal zur Wehr setzen.

Sie sieht sich gut gerüstet

Die 32-jährige Soziologin, die seit 2002 im Bundestag sitzt, sieht sich gut gerüstet für ihre neue Aufgabe: "Ich habe mich sowohl in meinem Studium als auch in meiner bisherigen Arbeit im Innenausschuss immer mit gesellschaftlichen Themen befasst. Vor allem habe ich mich um Integration von Migranten und den Kampf gegen Rechtsextremismus, Linksextremismus und Islamismus gekümmert." Diese Themen würden auch in ihrem Ministerium von „entscheidender Bedeutung“ sein. Klar, was wir meistens mit Familienministerium bezeichnen ist ja noch für andere Gruppen zuständig: für Jugend, Senioren und Frauen. Ob die neue Ministerin wohl diese Bereiche stärken wird? Sie hat bereits angekündigt, sich mehr um die Probleme von Jungen kümmern zu wollen.

Ihre Meinung

Köhler gilt als streitbar

Köhler stelle unangenehme Fragen, loben politische Beobachter. Im BND-Untersuchungsausschuss, der sich unter anderem mit dem Fall Kurras beschäftigte, lieferte sie sich heftige Wortgefechte mit dem damaligen SPD-Außenminister Frank-Walter Steinmeier. Aber qualifiziert das eine Berufspolitikerin schon für ein so wichtiges Amt?
Interessanter als die Aufzählung ihrer Qualifikationen sind da schon die Aussagen zum Thema Familie und Vereinbarkeit von Familie und Job:

Zum Betreuungsgeld sagt Kristina Köhler:

"Das ist wirklich ein schwerer Zielkonflikt", so Köhler am Freitagabend in der ARD. Zum einen sei es richtig, dass der Staat jungen Eltern, die ihr kleines Kind komplett zuhause betreuen wollten, eine Anerkennung zukommen lasse. Denn vom Ausbau der Kinderkrippen hätten diese nichts.
"Auf der anderen Seite darf es aber auch kein Anreiz sein für Familien, in denen das Kind sehr gut profitieren könnte von einer Kinderbetreuungseinrichtung, dass die sagen: 'dann lass ich mein Kind lieber zu Hause'", warnte Köhler. "Da müssen wir uns ganz genau Gedanken machen, wie wir dieses Dilemma lösen."

Zur Vereinbarkeit von Beruf und Job meint die neue Familienministerin:

Es gehe es darum, für junge Paare mit Kinderwunsch "Rahmenbedingungen zu schaffen, dass sie den auch verwirklichen, dass sie Kinder kriegen und möglichst nicht nur eins". Köhler will die erfolgreiche Arbeit von Ursula von der Leyen fortführen. Das heißt konkret: den bereits in Gang gebrachten Ausbau der Kinderbetreuung vollends umsetzen. Aber sie will auch neue Akzente setzen und sich dabei insbesondere um die Probleme der Männer kümmern. So hätten junge Väter bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf oft größere Probleme als Frauen, an ihrem Arbeitsplatz zu erklären, dass auch sie Zeit für die Familie bräuchten., sagte die CDU-Politikerin.

Was ist für Sie Familie? Dazu sagt Köhler:

"Ideal ist Familie auch nicht immer. Aber wenn in Partnerschaften oder zwischen Kindern und Eltern gegenseitig Verantwortung füreinander übernommen wird, und alle an einem Strang ziehen, dann ist das großes Glück." So antwortete Köhler der "Bild am Sonntag" auf die Frage nach der idealen Familie. Köhler steht auch gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften positiv gegenüber: "Auch in diesen Partnerschaften werden Werte gelebt, die für unsere Gesellschaft entscheidend sind. Oft sogar sehr konservative Werte."

Ministerin und Mutter - geht das für Sie?

Köhler selbst hält grundsätzlich eine Tätigkeit als Ministerin und Mutter für vereinbar. Auf die Frage "Ministerin und Mutter - wie geht das?" antwortet sie: "Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist eines der wichtigsten Themen des Familienministeriums." Die 32-Jährige lebt übrigens mit dem CDU-Bundestagsabgeordneten Ole Schröder (38) zusammen. Er ist seit Oktober parlamentarischer Staatssekretär im Innenministerium.


Mehr zum Thema