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Urlaubsvorbereitungen mit Kindern Wie das Packen für die Ferien zur Qual wird

Kolumne: Lieber echt als perfekt
© Eltern
Wir wollen das Leben umarmen, doch manchmal stellt es sich bockig an und umarmt einfach nicht zurück. Unsere Redakteurin Lea Kästner kommt da ganz schön oft ins Grübeln. Diese Woche erzählt sie, wie sie an den Urlaubsvorbereitungen verzweifelt. Denn die Kinder helfen. Und dass dann nicht alles glatt läuft, ist wohl klar!

Ich bin urlaubsreif. Und wenn ich das nicht eh schon wäre, würde der Organisations-Wahnsinn kurz vor unserem Urlaub definitiv dafür sorgen. Es gibt so viel zu bedenken, zu packen, vorzubereiten. Es ist jedesmal dasselbe: Bei Abfahrt sitze ich schnaubend, verschwitzt und sorgenvoll im vollgepackten Wagen und denke darüber nach, was ich alles vergessen haben könnte. Dabei kann das gar nicht sein, schließlich ist unser Wohnmobil dermaßen vollgepackt, dass man meinen müsste, unser gesamtes Hab und Gut befände sich darin – ausnahmslos. Die maximal erlaubte Zulademenge – mit großer Wahrscheinlichkeit weit überschritten.

Die fahrende Drogerie

Wir verreisen seit Jahren mit unserem Wohnmobil. Und das habe ich mir früher immer so romantisch vorgestellt. Dem Freiheitsdrang folgend steigt man einfach ein und fährt, wohin es einen zieht. Spontan, unkompliziert und irgendwie lässig. Als wir noch zu zweit waren ­– damals war es noch der zugegebenermaßen coolere VW-Bus – fühlte es sich auch so an. Doch mit Kind 1 und spätestens seit Kind 2 geht nichts mehr ohne ausgedehnte Vorlaufzeit mit langen Erinnerungslisten und jeder Menge Schweißperlen. Auf einmal wurden die Schränke tagelang mit Windeln verschiedener Größen, Fläschchen, Breigläschen, Wickelunterlagen und Feuchttüchern verstopft und unser Wagen wirkte von innen auf einmal eher wie die Babypflege-Abteilung in einer Drogerie. Klar, kann man all diese Dinge auch vor Ort besorgen, aber was, wenn es uns doch an einen einsamen Strand ohne Infrastruktur verschlägt?!

Ein- und Auspack-Wahnsinn

Windeln und Co. sind inzwischen verschwunden und wurden ersetzt durch überquellende Playmobilkisten, Kuscheltierhaufen, Buntstifte, Malblöcke und Berge von Kinderbüchern. Wenn man irgendwo auf einem Rastplatz arglos und nichts ahnend einen Schrank öffnet, ist es nicht unwahrscheinlich, von einem Stapel Tip-Toi-Bücher erschlagen zu werden.

Was die Vorbereitungen momentan erheblich erschwert, ist die Tatsache, dass die Kinder fleißig mithelfen. Es werden Dinge ins Wohnmobil verfrachtet, die auf gar keinen Fall mit können und von mir wieder ausgepackt werden müssen. Sei es der XXL-Kuschelvogel Wuppi, der allein fast zwei ganze Sitzplätze einnimmt, die riesige Playmo-Ritterburg mit Schutzwall und Zugbrücke oder die gefühlt 20 Kilo schwere Schatztruhe, die bei Bremsmanövern zum Totschlag-Geschoss auf der Autobahn wird.

Andersherum werden auch munter wichtige Gegenstände, die ich vorausschauend schon drei Tage vor Abfahrt eingeladen habe, einfach wieder ausgeladen. Wenn ich dann am Urlaubsort bei strömendem Regen frage, wo die Gummistiefel der Kinder sind, stehen diese mit Sicherheit auf unserer Terrasse zuhause, weil darin bei 25 Grad und Sonnenschein kurz vor Abfahrt noch einmal Fußball gespielt werden musste. Die große Stranddecke befindet sich im heimischen Kinderzimmer als Dach einer imposanten Höhle und die Kinderzahnbürsten … ja, niemand erinnert sich, was mit denen vor der Abreise passiert ist.

Jede Checkliste verlangt eine Gegencheckliste und das möglichst dreimal täglich. Wer da kein großes Organisationstalent mit Buddha-ähnlicher Gelassenheit ist – beides kann ich nicht zu meinen Stärken zählen – kann nur verzweifeln. Ich bin gestresst hoch drei.

Eine Teillösung des Problems: Es werden vorsichtshalber nur noch Destinationen angefahren, die über genügend Einkaufsmöglichkeiten verfügen. Abgelegener Strand, bewaldetes Nirgendwo, einsame ländliche Region adieu. Denn erstmal muss es am Zielort doch zum Einkaufen gehen. Dinge besorgen, die man zuhause, aber eben nur dort, bereits doppelt und dreifach hat. Da fällt mir ein: Ich sollte schon mal einen Platz für den nächsten Flohmarkt buchen. Unser Keller ist rappelvoll. 

Aber eigentlich braucht man doch nichts

Während ich hier wieder schwitzend zwischen Haus und Wohnmobil hin und her renne, einräume, ausräume, schimpfe und Listen durchgehe, versuche ich mich zu beruhigen: Was am Ende auch fehlt ­– eigentlich doch total egal, oder?! Hat uns das jemals in eine Urlaubs-Krise gestürzt oder uns die Ferien völlig verhagelt? Es gibt nur ganz wenige Dinge, die es wirklich problematisch machen, wenn sie nicht da sind. Ausweispapiere und wichtige Medikamente vielleicht. Aber sonst? Es lässt sich doch erstaunlicherweise auch ohne spezielles Equipment für alle Eventualitäten gut urlauben und eine tolle Zeit haben. Man braucht viel weniger als man denkt. Wieso vergesse ich das immer wieder? 

Bereits erschienen von Lea Kästner:

Wäscheberg oder Waschbrettbauch: Vom Druck besser sein zu wollen

Die große Panikmache: Wie mich andere Mütter verrückt machen

ELTERN

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