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Kindererziehung mit wenig Regeln und viel Liebe

Blog Model und Mama Elischeba Wilde
Elischeba Wilde
Schon wieder erwische ich mich dabei, wie ich zum Nachbartisch rüberschiele. Wir befinden uns gerade auf Mallorca im Urlaub, während ich neben mir Eltern beobachte, die mit ihren erwachsenen Kindern das gleiche Hotel gebucht haben wie wir und immer wieder herzlich auflachen und sich hervorragend verstehen. Da liegt so ein freundschaftliches Verhältnis in der Luft.

Model und Mama


Gerade überlege ich, wie ich Kontakt mit ihnen aufnehmen kann, da kommt mir der Mini Chef mit einem kurzen Gesang zuvor. „Süßen Jungen haben Sie“ findet die braun gebrannte Nachbarsmama - ein darauf folgender Smalltalk folgt und ich erfahre, dass ihre mitreisenden Töchter 19 und 22 sind.

„Wie haben Sie das hingekriegt, dass Ihre erwachsenen Töchter so gern mit Ihnen zusammen in den Urlaub fahren?“ möchte ich wissen und frage nach dem Geheimtipp für die zurückliegende Erziehung.

„Indem wir einfach alles so gemacht haben wie die Kinder es wollten“, erwidert sie mit einem Augenzwinkern – während ich erst kurz schmunzele und wir dann alle zusammen lachen.

„Dann können wir ja gar nicht so viel falsch machen“ rufe ich zurück und höre mir danach noch ein paar Anekdoten aus deren Leben an.

Nun ja. Sagen wir mal so. Alles machen wir natürlich nicht so wie unsere Kinder wollen. Sonst hätten wir in unserem Garten einen 14 Tonnen schweren Bagger stehen, weil Söhnchen Leon – als er so einen das erste Mal gesehen hat – auch einen haben wollte.

Vor allem würde mein Mann Pierre dann harzen. Was das ist? Ich hab den Begriff kürzlich an der Bushaltestelle aufgeschnappt. Da standen ein paar qualmende Jugendliche herum, die sich über ihren Berufswunsch unterhalten haben. Harzen ist – jetzt hab ich was dazu gelernt – ein Begriff für Harz 4 empfangen.  

Denn wenn es nach unserem Mini Chef gehen würde, dann sollte Papa immer zu Hause bleiben und am Besten den ganzen Tag mit ihm ICE und Güterzug spielen, Drachen steigen lassen oder durch Regenpfützen laufen.

Trotzdem lassen wir unsere Kids viel selbst entscheiden und erziehen bedürfnisorientiert. Weil wir folgendes Motto leben: So viel Liebe wie möglich – so wenig Regeln wie nötig.

Reichlich Platz für Entfaltung, Freiraum, Selbstständigkeit und eine eigene Persönlichkeit.

Ist es nicht so, dass wir als Eltern manchmal denken, dass wir streng sein müssen, um unsere Kinder vernünftig zu erziehen? Dass wir meinen, dass wir schimpfen und strafen müssen und dass das Wort „Nein“ regelmäßig fallen muss?

Andererseits sehnen wir uns nach Frieden und Harmonie. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Kinder sich wohler fühlen, wenn Erziehung in einer liebevollen Weise vermittelt wird – wenn Kinder respektiert werden und wenn Kinder sich geliebt und verstanden fühlen.

Ihr kennt sicherlich alle die Supermarktszene mit dem schreienden Kind, das sich auf den Boden wirft, weil es heute keinen Schokoriegel kriegt. Was kann man hier am Besten tun? Nach meiner Erfahrung folgendes: Das Kind einfach in den Arm nehmen und fragen was denn so schlimm ist und Alternativen zeigen. Und dem Kind auch ein wenig Raum einräumen um runter zu kommen.

Auch finde ich es ganz wichtig, dass Kindern von Anfang an gezeigt wird, dass sie unabhängig von ihren Taten geliebt werden – einfach für ihre Existenz.

Ansonsten kann es passieren, dass Kinder mutlos werden und sich zurückziehen.  

Natürlich erwarten sie Orientierung von uns – aber mit der Möglichkeit trotzdem sie selbst sein zu dürfen.

Wir versuchen jederzeit ein freundschaftliches Verhältnis zu unseren Kindern zu bewahren und entschuldigen uns auch bei ihnen, wenn wir das Gefühl haben, dass wir in Stresssituationen gereizt reagiert haben. Der Mini Chef meinte noch vor ein paar Tagen zu mir, dass ich etwas zu böse gesagt habe und hatte Recht – ich habe einfach zu spontan reagiert.

Ich finde, dass alles leichter verhandelbar ist, wenn eine gute Verbindung besteht. Wer zu streng und hart ist kann bewirken, dass sich das Kind nach und nach entfernt und andere Vertrauenspersonen bevorzugt.

Und ja – wir richten uns gern mal nach unseren Kindern – weil sich das für uns alle gut anfühlt. Uns stört Erziehung, bei der zu viel Macht einfließt – wenn sich Kinder angenommen und verstanden fühlen, dann öffnen sie sich unsere Meinung nach leichter.

Ob wir mit unserem eher lockeren Erziehungsstil Erfolg haben wird die Zeit zeigen.

Vielleicht werden wir feststellen, dass wir nicht immer richtig liegen. Wir werden bestimmt Fehler machen.

Aber vielleicht werden auch wir in 17 Jahren mit unseren erwachsenen Kindern auf Mallorca beim Dinner am Tisch sitzen, ein Glas Rotwein trinken, zusammen lachen und unsere Gemeinsamkeit genießen. Und vielleicht fragt uns dann auch jemand wie wir das hingekriegt haben.


Lächeln und Winken

 
 

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