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Regretting Parenthood "Ich liebe mein Kind, aber ..." - Neue Studie zu bereuter Elternschaft 2016

Eigentlich sollte der Satz "Ich liebe mein Kind" genau so sein, wie ein Fels in der Brandung. Groß, gewichtig und unumstoßbar. Eigentlich. Doch bei manchen hat sich im Laufe der Zeit ein "aber" dazugesellt, dass das eigene Seelenleben derjenigen ganz schön ins Wanken bringen kann. Denn die eigenen Elternschaft zu bereuen geht doch gar nicht - oder? Eine aktuelle Studie der YouGov ist genau dieser Frage auf den Grund gegangen:

Im Zeitraum vom 15.06. bis 17.06.2016 wurden für eine repräsentative Umfrage (nach Alter, Geschlecht, Region) des international tätigen Markt- und Meinungsforschungsinstituts YouGov 2045 Menschen befragt, ob sie ihre Elternschaft schon einmal bereut hätten bzw. es aktuell tun.

Den Satz "Ich liebe meine Kinder, aber ..." gaben 95 % der Befragten als Antwort - die Gründe für das Komma nach "Kinder" aber, sind vielfältig.
56 % können es z.B. gut nachvollziehen, wenn Mütter ihre Mutterschaft schon einmal bereut haben, 54 % fühlten sich von der Elternschaft in ihrer persönlichen Entwicklung auch schon eingeschränkt.
Irgendwie verständlich, denken doch 53 %, dass von Müttern ein Verzicht auf die eigene Karriere erwartet wird - natürlich zugunsten der Kinder. Auch der Gedanke, sich machmal für die Familie aufgeopfert zu haben, resultiert für 46 % der Befragten daraus.

Doch auch wenn das alles ziemlch hart klingt, führt das Bewusstsein um den persönlichen Verzicht noch lange nicht dazu, dass man sein Kind weniger liebt - vielmehr ist es genau die Liebe zu den Kindern, wegen der man seine eigenen Bedürfnisse hinten anstellt.

20 % der Befragten gaben allerdings offen zu, dass sie sich heute anders entscheiden würden. Sie beendeten den Satz "Ich liebe meine Kinder, aber .." mit den Worten "...könnte ich mich heute nochmal entscheiden, würde ich keine Kinder mehr bekommen wollen.".

Gerade Frauen sehen ihren beruflichen Aufstieg und die eigene persönliche Entfaltung stärker beeinträchtig, als Männer.
Und diese Sorge kommt nicht von ungefähr, denn es sind es Kriterien "Kinder" und "Elternzeit", welche Personalern leider Dornen im Auge sind.
Ein Wiedereinstieg ins Berufsleben, bestenfalls sogar in den alten Job, ist für Mütter leider oft nicht so ohne weiteres möglich.
Aussagen wie "Ohne die Geburt meines Kindes wäre mein beruflicher Aufstieg besser verlaufen" kommen verstärkt von Frauen.
Ihr Gefühl, dass sich das Elternsein negativ auf ihren persönlichen Werdegang ausgewirkt hat, ist daher wesentlich stärker ausgeprägt, als bei ihren männlichen Kollegen oder Partnern. Insgesamt 60 % der Befragten sind dieser Ansicht.
Aber: Auch 27 % derer, die sich heute FÜR Kinder entscheiden, sehen das genau so.
Paradox? Nein. Nur realistisch.

Es sind aber nicht nur die beruflichen Aspekte, welche das Ergebnis der Studie prägen.
Auch Fakten wie die, dass die eigene Elternschaft keine Genugtuung bereitet (20%-Punkte*), das Kind bzw. die Kinder keine Wunschkinder waren (19%-Punkte*), die Betreuungsmöglichkeiten für Kinder einfach zu spärlich gesät sind (11%-Punkte*) oder dass man nicht mehr mit der Mutter bzw. dem Vater des Kindes zusammenlebt (8%-Punkte*), gaben maßgebliche Ausschlag.

Weitere Infos zu dieser Studie und den Ergebnissen findet Ihr direkt bei YouGov.


*Differenz in der Zustimmung-Stärke der einzelnen Statements zwischen denen, die sich heute FÜR (n=898) bzw. GEGEN (n=239) Kinder entschieden würden. (Basis: Top2Box: "stimme voll und ganz zu und "stimme eher zu")

Quelle: YouGov 2016 - Regretting Parenthood | Juli 2016

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