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Gut gemacht? So kommt das Lob richtig bei deinem Kind an

Kinder loben: Eine Mutter klatscht mit ihrer Tochter ab
© Flamingo Images / Adobe Stock
Gut gemacht! Ein Lob kann Kindern Flügel verleihen – aber auch nach hinten losgehen. Wie machen wir es richtig?

Ab 3 Jahren

Von Anfang an auf Augenhöhe

Auch wenn euer Kind noch ziemlich klein ist: Es lohnt, sich die Sache mit dem Loben schon jetzt genauer anzusehen.

Ein Lob hat zwei Funktionen: Zum einen steuert und kontrolliert es andere Menschen. Wenn das Kind also einer Flöte die ersten schiefen Töne entlockt, dann bedeutet das "Bravo!" der Eltern nicht, dass das eine musikalisch hochwertige Darbietung war. Sondern es sagt in diesem Fall: "Weiter so! Du bist auf dem richtigen Weg."

Zum anderen ist ein Lob auch immer Feedback und Leistungsrückmeldung. Im Fall mit der Flöte schwingt mit: Wir haben eine Erwartung dir gegenüber (oder: Wir haben dir einen Auftrag gegeben), und du hast sie – zu unserer Zufriedenheit – erfüllt.

Ein Lob ist also etwas, was eine Chefin einem Angestellten gegenüber ausspricht. Oder eben auch etwas, was Eltern zu Kindern sagen. Eins ist dabei klar: Gelobt wird von oben nach unten. Oder käme es euch nicht komisch vor, wenn euer Dreijähriger lässig sagen würde: "Guter Job, Mama!"

Zwar verstehen kleine Kinder die Hierarchie hinter den Aussagen noch nicht. Aber etwas zweifelhaft bleibt die Kommunikation von oben nach unten naturgemäß trotzdem. Auch wenn man bedenkt, dass die Gesellschaft kleine Kinder heute als gleichwertige (nicht: gleichberechtigte) Menschen betrachtet.

Unterstützen wir also die Kinder und uns von Anfang an bei der gemeinsamen Entwicklung. Dreijährige sind ja noch sehr an uns und unserem Alltag interessiert: Sie sind dabei, wollen alles ausprobieren. Und uns eine Freude nach der anderen machen. Sie helfen gern mit. Was wäre da natürlicher als ein herzliches "Dankeschön" für die Hilfe beim Tischdecken? Oder ein ehrliches "Ich freue mich so über das Bild, das du mir gemalt hast. Wollen wir das einrahmen?" Das stärkt – auf ganz selbstverständliche Weise – die Eigeninitiative der Kinder. Und, spürt ihr was? Genau: Es stärkt auch die Bindung!

Wir leben in einer Zeit, in der die Sprache gründlich umgekrempelt wird. Wir führen das Gendern ein und entlarven Diskriminierung und Rassismus, wo sie sich in Worten festgesetzt haben. Und wer mitmacht, merkt: Das alles verändert was. Zuerst in unserer Gefühlswelt: Wer seinem Kind (oder einer Angestellten) aufrichtig dankt, der steigt von seinem Sockel runter. Verzichtet auf Hierarchie, begibt sich auf Augenhöhe, öffnet sein Herz. Klar kann es sein, dass wir beim Kinderloben trotzdem mal unpassende Worte wählen. Eltern dürfen Fehler machen. Das ist beim Lernen unvermeidlich – und das versuchen wir ja auch, unseren Kindern beizubringen. Die Hauptsache ist deshalb immer, dass wir das, was wir tun, mit Wärme tun – uns selbst und den Kindern gegenüber, ganz besonders wenn sie noch klein sind. Kurz: Auf die Haltung kommt es an!

Beschreiben statt bewerten

Ein Tipp von den Kommunikations-Expertinnen Adele Faber und Elaine Mazlisch: Wenn man beschreibt, was man sieht, denkt und fühlt, braucht man weder Lob noch Tadel. So könnt ihr beim Haarekämmen erklären: "Wenn du den Kopf ruhig hältst, kann ich dir besser die Haare flechten. Die Strähnen rutschen mir sonst aus der Hand", statt nur zu sagen: "Gut so." Oder: "Schluss mit dem Gezappel!" Wirkt auch im Gespräch mit anderen Erwachsenen wahre Wunder …

Ab 8 Jahren

Aller guten Dinge sind drei

Die Psychologin Dr. Daniela Renger von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel hat ein Modell der sozialen Anerkennung entwickelt. Es basiert auf drei Komponenten: Zuneigung, Respekt und Wertschätzung.

Eltern Family: Wie lobt man richtig, Frau Renger?

Dr. Daniela Renger: Ein Lob sollte immer authentisch sein – nicht aufgeblasen. Und es sollte sich möglichst auf etwas beziehen, was das Kind auch beeinflussen kann. Man kann sagen: "Du hast dich wirklich super angestrengt beim Schwimmen!" aber besser nicht: "Du bist die geborene Schwimmerin!" Dann kann das Kind dies besser einordnen und hat keine grundlegenden Zweifel, wenn es mal nicht super schwimmt. Wichtig ist nur, dass man seinem Kind wirklich vollwertige Anerkennung zeigt.

Was heißt es, das Kind vollwertig anzuerkennen?

Neben der Wertschätzung der Leistungen eines Kindes sind auch Zuneigung beziehungsweise Liebe und Respekt wichtig. Das Loben ist eine besondere Form der Wertschätzung – nämlich eine, die sich direkt auf eine Handlung oder ein Ergebnis bezieht. Und das ist nicht unproblematisch.

Kann es einem Kind also schaden, wenn man es lobt?

Schon. Dann, wenn man zu viel Gewicht aufs Loben legt und dabei die Zuneigung und wirklichen Respekt – das heißt Kinder als Interaktionspartner und -partnerinnen ernst zu nehmen – vernachlässigt. Im Gegensatz zu diesen beiden Komponenten ist Lob immer an die Bedingung geknüpft, dass sie etwas leisten.

Ab der zweiten Klasse – also etwa ab acht Jahren – werden meistens in der Schule Noten vergeben. Sagt man Kindern damit nicht: Guck mal, jetzt beginnt der Ernst des Lebens, jetzt zählt vor allem deine Leistung?

Noten sind problematisch, weil sie uns Objektivität suggerieren. Ein direkter sozialer Vergleich mit anderen wird dadurch ermöglicht und gefördert: Wer ist der oder die Beste? Wir Erwachsenen können gegensteuern, wenn wir mit den Kindern reden und nach deren eigener Einstufung fragen. Innerhalb der persönlichen Entwicklung kann eine Drei auch ein großer Erfolg sein – der als solcher anerkannt werden sollte.

Man kann ja auch mal einen schlechten Tag haben oder noch sehr verspielt sein … und hat dann schon zu Beginn der Schullaufbahn die belastenden Noten an der Hacke.

Gut, wenn Eltern Druck rausnehmen und nicht so viel auf Noten geben. Auch die mit Einser-Kandidaten nicht. Sie haben ebenfalls mal einen schlechten Tag und sollten sich auch dann der Liebe und des Respekts der Eltern sicher sein können. Noten sind am effektivsten, wenn sie auch eine Feedbackfunktion enthalten, das heißt, wenn das Kind lernt, was es beim nächsten Mal anders machen kann.

Wie funktioniert Ihr Modell, wenn das Kind etwas schlecht gemacht hat? Kann man tadeln, ohne die Zuneigung zu gefährden?

Auf jeden Fall, wenn man sich eben klarmacht, dass es sehr unterschiedliche Formen von Anerkennung gibt, die auch unabhängig voneinander ausgedrückt werden können. Ein Kind kann man auch im Arm halten, während man ihm in Ruhe erklärt, was es falsch gemacht hat und warum.

Forschende Eltern

Daniela Renger ist zweifache Mutter und hat mit ihrem Mann gerade ein Buch über das gemeinsam entwickelte Modell veröffentlicht: Sophus Renger und Daniela Renger, "Die Suche nach Selbstrespekt – Wie Anerkennung unser Selbstbild formt", Vandenhoeck & Ruprecht, 25 Euro

Ab 12 Jahren

Sag mal was Nettes!

Wie seht ihr das mit dem Loben, worüber freut ihr euch, was nervt euch? Das haben wir pubertätsgebeutelte Teenager, Mütter und Väter gefragt.

"Letztens hat meine Chemielehrerin mir eine Arbeit zurückgegeben und gesagt, dass sie sehr überrascht gewesen sei, weil die so gut war. Eine Zwei. Ehrlich gesagt war ich auch ziemlich überrascht – und habe mich richtig gefreut! So ein Satz motiviert mich viel mehr als meine Eltern, die eher rummeckern, wenn sie finden, dass ich nicht genug für die Schule mache."

Lasse, 13

"'Kannst du vielleicht auch mal was Nettes über mich sagen?', habe ich unsere Tochter angepflaumt, weil sie wirklich gerade in einer seeehr anstrengenden Phase ist. Pubertät nennt man das, glaub' ich … Sie hat wohl gemerkt, dass ich den Tränen nahe war, jedenfalls wurde sie kurz still. Dann hat sie gesagt: 'Ich finde, du bist eine lustige Mama. Mit dir kann man gut reden … manchmal.' Ich glaube, mit diesem Feedback halte ich erst mal noch eine Weile durch …"

Nadja, 48, Mutter von Nina, 12

"Mein Sohn kaut Fingernägel. In letzter Zeit hat er sich auch sehr zurückgezogen. Ich hab’s auf die Pubertät geschoben. Der Psychologe, zu dem wir jetzt gehen, sieht das anders. Er glaubt, dass ich zu hohe Ansprüche stelle. Als Alleinerziehende war ich tatsächlich immer sehr froh, dass ich mir wenigstens ums Thema Schule keine Sorgen machen musste. Wenn Nico mit einer Zwei ankam, habe ich nachgehakt: 'Wieso keine Eins?' Nur für die gabs dann ein Eis oder ein neues T-Shirt. Ich habs wohl übertrieben und dabei übersehen, was für mein Kind gerade richtig und wichtig ist. Da habe ich jetzt einiges nachzuholen."

Eva, 42, Mutter von Nico, 14

"Ich habe in der Schule eine Kissenhülle genäht – und sie meinem Papa geschenkt, obwohl ich sie auch gern selbst behalten hätte. Er hat sich sehr überschwänglich bedankt. 'Wow! Die ist ja toll! Ich fühle mich geehrt! Tolles Teil.' Aber jetzt liegt mein Geschenk seit Wochen auf seinem Schreibtisch rum – und er benutzt sie gar nicht. Ich bin ein bisschen enttäuscht, weil ich mir wirklich Mühe gegeben habe. Vielleicht nehme ich sie wieder zurück und er kriegt 'ne Tafel Schokolade … oder so was. Das geht immer."

Helena, 11

"'Super', 'toll' – so einfach und plump soll man ja nicht loben, weiß ich schon! Aber das ist gar nicht so einfach! Ich bremse mich dann, weil ich natürlich ein vorbildlicher Vater sein will. Aber wenn ich nicht einfach reden kann, wie mir der Schnabel gewachsen ist, dann fehlen mir ab und zu ganz die Worte. Das letzte Mal habe ich meinem Sohn dann einfach gerührt die Schulter getätschelt, als er mir eine Datei gerettet hat, die für immer verloren schien. Ein 'Danke' wäre natürlich auch eine Option gewesen."

Marcel, 50 Jahre, Vater von Jost, 13

Mal andersrum

Vermutlich ist Maximilian Brost immer noch der einzige Sohn, der als Teenie ein Buch darüber geschrieben hat: "Wie Väter ticken". Brosts Tipp: "Man sollte seinem Vater Bestätigung geben. Ihm zum Beispiel sagen, er könne den Fernseher besser reparieren als jeder Techniker. So etwas ist Vätern sehr wichtig."

ELTERN

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